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Forschung zur Trockentoleranz von Apfelunterlagen: Erste Erkenntnisse aus dem Feldversuch

Im Agroforst Reallabor des Projekts TransRegINT (Transformation der Region Niederrhein: Innovation, Nachhaltigkeit und Teilhabe) der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) forscht Doktorandin Anna-Lea Ortmann gemeinsam mit Praxispartnern zur Trockentoleranz und Vielfalt von Apfelunterlagen.

Apfelbäume im Feldversuch
© Jens Gebauer/HSRW

Im Februar 2024 startete das Forschungsprojekt im Tropischen Gewächshaus mit Lehr- und Schaugärten der HSRW in Kleve. Insgesamt 264 einjährige Pflanzen und sechs verschiedene Apfelunterlagen von stark- bis schwachwüchsig wurden gepflanzt. Von Juni bis August 2024 wurde ein Trockenstress-Experiment durchgeführt. Die daraus 256 verbliebenen Apfelunterlagen wurden im Januar 2025 unter Mithilfe des LIKK e.V. (Landschaftspflege im Kreis Kleve) mit den Edelsorten Zabergäurenette und Rheinischer Winterrambur veredelt und in eine Baumschule verpflanzt.

Im November 2025 wurde eine Auswahl der Apfelbäume auf den vier Unterlagen Bittenfelder, Antonovka, M9 T337 sowie G214 in Agroforststreifen auf landwirtschaftliche Flächen zweier Agroforst Reallabor-Kooperationspartner ausgepflanzt. Sie werden nun langfristig sowie unter Bewirtschaftungs- und Feldbedingungen untersucht. Im Vordergrund stehe die Frage, wie sich die Bäume auf den verschiedenen Unterlagen bei unterschiedlicher Standortgüte entwickeln und welche Unterlagen Dürreperioden langfristig besser trotzen. Mit den zwei Edelsorten Zabergäurenette und Rheinischer Winterrambur können zudem Beobachtungen zu verschiedenen Unterlagen-Edelsorten Kombinationen gemacht werden.

Hierzu wurden auf der ersten Fläche 71 Apfelhochstämme und Niederstammspindeln in zwei jeweils ca. 175 m lange Baumreihen gepflanzt. Der tonig-schluffige Boden biete den Bäumen optimale Wuchsbedingungen. Auf der zweiten Versuchsfläche seien es 55 Bäume in einer Reihe auf einer Länge von 390 m. Hier bringe der sandige Boden den Kulturapfel in Zeiten des Klimawandels an seine Grenzen. Ein weiterer Baumstreifen oder eine Hecke wird hier gegebenenfalls noch in den Folgejahren ergänzend gepflanzt. Denn es sei nicht unüblich, Agroforstsysteme sukzessive zu pflanzen, um z.B. die gesammelten Erfahrungen in die Anlage weiterer Streifen einfließen zu lassen.

Pflanzung

Die Anlage der Agroforststreifen erfolgte gemäß dem Bleiber-Weicher-System. Die Hochstämme verbleiben, die Niederstammspindeln werden über die Jahre weichen. Auf unserem Gunststandort wurden die Hochstämme auf 14 m Abstand gepflanzt. Zwischen ihnen stehen in der ersten Reihe jeweils fünf Niederstammspindeln. Anna-Lea Ortmann: „Für die Hochstämme erwarten wir einen Kronendurchmesser von bis zu 12 m, damit haben wir mit den 14 m also etwas mehr Puffer als bei einer reinen Hochstammpflanzung üblich. Trotzdem werden in etwa zehn Jahren die ersten Niederstammspindeln den Hochstämmen weichen müssen – angefangen bei den Spindelbäumen, die direkt neben den Hochstämmen wachsen und deren Kronenentwicklung auf lange Sicht beeinträchtigen werden würde.“ Wann genau und wie die Entnahme der Weicher sinnvollerweise durchgeführt wird, sei Teil der gemeinsamen Praxisforschung. Wichtig zu wissen: Die Spindelbäume gehen früher, geben aber auch früher Erträge und überbrücken die ertragslose Zeit der Hochstämme. „Bei den Spindelbäumen rechnen wir mit einem Vollertrag nach etwa fünf bis sechs Jahren Standzeit“, so Anna-Lea Ortmann. 

Motivation des Kooperationspartners

Für Landwirt Hendrik van Aken vom Biohof Berkhöfel waren mehrere Beweggründe ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit dem Agroforst Reallabor und der Anlage zweier Agroforststreifen auf seiner 2,7 ha großen Ackerfläche. Von den gewachsenen Bäumen verspricht er sich Windschutz und Schatten für seine Schafherde. Zudem liege ihm die Förderung der Biodiversität am Herzen. So wurde im Rahmen des Interreg VI-Projekts Grenzenlose Landschaft gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. an einer anderen Seite der Fläche eine neue Hecke gepflanzt. U.a. Schlehe, Haselnuss, Kirschpflaume, Saalweide und Holunder bilden langfristig eine Nützlingsautobahn. Durch die neue Hecke, die beiden Agroforststreifen sowie eine bereits bestehende Hecke kann er verschiedene Biotope miteinander verbinden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: der Acker ist jetzt von drei Seiten geschlossen und besser vor Wetterextremen, wie Wind und Hitze geschützt. 

Zusätzlich erfüllen die beiden Baumstreifen einen ästhetischen Anspruch. Das zum Hof zugehörige Gelände soll umgestaltet werden. Die beiden Baumreihen werden in Zukunft an eine geplante Obstallee anschließen. Bei alldem möchte der Landwirt den Ackerstatus nicht verlieren. Daher wurden die beiden Baumstreifen, die das Feld praktisch queren, als Agroforst angelegt. Hendrik van Aken: „Ich plane nicht, die Bäume in Zukunft abzuholzen, aber die Möglichkeit aus den Agroforststreifen eine reine Ackerfläche zu machen, soll bestehen bleiben.“

Bewirtschaftung der Ackerfläche

Die Baumstreifen wurden so gesetzt, dass zu beiden Seiten ein Vorwendebereich von fast 18 m bleibe. In den Baumstreifen wurde vom Biohof Berkhöfel eine Gräsermischung angesät. Die Fläche wird momentan mithilfe der Schafbeweidung kurzgehalten. Das Wildobst aus der frisch gepflanzten Hecke soll geerntet und in der hofeigenen Destille verwertet werden. 

Verbissschutz

Der Verbissschutz war in der vorausgehenden Planung zentral. Schafe lieben die Blätter und ganz besonders die junge Apfelbaumrinde. Dazu kommen Rehe und Hasen. Ein wirksamer Verbissschutz sei jedoch auch ein Kostenfaktor. Anna-Lea Ortmann erläutert: „Während wir bei der reinen Hochstammreihe einen gewöhnlichen Einzelbaumschutz bestehend aus Knappfix, Casanet Drahtgitter und zwei Pfählen angebracht haben, brauchte es für die Niederstammspindeln in der Bleiber-Weicher-Baumreihe ein anderes System. Um die Spindeln mit niedrigerem Kronenansatz zu schützen, haben wir uns entschieden, die Bleiber-Weicher-Reihe als solche einzuzäunen. Den Zaun - als Barriere für Rehe und Schafe – haben wir mit Holzpfählen gesetzt.“ 

Zusätzlicher Arbeitsaufwand durch Agroforststreifen

Zumindest bei trockener Witterung und Dürreperioden sollten die Bäume – insbesondere in den ersten zwei bis drei Jahren – gewässert und die Baumscheiben freigehalten werden, um die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe mit dem Bodenbewuchs zu mindern. Aus seiner bisherigen Erfahrung mit bereits bestehenden Agroforststreifen auf anderen Hofflächen, ist für Hendrik van Aken das ein- bis zweimal jährliche Freihacken die beste Lösung. Um den Hochstamm werden im Idealfall rund ein Meter freigehackt, um die Niedrigstämme etwa 50 bis 60 cm.

Die Jungbäume müssen im Winterschnitt erzogen werden (Erziehungsschnitt). Sind die Hochstämme einmal zu Altbäumen herangewachsen, reiche ein Erhaltungsschnitt alle paar Jahre – Voraussetzung dafür sei, dass die Äpfel als Jungbäume in eine für die Bewirtschaftung sinnvolle Kronenarchitektur erzogen wurden. Wie im Agroforstbereich üblich: Am Anfang mehr Arbeit für die Etablierung, während die Erträge erst später kommen. Anna-Lea Ortmann rät: „Es ist wichtig, den langfristigen Arbeitsaufwand und auch die Arbeitskosten, Verantwortlichkeiten, Verfügbarkeiten von Dienstleister*innen bereits bei der Planung mitzudenken.“