von Daniel Schmidt 4 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Insights Stage – wo Daten, Märkte und Verantwortung zusammenkommen

Im Rahmen der FRUIT LOGISTICA präsentieren Aussteller erstmals auf der Insights Stage ihre innovativen Produkte und Konzepte. Dabei beleuchten an den ersten beiden Messetagen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Branchenorganisationen zentrale Herausforderungen der Obst- und Gemüsebranche. Im Fokus stehen datenbasierte Entscheidungsprozesse, neue Produktions- und Logistikmodelle, technologische Innovationen in der Nachernte sowie Fragen von Nachhaltigkeit, Transparenz und Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette.

Alice Hinzmann auf der Bühne
Alice Hinzmann wird durch das Programm der Insights Stage führen.
© Fruchthandel Magazin

Den Auftakt bildet der niederländische Agritech-Anbieter Agurotech. Im Zentrum steht die Frage, wie sich aus der wachsenden Menge an Sensor-, Satelliten- und Wetterdaten tatsächlich praxisrelevante Entscheidungen für den Anbau ableiten lassen. Der Vortrag macht deutlich, dass Smart Farming weniger vom bloßen Sammeln zusätzlicher Daten lebt, sondern davon, diese in konkrete Empfehlungen für Bewässerung, Stressmanagement oder die zeitliche Planung von Maßnahmen zu übersetzen. Einen direkten Übergang zur Lieferkette bildet der Beitrag von Tive. Anhand globaler Kühlketten zeigt das Unternehmen, wie Echtzeitdaten zu Standort und Zustand von Sendungen helfen können, Qualität, Marge und Haltbarkeit zu sichern. Live-Daten sollen nicht nur Reklamationsprozesse vereinfachen, sondern auch das Vertrauen zwischen Erzeugern, Logistikdienstleistern und Handel stärken – insbesondere auf dynamisch wachsenden Importachsen, etwa von Südafrika nach Europa oder in den Nahen Osten.

Neue Produktionslogiken im Gemüsebau

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf strukturellen Veränderungen in der Primärproduktion. Vertreter von Flier Systems widmen sich der Frage, warum feldbasierter Anbau von Baby-Leaf-Salaten zunehmend durch gewächshausbasierte CEA-Systeme ersetzt wird. Anhand eines konkreten Hydroponik-Beispiels wird aufgezeigt, wie Automatisierung, kontrollierte Produktionsbedingungen und geringere Abhängigkeit von Arbeitskräften die Wirtschaftlichkeit verändern. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich Produktionsstandorte flexibler planen lassen – ein Faktor, der angesichts klimatischer Risiken und steigender Kosten an Bedeutung gewinnt.

Hände halten Avocados
Am Beispiel Avocado wird auf der Insights Stage gezeigt, wie datenbasierte Nachernte-Lösungen Qualität und Haltbarkeit verbessern sollen.
© mimagephotos/AdobeStock

Auch das Thema Lebensmittelverluste zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Das spanische Unternehmen Citrosol stellt zwei Nachernte-Technologien für Avocados vor, die Verluste während Lagerung und Transport reduzieren sollen. Präsentiert werden sowohl industrielle Ergebnisse aus Export-Packhäusern in Peru als auch unabhängige Versuchsdaten aus Spanien, die auf eine verbesserte innere Fruchtqualität und geringere Kälteschäden hinweisen. Der Beitrag unterstreicht die wachsende Bedeutung der Nachernte als Stellschraube für Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Logistik zwischen Effizienz und Verantwortung

Mit Blick auf globale Warenströme thematisiert Lineage den Zusammenhang zwischen Technologieeinsatz, Zusammenarbeit und Lebensmittelverschwendung. Angesichts weltweit hoher Verlustmengen wird gezeigt, wie temperaturgeführte Logistik, datenbasierte Prozesse und partnerschaftliche Ansätze helfen können, Effizienz zu steigern und gleichzeitig soziale Initiativen zu unterstützen. Ein praxisnahes Beispiel aus dem Großhandel liefert die Stöcklin Group. Anhand eines luxemburgischen Lebensmittelgroßhändlers wird erläutert, wie automatisierte Frischelogistik Ladezeiten verkürzt und Bestellungen, die bis Mitternacht eingehen, bereits am nächsten Morgen ausgeliefert werden können. Automatisierung wird hier als Schlüssel für Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Frische positioniert.

Märkte öffnen, Standards sichern

Neben Technik und Logistik nimmt die Insights Stage auch Markt- und Partnerschaftsmodelle in den Blick. Das Import Promotion Desk (IPD) stellt seine Rolle als Schnittstelle zwischen europäischen Einkäufern und geprüften Erzeugern aus ausgewählten Partnerländern vor. Ziel ist es, neue Bezugsquellen zu erschließen und gleichzeitig Nachhaltigkeit, Transparenz und die Einhaltung von Qualitäts- und Sozialstandards sicherzustellen. Ergänzt wird dies durch Einblicke in konkrete Erzeuger, die sich auf der FRUIT LOGISTICA präsentieren. Ein programmatisches Signal setzt auch Zespri. Mit der EU-Zulassung eines Health Claims für grüne Kiwis erreicht erstmals ein frisches Obstprodukt diesen Status. Der Vortrag ordnet ein, welche Bedeutung dieser Schritt für die Vermarktung, die Kommunikation mit Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie für die gesamte Branche haben kann – und welche Anforderungen damit verbunden sind.

Person mit Tablet und Messgerät in der Hand kniet auf Feld
Um praxisrelevante Entscheidungen im Obst- und Gemüseanbau schnell und richtig treffen zu können, ist die regelmäßige Prüfung wichtiger Parameter unerlässlich.
© AdobeStock

Digitalisierung, KI und neue Steuerungsmodelle

Der zweite Messetag vertieft den Fokus auf digitale Lösungen und Automatisierung. Themen reichen von autonomen Klima- und Bewässerungssystemen (Blue Radix) über CO₂-Abscheidung direkt im Gewächshaus (Green Gas & Liquids) bis hin zu innovativen Verpackungslösungen und Rückverfolgbarkeitssystemen. Unternehmen wie IFCO Systems zeigen, wie Echtzeit-Tracking und Datenanalysen bei Mehrwegverpackungen Transparenz schaffen, Verluste reduzieren und CO₂ einsparen sollen. Auch der Einsatz von Bildverarbeitung und Künstlicher Intelligenz steht im Mittelpunkt. Anbieter wie BIOMETiC oder Stack&Track präsentieren Ansätze, mit denen Qualitätsmerkmale sichtbar, messbar und entlang der Lieferkette nutzbar gemacht werden. Ergänzt wird dies durch Beiträge zu Compliance und Regulierung, etwa von Agriplace, die zeigen, wie KI helfen kann, steigende Anforderungen – etwa im Kontext der PPWR – effizient zu managen. Abgerundet wird das Programm durch Beiträge zu Züchtung, Herkunftsmarketing und verantwortungsvollen Lieferketten – von argentinischen Heidelbeerprogrammen über portugiesische Citrusfrüchte bis hin zu einem Panel zur Fairness und Logistiksicherheit in der Bananenwirtschaft.

Halle 21, Stand F-60

  • Deutschland
  • Fruit Logistica
  • Events