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OGM gestaltet Zukunft des regionalen Obstbaus

Die Obstgroßmarkt Mittelbaden eG (OGM) will ihre Genossenschaft gezielt weiterentwickeln und ihren Mitgliedern langfristig eine leistungsfähige gemeinsame Vermarktung bieten. Bei der Generalversammlung am 6. Oktober 2026 in der Erwin-Braun-Halle stellte der Vorstand die nächsten Schritte vor. 

Das Betriebsgelände der Obstgroßmarkt Mittelbaden eG
© OGM

Vorhandene Kapazitäten besser nutzen, Abläufe wirtschaftlicher gestalten und die Partnerschaft mit Frutania vertiefen. Der geplante Verkauf eines Teils des Betriebsgeländes soll dafür finanzielle und räumliche Voraussetzungen schaffen.

„Wir wollen eine Genossenschaft, die sich verändert, wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen steht und für ihre Mitglieder einen erkennbaren Mehrwert schafft“, erklärte der geschäftsführende Vorstand Dirk Kastner. Im Mittelpunkt steht damit der Nutzen für die Erzeuger, nämlich eine verlässliche Annahme ihrer Ware, professionelle Dienstleistungen und der gemeinsame Zugang zum Markt.

Positive Impulse aus Vermarktung und Investitionen

Vorstandsvorsitzender Martin Bähr berichtete, dass Beerenobst im Geschäftsjahr 2025 mehr als die Hälfte zum Umsatz der OGM beigetragen hat. Innerhalb dieser Kulturgruppe entfiel wiederum mehr als die Hälfte des Umsatzes auf Erdbeeren. Die Erdbeersaison verlief weitgehend reibungslos: Bei einem Mengenzuwachs von 1,1 % stieg der Umsatz um 562.000 Euro bzw. 11,7 %. Der Erlös je Kilogramm lag um 0,37 Euro über dem Vorjahreswert.

Auch beim Steinobst war eine erfreuliche Umsatzentwicklung zu verzeichnen. Insbesondere die gestiegenen Preise für Zwetschgen sowie Brenn- und Industriekirschen trugen dazu bei, dass der Umsatz um 13 % auf 5,2 Mio Euro gesteigert werden konnte. Dies sei umso bemerkenswerter, als die vermarktete Menge lediglich um 2,2 % über dem Vorjahresniveau lag.

Unterschiedlich fiel die Entwicklung bei den weiteren Kulturen aus. Bei den Strauchbeeren stand einem leichten Mengenplus ein Umsatzrückgang von 157.000 Euro gegenüber. Ausschlaggebend war vor allem der bundesweite Mengendruck bei Johannisbeeren, der zu einem Preisrückgang von 0,69 Euro je Kilogramm führte. Beim Kernobst sank die Menge um mehr als 40 %; der Umsatz ging um 48 % auf knapp 3,2 Mio Euro zurück. Hier wirkten sich die geringen Bestände aus der Ernte 2024 sowie geringere Vermarktungsmengen und niedrigere Preise im Herbst 2025 aus.

Die OGM hat zugleich in ihre Leistungsfähigkeit investiert. Für die Apfelsortieranlage wurden Kameratechnik und Software im Wert von mehr als 400.000 Euro modernisiert. In der vergangenen Apfelsaison wurden neben den eigenen Äpfeln über 5.700 t Fremdware gelagert und sortiert. Die zusätzliche Auslastung stärke die Nutzung der vorhandenen Anlagen. Eine geplante Photovoltaikanlage mit Stromspeicher für den Eigenbedarf soll künftig dazu beitragen, die Energiekosten dauerhaft zu senken.

Erzeuger stärken und Kosten konsequent senken

Ein weiterer Schwerpunkt seien nachvollziehbare Abrechnungen und die Entlastung der Mitgliedsbetriebe. Nach Angaben des Vorstands führte die 2025 eingeführte Verpackungsabrechnung gegenüber dem bisherigen System zu rund 500.000 Euro höheren Auszahlungen an die Erzeuger. Gleichzeitig setze die OGM ihre Kostensenkungsmaßnahmen fort. Der Personalaufwand sank 2025 um rund 17 %. Für 2026 stehen u.a. eine bessere Produktionsauslastung und der Ausbau des Industriegeschäfts im Fokus.

Die wirtschaftliche Ausgangslage bleibe anspruchsvoll. Das Geschäftsjahr 2025 schloss bei einem Umsatz von 23,4 Mio Euro mit einem Jahresfehlbetrag von 1,75 Mio Euro ab. Rückläufige Anbauflächen und Vermarktungsmengen belasten die Genossenschaft. Vorstand und Aufsichtsrat haben für 2026 trotz der negativen Ausgangslage von einer Erhöhung der Marktgebühren abgesehen.

Die positiven Entwicklungen bei Erdbeeren und Steinobst zeigen zugleich die Bedeutung einer leistungsfähigen Vermarktung. Für eine nachhaltige Stabilisierung seien weitere strukturelle Verbesserungen erforderlich.

Gemeinsame Perspektive für den Standort Oberkirch

Mit Frutania will sich die OGM Oberkirch als Standort für Annahme, Sortierung, Verpackung und Logistik weiterentwickeln. Vorgesehen sei der Verkauf eines Teils des Betriebsgeländes an den Vermarktungspartner. Die OGM soll als eigenständige Genossenschaft mit gesicherter Warenannahme fortgeführt werden. Gemeinsame Ressourcennutzung, aufeinander abgestimmte Produktions- und Logistikabläufe sowie Automatisierung sollen Kosten senken und die Auslastung verbessern.

Kastner machte deutlich, dass der Grundstücksteilverkauf ein Baustein des Zukunftskonzepts ist. Entscheidend seien anschließend die konkrete Umsetzung, verbindliche Vereinbarungen mit dem Partner und eine verlässliche Vermarktungsbasis. Dazu gehören aus Sicht des Vorstandes auch transparente Abrechnungen und eine faire Behandlung der Erzeuger.

Die Mitglieder sollen das Konzept bei einer Informationsveranstaltung am 3. Dezember 2026 gemeinsam mit Frutania-Geschäftsführer Markus Schneider erörtern können. Fragen können vorab per E-Mail bei der OGM-Geschäftsleitung eingereicht werden. Eine Entscheidung über den Teilverkauf sei im Rahmen einer weiteren Generalversammlung im Dezember vorgesehen.

Aufsichtsratsvorsitzender Markus Grimmig unterstrich seine Überzeugung, dass der genossenschaftliche Weg den Erzeugern wichtige Vorteile biete. Gerade in der aktuellen Phase brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten. Mit seiner erneuten Kandidatur setzte er dafür ein persönliches Zeichen. Die Mitglieder bestätigten ihn einstimmig im Amt. Für die anstehenden Entscheidungen warb Grimmig für einen transparenten und geordneten Prozess, der den Mitgliedern Zeit zur Bewertung und Raum für Fragen gibt.

Bürgermeister Christoph Lipps würdigte die OGM als wichtigen Wirtschaftspartner und Markenbotschafter der Stadt und hob den Beitrag der Obstbaubetriebe zur Kulturlandschaft hervor. Der Vorstand dankte den Mitgliedern, Beschäftigten und Aufsichtsräten für ihren Einsatz und warb dafür, die Zukunft der Genossenschaft gemeinsam mitzugestalten.