von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Frankreich: „Wir können Deutschland bedeutende Mengen Aprikosen anbieten“

Ob es nun exakt 106.520 t Aprikosen sind, wie auf der medFEL in Perpignan geschätzt, oder kurzfristig doch etwas weniger – Fakt ist: Die Qualität stimmt, und nicht nur die Produkte, sondern auch die Produzenten sind reif für den Export, wie die Branche betonte. Neben neuen Sorten lohne sich der Blick nach Frankreich auch, um bei Klimaschwankungen auf weitere Herkünfte zurückgreifen zu können, so der Tenor.

Aprikosen am Baum
© HDC LaMotte

Während Sie diesen Artikel lesen, werden in Frankreichs Obstgärten bereits Aprikosen der Sorten Colorado oder Pricia gepflückt, ab KW 21 – also pünktlich zum Erscheinen dieser Ausgabe – sollen größere Mengen verfügbar sein, z.B. mit Primassi®, Flopria, Cocot® oder Orangered. Die Haupternte ist für Ende Juni/Anfang Juli eingeplant, wo in Frankreich Varietäten wie Delicot®, Lady Cot, Koto, Bergarouge, Bergeron, Faralia, Swired®, Nelson® oder Anegat gepflückt werden, später sind Aprikosen der Sorte Madrigal® verfügbar – um nur einige zu nennen. „In den vergangenen Jahren haben wir sehr viel Arbeit in die Modernisierung unserer Obstgärten und in die Sortenerneuerung investiert“, bestätigte Raphaël Martinez, Direktor der französischen Vereinigung der Pfirsich- und Aprikosenproduzenten (AOP Pêches et Abricots) gegenüber dem Fruchthandel Magazin; nach und nach hätten die Landwirte den Fokus auf Aprikosen mit besonders hoher Geschmacksqualität gesetzt. Um diese neuen Varietäten entsprechend zu schützen, habe man bei neuen Plantagen verstärkt auf Frost- und Hagelschutzsysteme geachtet, so dass sich die Produktion insgesamt stabilisiert habe, ging der AOP-Direktor ins Detail. Durch die professionelle Zusammenarbeit der einzelnen Betriebe sei es zudem möglich, die Früchte für Sammelsendungen zu bündeln: „Damit können wir deutschen Importeuren und dem Handel über einen Zeitraum von etwa zehn Wochen, von Mitte Juni bis Mitte August, bedeutende Mengen anbieten“, betonte Raphaël Martinez.

 

Raphaël Martinez, Direktor der französischen Vereinigung der Pfirsich- und Aprikosenproduzenten (AOP Pêches et Abricots)
Raphaël Martinez, Direktor der französischen Vereinigung der Pfirsich- und Aprikosenproduzenten (AOP Pêches et Abricots)
© Inga Detleffsen

Frankreich - das Land der „Aprikosen-Kultur“

Dass der Export in diesem Jahr verstärkt in den Genuss der französischen Früchte kommen soll, bestätigt auch Laurent Dorflinger (Cap Fraicheur): „Wir werden v.a. in den KW 24 bis 33 sehr viele Aprikosen verfügbar haben“, erklärt er mir auf der medFEL. „Aktuell gehen wir von rund 1.500 t Aprikosen aus, die wir exportieren möchten“, nennt er Details. Das „wir“ steht für vier Unternehmen, die ihre Mengen über Cap Fraicheur so bündeln, wie Raphaël Martinez es ankündigte. „Gemeinsam sind wir stärker und können so nicht nur die Großmärkte, sondern auch den deutschen Einzelhandel beliefern“, bestätigt Laurent Dorflinger. Angesichts wachsender Unwägbarkeiten durch Klima und sonstige Krisen sei es mit Blick auf die Versorgungssicherheit sinnvoll, unterschiedliche Herkünfte zu kombinieren, und Frankreich biete sich bei Aprikosen ganz besonders an, es sei „das französische Obst schlechthin“, befand er. Inzwischen könnten rund 20 neue Sorten Handel und Konsumenten gleichermaßen überzeugen. Zwar seien die Varietäten nicht auf das Hexagon limitiert, doch Frankreich punkte mit einer regelrechten „Aprikosen-Kultur“, wie Dorflinger es nannte. „Wir haben das Know-how, die Qualität und hohe Standards“, fasste er selbstbewusst zusammen.

Auch für Nathalie Bonnet (Domaine des Coteaux) soll 2026 zum Deutschland-Exportjahr werden. Auf insg. 400 ha baut der Betrieb mit Sitz im südlich von Nîmes gelegenen Générac Sommerfrüchte wie Kirschen (20 ha), Aprikosen (180 ha), Pfirsiche und Nektarinen (190 ha) an, auch Kiwis (10 ha) sind Teil des Portfolios. „Wir verfügen über alle notwendigen Zertifizierungen“, stellt sie fest, und könnten nicht nur zahlreiche geschmacklich überzeugende Sorten wie weiße Aprikosen oder die Pflaumenvarietät Flavor King anbieten, sondern auch eine Vielzahl möglicher Verpackungslösungen. 

Damit Konsumentinnen und Konsumenten nicht das "Steinobst im Sack" kaufen, sind aktuell übrigens durch die intraprofessionelle Branchenvereinigung Interfel organisierte Verkostungen geplant - an insgesamt 36 Tagen auch an PoS in Deutschland. 

Weitere Details zur französischen Sommerobst-Saison lesen Sie in der frisch erschienenen Ausgabe 12 des Fruchthandel Magazins - entweder als Printausgabe oder digital in der App oder als E-Paper im Browser.

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