von Daniel Schmidt 5 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Zwischen Personalmangel und Selbstbedienung: Technik wird zum Schlüssel im LEH

Steigende Lohnkosten, anhaltender Personalmangel und veränderte Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher prägen zunehmend die technischen Anforderungen in den Obst- und Gemüseabteilungen des Lebensmitteleinzelhandels. Selbstbedienung, Prozesssicherheit und ein sichtbarer Mehrwert für den Kunden rücken dabei immer stärker in den Fokus. Wie sich diese Entwicklungen konkret im Markt widerspiegeln, schildert Sascha Wietbrauk, Vertriebsleiter von Tenrit, im Gespräch mit dem Fruchthandel Magazin.

Portraitfoto Sascha Wietbrauk
Tenrit-Vertriebsleiter Sascha Wietbrauk
© Tenrit Foodtec Maschinenbau GmbH

Ein zentrales Geschäftsfeld des Unternehmens bleibt weiterhin der Spargel. Vor allem die kompakte Spargelschälmaschine ‚Schälmaster Mini‘ habe sich im vergangenen Jahr als deutlicher Nachfrage-Treiber erwiesen. „Wir waren 2025 Anfang März bereits für die Saison ausverkauft“, berichtet Wietbrauk. Die Nachfrage habe die ursprünglichen Erwartungen klar übertroffen. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass die kleinere Maschine keineswegs die große Standard ‚Schälmaster‘-Variante ersetzt. Vielmehr hätten beide Modelle ihre Berechtigung – abhängig von Platzangebot und Absatzmenge im jeweiligen Markt. „Für kleinere Märkte, die wenig Fläche haben, ist die Mini-Variante ideal. Sie passt fast überall hinein“, erklärt Wietbrauk. In stark frequentierten Märkten mit hohem Spargelumsatz stoße sie jedoch an Grenzen. „Wenn 100 Kilogramm Spargel oder mehr am Tag geschält werden, empfehlen wir klar die größere Maschine. Der Auffangbehälter für die Schalen ist dort deutlich größer – und das ist im Selbstbedienungsbetrieb entscheidend.“ Ziel sei es schließlich, dass die Maschine unabhängig vom Personal arbeitet.

Vom Saisonprodukt zur ganzjährigen Anwendung

Die starke Nachfrage habe auch Auswirkungen auf die Planung der Kunden. Wer kurzfristig keine Maschine mehr erhalte, entscheide sich häufig frühzeitig für die nächste Saison oder nutze Übergangslösungen. „Viele sagen dann: Alles klar, dann auf jeden Fall für nächstes Jahr“, so Wietbrauk. Teilweise seien Bestellungen für die Saison 2026 bereits vor Beginn der Saison 2025 eingegangen. Zusätzlich biete Tenrit Mietmodelle an, um den Einstieg ins Spargelschälen zu erleichtern. „Wichtig ist, dass der Markt beginnt, die Vorteile wahrzunehmen. Je früher man sich entscheidet, desto besser.“ Neben dem Spargel setzt Tenrit verstärkt auf ganzjährige Anwendungen und kann damit die saisonale Abhängigkeit reduzieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die SB-Apfelsaftpresse, die im Handel bislang noch wenig verbreitet ist. „Der Saft ist mega – den kann man nicht verbessern“, sagt Wietbrauk. Anders als frisch gepresster Orangensaft stehe Apfelsaft für Regionalität und kurze Wege. Äpfel könnten lokal bezogen werden und seien ganzjährig verfügbar. Tenrit hat das Projekt inzwischen vollständig ins eigene Haus übernommen. „Wir haben die Entwicklung bewusst zu uns geholt, weil wir davon überzeugt sind“, erläutert Wietbrauk. Ziel sei es, nicht nur als Vertriebspartner aufzutreten, sondern die Maschine selbst zu konzipieren, zu bauen und weiterzuentwickeln. „Auf den Messen sind die Reaktionen durchweg begeistert – nur kennt noch nicht jeder das Produkt frisch gepressten Apfelsaft. Wie bei uns auf dem Messestand, so lautet auch im Supermarkt oder Hofladen die Devise: Probieren und begeistert sein.“

Erweiterung des Portfolios auf weitere SB-Lösungen

SB-Spargelschälmaschine von Tenrit am PoS
Selbst sind die Kunden – die SB-Spargelschälmaschine von Tenrit arbeitet unabhängig vom Personal.
© Tenrit Foodtec Maschinenbau GmbH

Einen weiteren Ausbau erfuhr das Portfolio mit der Einführung einer Ananasschneidemaschine für den LEH. Auslöser waren neben dem Wunsch, den Kunden alles aus einer Hanz anzubieten, parallel wiederkehrende Kundenanfragen gewesen. „Viele haben direkt angefragt, ob sie bei uns  auch eine Ananas-Maschine kaufen können“, berichtet Wietbrauk. Tenrit habe sich dafür einen Partner gesucht und die Maschine in das eigene Angebot integriert. Das Ergebnis: Eine große Einzelhandelskette habe sich entschieden, im Ananasbereich ausschließlich mit Tenrit zu arbeiten. „Die Qualität, der Prozess und auch der Preis haben überzeugt“, so Wietbrauk. Der Roll-out verlaufe seit Ende des vergangenen Jahres mit deutlich höherer Nachfrage als erwartet. Ergänzt wird das Sortiment durch Citruspressen für Orangen, Grapefruits und Granatäpfel. Zwar sei der Markt hier vergleichsweise gesättigt, doch punktet Tenrit mit technischen Details, was zu einer stetig wachsenden Nachfrage führt. Besonders hebt Wietbrauk ein Anti-Fruchtfliegen-System hervor, das durch einen leichten Überdruck das Eindringen von Insekten verhindere. „Nichts ist für einen Marktbetreiber und dessen Kunden ärgerlicher, als wenn beim frisch gezapften Saft eine Fruchtfliege im Glas landet“, so Wietbrauk.

Wachsende Nachfrage im Ausland

Auch jenseits des Handels wächst das Unternehmen. In der Verarbeitung und bei Erzeugern spiele Automatisierung eine immer größere Rolle – nicht zuletzt aufgrund steigender Mindestlöhne. Die Entkelchungs- und Schneidemaschine Tenrit TDM für Erdbeeren habe sich sowohl bei Erzeugern als auch in größeren Verarbeitungsbetrieben etabliert. „Das eigentliche Nadelöhr ist das Platzieren der Erdbeeren“, erklärt Wietbrauk. Kleinere, modulare Maschinen seien oft flexibler und wirtschaftlicher als große Anlagen, die hohe Reinigungs- und Stillstandszeiten mit sich brächten. International verzeichnet Tenrit ebenfalls Zuwächse, etwa in den Benelux-Ländern und zunehmend auch in Frankreich. Dort wurde die ‚Schälmeister Mini‘ jüngst mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. „Personalkosten steigen überall, und der Druck, Handarbeit zu reduzieren, nimmt international sogar noch stärker zu als in Deutschland“, so Wietbrauk. Parallel investiert Tenrit in seine Außendarstellung. Ein moderner Messeauftritt, verstärkte Social-Media-Aktivitäten und individualisierbare Maschinen mit Händlerlogos gehören inzwischen zur Strategie. „Die Märkte werden immer mehr zu Wohlfühlräumen. Unsere Maschinen sollen sich optisch und funktional in dieses Gesamtbild einfügen“, erklärt der Vertriebsleiter. 

SB-Apfelsaftpresse von Tenrit m PoS
Apfelsaftgenuss durch und durch – auch auf der FRUIT LOGISTICA werden sich die Besucherinnen und Besucher am Stand von Tenrit ein genaues Bild von der SB-Apfelsaftpresse machen können. Eine Kostprobe sollte dabei nicht fehlen.
© Tenrit Foodtec Maschinenbau GmbH

Beziehungen als Basis für Projekte

Mit Blick auf die FRUIT LOGISTICA setzt Tenrit auf persönliche Gespräche und Kontinuität. Viele Projekte entstünden nicht über Nacht. „Klar kommt es auf der Messe direkt zu Aufträgen. Viele größere Projekte brauchen allerdings manchmal zwei oder drei Jahre, bis sie beauftragt werden“, sagt Wietbrauk. Umso wichtiger sei es, im Gespräch zu bleiben – sei es bei ein paar Stücken Ananas, einem Kaffee oder einem frisch gepressten Apfelsaft.

Halle 1.1, Stand B-22

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