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Neuseeland/Australien: Klimaresistenter Kirschenanbau im Test

Regenereignisse können dazu führen, dass Kirschen aufplatzen und damit unverkäuflich werden. Um dies zu verhindern, haben einige Sommerobstbauern Regenschutzabdeckungen eingeführt, so Plant & Food Research.

Claire Scofield hat bisher fast 4.000 Kirschen analysiert.
Claire Scofield hat bisher fast 4.000 Kirschen analysiert.
© Plant & Food Research

Diese Strukturen schützen die Früchte zwar vor Regen, verändern aber auch das Mikroklima im Obstgarten, indem sie Wärme speichern und die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

„Aufgrund vorläufiger Forschungsergebnisse aus Australien sowie Rückmeldungen von Erzeugern wissen wir, dass Regenschutzvorrichtungen zwar die Ernte schützen und die Fruchtgröße verbessern, aber auch die Festigkeit der Früchte verringern. Derzeit gibt es also sowohl bei ungeschützten als auch bei geschützten Obstplantagen Vor- und Nachteile“, sagt Claire Scofield, Wissenschaftlerin im Team für Obstbauphysiologie des Bioeconomy Science Institute.

Das Team konzentriert sich darauf, die Entwicklung von Obst zu verstehen und dieses Wissen anzuwenden, um Obstbauern bei der Verbesserung der Qualität zu unterstützen. Claire Scofield ist derzeit im zweiten Jahr ihres Doktoratsstudiums und sammelt detaillierte Daten über Obstplantagen in Neuseeland und Australien, um besser zu verstehen, wie sich Unterschiede im Mikroklima auf die Obstqualität auswirken. Das Ziel sei es, der Industrie bei der Entwicklung wissenschaftlich fundierter Managementstrategien zu helfen.

„Wir wissen, dass Regenschutzabdeckungen die Luftfeuchtigkeit erhöhen – aber wir verstehen die Auswirkungen davon noch nicht vollständig. Gibt es bspw. einen direkten Zusammenhang zwischen der relativen Luftfeuchtigkeit im Obstgarten und der Festigkeit der Früchte? Das ist wichtig, weil die Festigkeit der Früchte ein entscheidender Faktor für die Exportqualität ist“, bemerkt Claire. „Verbraucher bevorzugen feste Kirschen, und wenn sie zu weich sind, überstehen sie den Transport zu den hochwertigen Märkten in Übersee nicht.“

Das Projekt wird auf beiden Seiten der Tasmansee durchgeführt – mit einem kleinen Versuch in Central Otago in Neuseeland und größeren Versuchen in Obstplantagen in Tasmanien in Australien. „Im Rahmen dieser Arbeit haben wir in Versuchsparzellen unter Plastiktunneln verschiedene Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen geschaffen und Sensoren installiert, die von September bis Februar alle zehn Minuten Daten aufzeichnen. So können wir sehen, wie diese Bedingungen zu weicheren Früchten beitragen.“

Claires Scofields Versuche untersuchen auch die Rolle des Nährstoffs Kalzium für die Festigkeit von Kirschen. Kalzium wird von den Erzeugern zu bestimmten Zeitpunkten der Saison ausgebracht, da es die Zellwände der Früchte stärkt, ähnlich wie es beim Menschen für starke Knochen sorgt. Scofield untersucht auch die Verwendung natürlich vorkommender Pflanzenhormone als weiteres potenzielles Mittel zur Verbesserung der Fruchtqualität. „Feuchte Bedingungen können möglicherweise die Kalziumaufnahme der Pflanze verringern. Daher besteht ein Teil dieser Arbeit darin, zu untersuchen, ob eine zusätzliche Kalziumzugabe die Auswirkungen der Feuchtigkeit ausgleichen kann oder ob der Zusammenhang komplexer ist.“

Neben den Sensordaten aus den Forschungsblöcken wurden bisher fast 4.000 Kirschen analysiert, um ihre Festigkeit zu messen und zu verstehen, wie sich Mikroklimaänderungen, Kalziumzugabe und andere Behandlungen auf die Fruchttextur auswirken.

Claire Scofield hofft, dass ihre Forschung wertvolle Erkenntnisse für Landwirte liefern kann, die mit sich ändernden klimatischen Bedingungen konfrontiert sind. „Ungewöhnliche Wetterereignisse treten immer häufiger auf, und die Auswirkungen können kostspielig sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Landwirten mit dieser Forschung fundierte Informationen liefern können, die ihnen helfen, neue Bewirtschaftungsoptionen zu entwickeln, damit sie das Beste aus der Ernte jeder Saison herausholen können.“

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