FRUIT LOGISTICA European Statistics Handbook 2026
Anlässlich der FRUIT LOGISTICA vom 4. bis 6. Februar in Berlin präsentiert die weltweit führende Fachmesse für den globalen Fruchthandel mit dem European Statistics Handbook 2026 eine fundierte Analyse des europäischen Obst- und Gemüsesektors.
Das Handbuch macht deutlich: Die Branche steht unter zunehmendem Druck durch klimatische, marktseitige und strukturelle Veränderungen, zeigt jedoch eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Extreme Wetterereignisse, verändertes Konsumverhalten und regionale Produktionsverschiebungen prägten das Jahr 2025. Trotz dieser Herausforderungen blieb die Versorgung insgesamt stabil – gestützt auf funktionierende Binnenmärkte, flexible Handelsstrukturen und eine leistungsfähige Branche.
Klimatische Extreme beschleunigen strukturelle Anpassungen
Das Jahr 2025 war erneut von extremen Wetterereignissen geprägt, die erhebliche Auswirkungen auf die Obst- und Gemüseproduktion in Europa hatten. Frühjahrsfröste führten insbesondere in Südosteuropa zu massiven Ernteausfällen. Im weiteren Jahresverlauf verschärften Hitzewellen, Dürreperioden sowie Überschwemmungen die Situation. Diese Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Anfälligkeit der Landwirtschaft gegenüber klimatischen Veränderungen. Für den Markt ist es essenziell, flexibel auf solche Herausforderungen zu reagieren. Eine Diversifizierung der Lieferketten und die schnelle Anpassung an alternative Bezugsquellen sind entscheidend, um Versorgungslücken zu schließen und Preisschwankungen zu minimieren. Gleichzeitig ist eine offene Kommunikation mit den Verbrauchern notwendig, um das Verständnis für die Auswirkungen solcher Ereignisse auf Preise und Verfügbarkeit zu fördern. Dies könnte langfristig die Akzeptanz für notwendige Marktanpassungen erhöhen.
Hohe Lebenshaltungskosten verändern Prioritäten der Verbraucher
Die Lebenshaltungskosten für die Verbraucher in den Ländern der EU-27 steigen weiter. Nach vorläufigen Angaben haben Nahrungsmittel im Jahr 2025 überdurchschnittlich zum Anstieg der Lebenshaltungskosten beigetragen, während unter anderem Energie für die Verbraucher wieder etwas günstiger war. Von Januar bis November lag der harmonisierte Verbraucherpreisindex der EU durchschnittlich 2,4 % über dem Niveau des Vorjahres. Für frisches Obst erreichte der Verbraucherpreisindex im November einen Wert von 151 Punkten. In einzelnen Monaten des Jahres war der Wert auf über 160 Punkte gestiegen. Aufgrund der umfangreichen Apfelernte hatte sich das Niveau ab September jedoch wieder abgeschwächt. Aufgrund der meist guten Versorgungslage hat frisches Gemüse unterdurchschnittlich zur Teuerung beigetragen. Im November 2025 lag der Preisindex für die EU insgesamt bei 145 Punkten. Das waren sogar fünf Punkte weniger als im November des Vorjahres. Da die Verbraucherpreise für Gemüse im März und April jedoch deutlich über dem Niveau des Vorjahres gelegen hatten, ergibt sich auch für das Gesamtjahr noch ein leichter Anstieg.
Obsternte rückläufig – regionale Unterschiede prägen das Bild
Die Obsternte in den Ländern der EU-27 fiel 2025 mit 41,96 Mio t rund 3 % niedriger aus als im Vorjahr. Damit fehlen gegenüber 2024 rund 1,3 Mio t. In der Gesamtbetrachtung gehen die Frostschäden an Kern- und Steinobst in Südosteuropa weitgehend unter, da sie durch größere Erntemengen bei anderen Obstarten ausgeglichen werden. So wurden europaweit wieder mehr Wasser- und Zuckermelonen als im Vorjahr geerntet. Äpfel machen mit Abstand den größten Teil der europäischen Obsternte aus. Im Rahmen des Prognosfruit Kongress wurde die Apfelernte 2025 etwa auf Vorjahresniveau eingeschätzt. Deutlich größeren Erntemengen in Österreich, Belgien, Deutschland oder den Niederlanden standen kleinere Erntemengen in den von den Frösten betroffenen Ländern wie Kroatien, Griechenland, Ungarn oder auch Spanien gegenüber. Witterungsbedingt war auch die Ernte an Citrusfrüchten 2025 kleiner als im Vorjahr. Gleiches gilt für Tafeltrauben und Steinobst, wobei Kirschen, Aprikosen und Zwetschen, die regional besonders stark von den Frösten betroffen waren, nicht zu den zehn mengenmäßig bedeutendsten Obstarten in der EU.
Gemüseproduktion zeigt Stabilität und Ausgleichskraft
Insgesamt wurden europaweit rund 58,12 Mio t Gemüse geerntet. Das waren nur 0,3 % oder 169.000 t weniger als im Jahr zuvor. Erstmals wurde in der diesjährigen Ausgabe des ESHB die Produktion von Tomaten für die Verarbeitung berücksichtigt. Dadurch fällt sowohl die angegebene Erntemenge an Tomaten als auch die für Gemüse insgesamt höher aus als in den vorangegangenen Publikationen. Nach einer sehr großen Tomatenernte 2024 fehlen hier gegenüber dem Vorjahr rund 1,2 Mio t. Dass sich das nicht im Gesamtergebnis niederschlägt, ist darauf zurückzuführen, dass bei anderen Gemüsearten, vor allem Zwiebeln und Kopfkohl, höherer Erntemengen erzielt wurden. Gerade die späten Anbausätze von Kopfkohl, Möhren und anderen Herbst- und Lagergemüsearten haben vielfach noch spät an Gewicht zugelegt. Auch in der Gruppe der sonstigen Gemüsearten wurden deutlich größere Mengen geerntet als im Vorjahr.
Binnenmarkt bleibt das Rückgrat des Handels
Der größte Teil der europäischen Obst- und Gemüseernte verbleibt in den Ländern der EU-27. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU machten zuletzt beim Obst rund 17 % und beim Gemüse rund 23 % der gesamten Ausfuhrmenge aus. Die Einfuhren von Gemüse aus Ländern außerhalb der EU lagen 2025 mit 2,38 Mio t weitgehend auf Vorjahresniveau. Beim Obst ist die Menge, die aus Ländern außerhalb der EU kommt, größer. Vor allem Bananen und weitere Exoten kommen häufig aus Übersee. Insgesamt wurden 12,89 Mio t Obst aus Ländern außerhalb der EU in die Gemeinschaft importiert. Die wichtigsten Importeure von frischem Obst in der EU-27 sind die Niederlande, Deutschland und Frankreich. Bei den Gemüseeinfuhren liegen Deutschland und Frankreich vor den Niederlanden. Insgesamt hat Deutschland seine Position als wichtigster Zielmarkt innerhalb der EU-27 bestätigt.
Verlässliche Daten als strategischer Kompass für die Branche
Das European Statistics Handbook 2026 liefert damit nicht nur Zahlen, sondern ein klares Signal: Trotz wachsender Unsicherheiten bleibt der europäische Obst- und Gemüsesektor leistungsfähig, lernfähig und robust. Die Publikation bietet eine verlässliche Grundlage für strategische Entscheidungen und bestätigt die zentrale Rolle Europas als stabilen Markt in einem zunehmend volatilen globalen Umfeld.
Das European Statistics Handbook wird von der FRUIT LOGISTICA herausgegeben und von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Kooperation mit dem offiziellen Medienpartner, Fruitnet Media International, erstellt.