von Christine Weiser 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

DOGK: Erdwärme ist mehr Rechenaufgabe als Zukunftsfrage

Der Vortrag von Nico Oesemann, Prokurist & Projekt Manager, GTE – Geothermische Energie GmbH, beim Deutschen Obst & Gemüse Kongress (DOGK) kam quasi zum rechten Zeitpunkt für die Branche, um sich über neue Möglichkeiten in der Energienutzung zu informieren.

Nico Oesemann beim Deutschen Obst & Gemüse Kongress 2026
Geothermie-Experte Nico Oesemann auf dem Deutschen Obst & Gemüse Kongress 2026
© Richard Theemling

Denn in den vergangenen Wochen war „Gas wieder eine Schlagzeile wert“, weil der Preis so hoch ist. Das ist laut Oesemann kein neues Problem. „Zwischen 9 Euro und 340 Euro liegt der Unterschied zwischen einem guten und einem katastrophalen Geschäftsjahr. Sie können diese Kurve nicht beeinflussen – nur verlassen“, erklärte er dem Plenum. Ein besserer Einkauf oder längere Verträge würden nicht helfen, sondern das Risiko nur verschieben. „Ein Gewächshaus in Niedersachsen heizt mit einem Preis, der in Katar, Asien und im Wetterbericht gemacht wird. Das ist kein Einkaufsproblem. Das ist ein Strukturproblem.“

Auf jede Kilowattstunde Gas komme der CO₂-Preis obendrauf. Bis 2026 sei der politisch gesetzt, ab 2027 vom Markt mit derselben Logik wie beim Gaspreis gemacht. „Ihre Wärme aus Gas kostet heute rund 12 Cent. Dieselbe Kilowattstunde kostete 2022 zeitweise 39 Cent - und 2024 nur 6 Cent. Die Frage ist nicht, ob Gas teuer ist. Die Frage ist, ob Sie den Preis für die nächsten 20 Jahre kennen wollen.“ 

Deep Dive von Malm bis HoriThermie®

Unter jedem Betrieb liege ein Speicher, der nicht leer werde. Die Wärme komme aus zwei Quellen: Restwärme aus der Entstehung der Erde und der Zerfall natürlicher radioaktiver Elemente im Gestein. Für die Genehmigung einer Anlage sei die Wassermenge der entscheidende Punkt. Wichtig zu wissen sei dabei, dass kein Grundwasser verbraucht und keine Substanz eingetragen wird.

Wenn der Betrieb in einem Malm-reichen Gebiet liege, das eine große, wasserführende Kalkschicht in 2.000 m bis 4.000 m Tiefe ist, werde über tiefe Geothermie gesprochen. Ist dies nicht der Fall, gehe es um HoriThermie®. Das Besipiel Polling im Landkreis Mühldorf am Inn in Südbayern verfügt über Malm. Mit nur zwei Bohrungen werden 36 ha Gewächshaus, eine Gemeinde und ein Milchwerk versorgt. Weil aber nicht überall Malm liege, sei HoriThermie® die Alternative. Seit der Novelle seien Sondenbohrungen bis 400 m ohne bergrechtliches Verfahren möglich. 67 Bohrungen für ein Gewächshaus von 20 m x 100 m seien technisch machbar. Für 2.000 m² sei das eine ernsthafte Option. Die Frage sei, was passiere, wenn der Betrieb größer ist.