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Erdbeersaison: Der Handel feiert, die Obstbauern bangen

Zum Tag der deutschen Erdbeere kritisiert die Bundesfachgruppe Obstbau den Discounter Netto für aggressive Dumpingpreise.

Saisonkräfte bei der Ernte im Feld
© Heinz

Der 24. Mai ist der Tag der deutschen Erdbeere. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Für viele heimische Erzeuger ist er in diesem Jahr vor allem aber eines: bitter. Der Discounter Netto wirbt derzeit mit 500-Gramm-Schalen für 2,49 Euro. Ein Preis, so die Bundesfachgruppe Obstbau mit Bezug auf Berechnungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, der die tatsächlichen Produktionskosten deutscher Erdbeerbauern nicht einmal annähernd decke. Andere Händler ziehen nach. Ein Wettlauf nach unten habe begonnen.

„Völlig unverantwortlich“, kritisiert Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau. Die Ernte sei wegen des kühlen Frühjahrs ohnehin verzögert. Das Angebot knapp. Und ausgerechnet jetzt, vor dem Pfingstwochenende, wo die Nachfrage traditionell auf ihrem Höhepunkt ist, drücke der Handel die Preise in den Keller.

Der Grund für die engen Margen der Erdbeerbetriebe: Die Früchte gehören zu den arbeitsintensivsten Produkten überhaupt. Ernte, Pflege, Sortierung - alles Handarbeit. Der gesetzliche Mindestlohn hat sich in zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die Kosten seien entsprechend gestiegen. Die Preise aber leider nicht.

Deutschland importiere deshalb schon heute immer mehr Erdbeeren, vor allem aus Spanien. Der Selbstversorgungsgrad sinke seit Jahren. Wer diesen Trend beschleunige, seien nicht die Bauern. „Wer regionale Erdbeeren will, muss akzeptieren, dass faire Löhne und hohe Umweltstandards ihren Preis haben“, stellt Claus Schliecker klar. Die Bundesfachgruppe fordert den Handel deshalb auf:
Keine Erdbeeren als Lockvogel. Nicht jetzt. Nicht dauerhaft.