von Inga Detleffsen 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Gary Winter: „Ich glaube nicht an den vollautomatischen Fruchthändler“

Der Obst- und Gemüsehandel ist ein zeitsensitives Geschäft – „und dann hat man sowieso so viel zu tun und es muss noch eine Rechnung digital erstellt werden“, brachte Gary Winter, Geschäftsführer der Blue Ocean Software GmbH, das Gefühl in Worte. Das Hamburger Unternehmen berät Firmen bei der Einführung von branchenspezifischen Cloud-ERP-Lösungen und begleitet sie bei der digitalen Vernetzung ihrer Geschäftsprozesse.

Gary Winter, Geschäftsführer der Blue Ocean Software GmbH, auf dem Deutschen Obst & Gemüse Kongress 2026
"Durch KI verschiebt sich der Zeitpunkt des Wissens", erklärte Gary Winter in Düsseldorf.
© Richard Theemling

Denn trotz knapper Zeit würden immer weitere Faktoren auf die Unternehmen „abgewälzt“, stellte er während seines Vortrags auf dem Deutschen Obst & Gemüse Kongress fest – und das, während die Produkte nicht warten könnten, denn „die Banane hat eine Deadline“, so Gary Winter plakativ. 

Viele Informationen seien inzwischen verfügbar, doch: „erkennen wir das, worauf es ankommt, um unsere Entscheidungen zu treffen?“, fragte er in die Runde. Den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sah er dabei als grundsätzlich vorteilhaft an, ermögliche diese es doch, den „Zeitpunkt des Wissens“ zu verschieben, so dass man informationsseitig also „vom Rückspiegel zur Windschutzscheibe“ wechsele. Doch selbst dann, mit allen Prognosen zur Hand, müssten Entscheidungen getroffen werden. Dazu gehöre, welche Partie an welchen Kunden gehe, welche Qualität sich für welchen Kanal lohne und wo Verderb entstehen könnte, noch bevor er sichtbar wird. Gleichzeitig müssten Nachweispflichten erfüllt werden, ohne Betriebe zusätzlich zu belasten.

"Die Zukunft gehört denen, die Informationen am besten nutzen"

Genau da bekomme ein Warenwirtschaftssystem eine neue Bedeutung, so Gary Winter, denn „da liegt die operative Realität eines Unternehmens, auf die eine KI aufsetzen muss“. Dabei sei bei KI „nicht alles ChatGPT“, lachte er: Bei der Blue Ocean Software GmbH setze man auf die Lösungen von Aptean Food & Beverage. Dadurch entstehe eine vertikale KI-Integration, die ermögliche, das „Sehen“ mit dem „Vorausschauen“ und dem „Handeln“ zu verknüpfen, erklärte der Hamburger Geschäftsführer. Durch das ERP-System werden die operativen Daten sichtbar, während die integrierte KI helfe, Engpässe und Chancen zu erkennen. 

Er glaube nicht an den „vollautomatischen Fruchthändler“, stellte Gary Winter am Ende seines Beitrags fest, sondern vielmehr daran, dass durch die Verknüpfung Unternehmen deutlich früher erkennen können, was auf sie zukommt. „Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen mit dem größten KI-Einsatz sondern denen, die diese Informationen am besten nutzen können“, war er überzeugt.