Metro Russland unter vorübergehender Zwangsverwaltung
Durch das vom Präsidenten der Russischen Föderation erlassene Dekret Nr. 302 hat die russische Regierung Metro Russland mit sofortiger Wirkung unter vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt, teilt die Metro AG mit
Obwohl das Eigentum an Metro Russland formal bei der Metro AG bleibe, sei die Folge der Entscheidung, dass die Metro AG keine operative Kontrolle mehr über Metro Russland habe.
Der russische Staat hat die operative Kontrolle an „UK Torg RUS“ übertragen, ein Unternehmen des CEO von Metro Russia, Johannes Tholey.
Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Februar 2022 habe Metro verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Verbindungen zwischen Metro Russland und der Metro AG zu verringern. Weitere Auswirkungen des Dekrets auf die Metro AG werden derzeit analysiert.
Metro expandierte 2001 in den russischen Markt und ist in Russland mit 91 Großhandelsgeschäften vertreten. Rund 9.000 Mitarbeiter arbeiten für Metro in Russland.
Kreml übernimmt weitere Gesellschaften als Reaktion auf "feindliche Tätigkeiten"
In einer Erklärung teilte Metro Russland mit, dass das Geschäft wie gewohnt weiterlaufe, äußerte sich jedoch nicht direkt zu der Anordnung aus Moskau.
Bereits 2023 hatte Wladimir Putin einen Erlass unterzeichnet, das es dem russischen Staat ermöglicht, ausländische Unternehmen befristet zu verwalten. Dies scheint nun im großen Stil umgesetzt zu werden:
Erst Anfang des Monats September hatte der Kreml laut einem Bericht der Moscow Times die Kontrolle über die russischen Tochtergesellschaften der französischen Supermarktkette Auchan, des Lebensmittelkonzerns Nestlé, des Baumarkts Lemana PRO (ehemals Leroy Merlin) sowie von zwei französischen Logistikunternehmen übernommen.
Die Handlungen habe die russische Regierung als Reaktion auf "feindliche Tätigkeiten" durch "unfreundliche" ausländische Regierungen deklariert, heißt es bei The Moscow Times.
Auf france24.com ist der Kommentar der russischen Regierung ausführlicher zu finden. Dort heißt es:
„Einer der Faktoren, die bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden, ist die Tatsache, dass es sich um feindlich gesinnte Länder handelt (...), die derzeit auf höchst aktive Weise an militärischen Aktionen gegen unser Land beteiligt sind“ und „an den vom Kiewer Regime durchgeführten Angriffen auf unsere zivile und wirtschaftliche Infrastruktur teilgenommen haben“, erklärte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten, am Freitag.
Bewertung der Lage und unerfüllte Forderungen
Veröffentlicht wurde Putins Erlass France 24 zufolge am 17. September. Nestlé habe daraufhin diesen Erlass "zur Kenntnis genommen", man sei nun dabei, "die Lage und Optionen zu bewerten", kommentierte der Schweizer Konzern, werde aber "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Rechte zu schützen und die Fortsetzung der Tätigkeiten zu ermöglichen", was im Interesse aller Beteiligten liege, insbesondere der Angestellten.
Seitens der russischen Tochtergesellschaften der LEH-Kette Auchan habe man Aufklärung seitens der Regierung verlangt. Erst dann könne man sich dazu äußern.
Die französische Regierung teilte in einer Erklärung mit, man "verurteilt die ungerechtfertigte Unterstellung der russischen Tochtergesellschaften mehrerer französischer und europäischer Unternehmen unter vorläufige Verwaltung." Frankreich stehe "in engem Kontakt" mit den betroffenen Unternehmen und fordere die russischen Behörden auf, diese Entscheidung rückgängig zu machen.
Dass keine zwei Wochen später mit der Metro AG der nächste Fall publik wird, zeugt nicht von einem Einsehen aus Moskau.
Auf LinkedIn kommentiert ein Nutzer einen Post zu diesem Thema wie folgt: "[...] Ihr habt uns 300 Milliarden weggenommen, wir werden alles nehmen, was wir auf unserem Boden greifen können. Die Frage nach Gerichten, Logik und dem Suchen nach wirtschaftlichem Sinn ist absolut zweitrangig. Moskau befindet sich in einem wirtschaftlich-politischen, man könnte sagen existentiellen Klintsch mit der westlichen Welt. Hier ist also eine Prognose für euch: Schon bald wird niemand mehr übrig bleiben."