Betroffen sind dem Verband zufolge vor allem Lieferungen aus Süditalien. Obst und Gemüse aus Sizilien, Kalabrien, Apulien und der Basilikata treffen mit erheblichen Verzögerungen ein. Schwierigkeiten gibt es insbesondere bei Trauben, Zitrusfrüchten, Tomaten, Auberginen und Paprika. Auch die Transportverbindungen zum Obst- und Gemüsegroßmarkt Fondi, einem der wichtigsten Verteilzentren Italiens, sind beeinträchtigt.
„Heute Morgen haben uns besorgniserregende Meldungen von toskanischen Großhändlern erreicht“, erklärt Raffaele Viggiani, Präsident von FIESA Confesercenti Toscana, am 21. Oktober. „Waren aus mehreren Regionen Süditaliens kommen nicht mehr regelmäßig an. Inzwischen gibt es auch beim Markt von Fondi Transportschwierigkeiten, nachdem uns von dort in den vergangenen Tagen noch einige Lieferungen erreicht hatten. Glücklicherweise werden weiterhin Produkte aus Norditalien und den Anbaugebieten unserer Region geliefert, insbesondere aus dem Valdichiana und der Versilia. So können wir eine Mindestversorgung aufrechterhalten. Die ausgebliebenen Lieferungen lassen sich damit aber nicht vollständig ausgleichen.“
Die Lage könnte sich nach Auffassung des Verbandes rasch verschlechtern, vor allem bei frischen und leicht verderblichen Produkten, die auf regelmäßige Transporte angewiesen sind. „Wenn nicht schnell eine Einigung erzielt wird, die den Warenverkehr wieder in Gang bringt, könnten die Engpässe schon in den kommenden Tagen deutlich größer werden“, so Viggiani. „Selbst wenn der Konflikt sofort gelöst würde, bräuchte es mindestens zwei bis drei Tage, bis sich die Versorgung wieder weitgehend normalisiert. Gleichzeitig beobachten wir bereits leichte Preissteigerungen im Großhandel. Es besteht die Gefahr, dass die Schwierigkeiten nach und nach auch die Handelsbetriebe und die Verbraucher treffen.“
Starke Abhängigkeit vom Straßengüterverkehr
FIESA Confesercenti Toscana verweist auf die starke Abhängigkeit des italienischen Vertriebssystems vom Straßengüterverkehr. Besonders ausgeprägt sei diese im Agrar- und Lebensmittelsektor. Nach ISTAT-Daten für 2024 werden in Italien mehr als 92 % der auf dem Landweg beförderten Güter auf der Straße transportiert. Länger anhaltende Blockaden haben deshalb unmittelbare Folgen für die gesamte Lieferkette – von der landwirtschaftlichen Erzeugung über den Großhandel bis zu den Geschäften vor Ort und den Haushalten.
„Wir verstehen die Schwierigkeiten der Transportunternehmer. Die Kraftstoffkosten gefährden die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe erheblich“, betont Viggiani. „Wir müssen aber verhindern, dass diese Krise auch die anderen Glieder der Lebensmittelkette schwer trifft: durch Schäden für die Erzeuger, den Verlust verderblicher Ware, Schwierigkeiten für die Händler und weitere Preissteigerungen für die Bürger. Die Kosten dieser Krise dürfen nicht auf die kleineren Unternehmen und die Verbraucher abgewälzt werden.“
Der Verband fordert die Regierung daher auf, rasch zu handeln. Gemeinsam mit den Vertretungen des Transportgewerbes müssten wirksame Maßnahmen gegen die hohen Kraftstoffpreise gefunden werden. Zugleich gelte es, die für die Lebensmittelversorgung unverzichtbaren Transportverbindungen aufrechtzuerhalten.
„Wir brauchen schnell eine gemeinsame Lösung“, erklärt Viggiani abschließend. „Vorrang hat jetzt, den Warenverkehr sicherzustellen, insbesondere für verderbliche Produkte. Wir müssen verhindern, dass aus der Transportkrise eine Versorgungskrise im Lebensmittelhandel wird. Über unsere Mitgliedsunternehmen und die Marktteilnehmer werden wir die Lage weiter beobachten. Entscheidend ist, rechtzeitig einzugreifen, bevor sich die heutigen Schwierigkeiten in den kommenden Tagen zu einem allgemeinen Warenmangel ausweiten.“