von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Zwischen Zahlen und Zukunftssorgen: Obstbaubetriebe verzeichnen Gewinn

In den vergangenen Tagen war die Lage der heimischen Obstproduktion häufig Thema unserer Nachrichten; Preise „unter der Gürtellinie“, Importe trotz saisonal verfügbarem Angebot in Deutschland und der damit verbundene Frust wurden angesprochen.

Traktor auf dem Feld
© ValentinValkov - AdobeStock

Ein Blick in die aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeichnet für das Wirtschaftsjahr 2024/25 ein positiveres Bild: Die am Bericht beteiligten Testbetriebe im Obstbau, die durch ihre Teilnahme am „Testbetriebsnetz Landwirtschaft“ freiwillig ihre Buchführungsergebnisse dem BMLEH zur Verfügung stellen, konnten deutliche Zuwächse verzeichnen.

Obstbau: Wachstum bei Gewinn und Investitionen

Der durchschnittliche Gewinn je Unternehmen im Haupterwerbsbetrieb stieg um 59,5 % auf 114.919 Euro, das durchschnittliche Einkommen je Arbeitskraft um 25,9 % auf 42.396 Euro. Als Gründe nennt das Ministerium gestiegene Erträge und Erntemengen, insbesondere bei Äpfeln und Kirschen, bei gleichzeitig gestiegenen Erzeugerpreisen. Auch bei den Investitionen zeigte sich der Obstbau überdurchschnittlich aktiv: Die Bruttoinvestitionen legten um 23,9 % zu, der zweitstärkste Anstieg aller erfassten Betriebsformen.

Gartenbau: Starkes Wachstum für Gemüse, Investitionen rückläufig

Differenzierter fällt das Bild beim Gartenbau insgesamt aus, der laut BMLEH Gemüse-, Zierpflanzen- und Baumschulbetriebe umfasst: Der durchschnittliche Gewinn blieb mit -0,7 % nahezu konstant bei 114.956 Euro, das Einkommen je Arbeitskraft stieg um 6,1 % auf 43.871 Euro. Innerhalb dieser Gruppe zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede: Der Gemüsebau schnitt am stärksten ab, mit einem Gewinnanstieg von 183.095 Euro auf 235.322 Euro und einem Einkommen je Arbeitskraft von 50.905 Euro (Vorjahr: 42.524 Euro). Der Zierpflanzenbau verzeichnete dagegen einen Rückgang von 128.093 Euro auf 101.332 Euro Gewinn, während Baumschulbetriebe leicht von 83.086 Euro auf 81.824 Euro zurückgingen. Bei den Investitionen fiel der Gartenbau insgesamt deutlich zurückhaltender aus als der Obstbau: Die Bruttoinvestitionen sanken um 32,4 %.

Dass gleichzeitig jedoch auch die Kosten gestiegen sind und es angesichts steigender Risiken keine Kür, sondern Pflicht ist, in den Anbau zu investieren, ist kein Geheimnis. Im Bericht wird nicht gesondert angegeben, wie sich die Ausgaben für Betriebsmittel wie Energie, Dünger oder Pflanzenschutz entwickelt haben. Allerdings wird explizit vom Gewinn der Betriebe gesprochen, alle Aufwendungen wurden dabei also bereits abgezogen.

Kleinere Betriebe: deutlich schwächeres Bild

Weniger erfreulich sieht es bei den Klein- und Nebenerwerbsbetrieben aus, die unter der Betriebsgröße von 50.000 Euro (Standard-Output) liegen oder keine Vollzeitarbeitskraft eingestellt haben: Zwar weist der Bericht keine eigene Obstbau-Kategorie aus und fasst Obst- und Weinbau gemeinsam unter „Dauerkulturen“ zusammen, doch diese Gruppe verzeichnete im WJ 2024/25 einen Gewinnrückgang von 7,3 % auf durchschnittlich 15.226 Euro je Unternehmen, während das Einkommen je Arbeitskraft mit +0,7 % nahezu stabil blieb. Insgesamt entwickelten sich die Klein- und Nebenerwerbsbetriebe über alle Betriebsformen schwächer: Der durchschnittliche Gewinn pro Betrieb sank um 17,9 % auf rund 12.445 Euro, die Landwirtschaft hatte über alle Kategorien hinweg einen Anteil von 23 % am Gesamteinkommen der Betriebsinhabenden bzw. des Betriebsinhaberehepaars, im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 36,9 %.

Den kompletten Bericht des BMLEH gibt es hier: zum Testbetriebsnetz Landwirtschaft