von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Aljoscha Rix: „Der digitale Lieferschein ist erst der Anfang“

„Ultrafrische toleriert keine Verzögerung“, stellte Aljoscha Rix fest, als er die Bühne des DOGK betrat. Und doch trete sie überall auf. Häufig sei Papier an Verzögerungen beteiligt. Das Problem: „Papier meldet sich nicht, wenn was fehlt“, so der Manager bei Cloud4Log.

Aljoscha Rix - Projektmanager bei Cloud4Log - auf dem Deutschen Obst + Gemüse Kongress
Wenn digitale Lieferscheine nur wenige Minuten einsparen, kommen trotzdem einige Stunden zusammen, rechnete er vor.
© Richard Theemling

Mit dem Projekt aus dem Hause GS1 sollen genau diese vermeidbaren Verzögerungen reduziert werden, die u.a. dadurch entstünden, dass der Lieferschein fehle oder nachgearbeitet werden müsse, erklärte Aljoscha Rix. Dabei sei die Laderampe nicht der einzige Ort, wo es haken könne, doch in Kombination mit vor- und nachgelagerten Prozessen gäbe es dort am meisten Einsparpotenzial. Und das summiere sich schnell: „Wenn Unternehmen pro Vorgang nur drei Minuten einsparen könnten, kämen wir bei 100 Anlieferungen pro Tag auf fünf Stunden“, rechnete er den Teilnehmenden des Deutschen Obst & Gemüse Kongresses vor.

Das Projekt Cloud4Log ziele darauf ab, die Zusammenarbeit zu verbessern und wolle einen gemeinsamen Standard für alle Unternehmen bieten. Statt eines Beleg-Rücklaufs von typischerweise ein bis drei Wochen ermögliche der digitale Lieferschein Datenübertragung und Ablieferbeleg in Echtzeit, eine schnellere Abwicklung an der Rampe sowie sofortige Rechnungsstellung und damit bessere Liquidität. Auch Abweichungen und Schadensbilder ließen sich digital dokumentieren, der Ladungsträgertausch werde digital statt papierbasiert organisiert.

Zentral, neutral und an bestehende Systeme anknüpfbar

Als Lösung präsentierte er Cloud4Log, eine neutrale Plattform von GS1 Germany und der Bundesvereinigung Logistik (BVL), die im Arbeitskreis Digitalisierung des BVL entwickelt wurde. Der Prozess laufe in drei Schritten: Zunächst lade der Versender den Lieferschein einmalig digital hoch. Dann erhalte der LKW-Fahrer per QR-Code Zugriff - hierbei sei weder eine Registrierung noch eine zusätzliche App nötig, betonte Aljoscha Rix. Als dritten Schritt quittiere dann der Empfänger die Ware und dokumentiere Abweichungen digital am Wareneingang. 

Statt Informationen mehrfach zu verteilen, würden sie zentral und in Echtzeit für alle berechtigten Partner bereitgestellt, über eine offene Schnittstelle mit Anbindung an ERP-, TMS- und Lagerverwaltungssysteme.

Bereits jetzt hätten sich über 200 Unternehmen bei Cloud4Log registriert, darunter Fruchthansa, Van Wylick, Fabi und Gemüsering. Dabei sei der digitale Lieferschein „erst der Anfang“ – als weitere Stufen nannte er u.a. einen automatisierten Wareneingang oder auch durchgängige Supply-Chain-Daten, so dass man Schritt für Schritt von einzelnen Pdf-Dokumenten zu KI-gestützt auswertbaren Daten gelange, gab Aljoscha Rix einen Ausblick. 

Die Frage sei nicht mehr, ob der Lieferschein digital werde, sondern „wie wir als Branche gemeinsam dafür sorgen, dass dies auf Basis offener Standards geschieht“, damit die Zusammenarbeit von Handel, Lieferanten und Logistik für den größten Nutzen entlang der gesamten Lieferkette sorge, so der Cloud4Log-Manager abschließend.