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Pflanzenschutzmittelrückstände: Starker Effekt auf das Bodenleben

Pflanzenschutzmittel beeinflussen das Bodenleben offenbar stärker als bislang bekannt. Laut einer neuen Studie haben Rückstände aus dem Pflanzenschutz direkte Einwirkungen auf eine Reihe von Bodenfunktionen, die auch für die landwirtschaftliche Erzeugung wichtig sind.

Tausendfüßer
© Schwoaze/Pixabay

Wie die Forscher berichten, stellten sich Pflanzenschutzmittel in den von ihnen vorgenommenen Untersuchungen als der nach den Bodeneigenschaften zweitwichtigste Faktor für die Zusammensetzung der Bodenbiodiversität heraus. Pestizidrückstände beeinflussten bspw. stark die Zusammensetzung von Bodenbakterienkulturen sowie das Vorkommen von Pilzen. Die Wissenschaftler empfehlen daher, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und -wirkstoffen deren Effekte auf Bodenlebewesen wie Bak-
terien, Pilze, Nematoden und Gliederfüßer stärker berücksichtigt werden sollten.

An der Studie beteiligt war ein Gremium aus zehn europäischen Forschungseinrichtungen, darunter die spanische Universität Vigo, das Schweizer Institut Agroscope und die Universität Zürich. Die Wissenschaftler analysierten die Effekte von 63 Pflanzenschutzmitteln und werteten 373 Bodenproben von Feldern, Wäldern und Wiesen aus 26 europäischen Ländern aus.

Laut Studie wurden in 70% der untersuchten Böden Rückstände von mindestens einem Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Mengenmäßig an erster Stelle standen dabei Fungizide, gefolgt von Herbiziden. Insektizide spielten eine untergeordnete Rolle. Der am häufigsten gefundene Wirkstoff war Glyphosat bzw. dessen Abbauprodukt Aminomethylphosphonsäure (AMPA). Hier wurden die höchsten Konzentrationen auf Äckern gemessen, gefolgt von Grünland und schließlich Wäldern.

Relevant sind gemäß der Studie die Auswirkungen auf das Bodenleben auch für die Nutzpflanzen. Denn die Pflanzenschutzmittelrückstände schaden auch nützlichen Bodenorganismen wie Mykorrhiza-Pilzen und Nematoden. Auch Arten, die an den Stickstoff-, Phosphor- und Kohlenstoffzyklen beteiligt sind, werden stark beeinflusst. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel die natürliche Nährstoffversorgungsfunktion des betroffenen Bodens beeinträchtigt und zusätzliche Düngung erforderlich ist, um die Erträge aufrechtzuerhalten“, erklärte Studienleiter Prof. Marcel van der
Heijden vom am Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie der Universität Zürich.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler sollten die Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen des Bodenlebens in den europäischen Zulassungsprozessen für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und -produkte deutlich stärker berücksichtigt werden. Die derzeitigen ökotoxikologischen Bewertungen, die teilweise nur wenige Artengruppen umfassen, seien nicht ausreichend. Künftig sollten daher auch die Effekte auf der Ebene ganzer Lebensgemeinschaften sowie deren Funktionen für den Boden einbezogen werden. AgE

  • Saatgut, Pflanzenschutz