Insbesondere die Verwundbarkeit kritischer Ernährungslieferketten, die zentrale Angriffsflächen darstellten, steht im Mittelpunkt des Fachgesprächs. „Wer die Versorgung mit Nahrung stört, trifft die Gesellschaft in der gesamten Breite“, warnte Wagener. Notwendig sei eine gemeinsame Strategie zur Sicherstellung der Ernährung, die national wie europäisch abzustimmen sei: „Es braucht klare Ansprechpartner, eingespielte Abläufe und ein gutes Zusammenspiel zwischen den betroffenen Unternehmen der Ernährungs- und Lebensmittelbranche sowie den zuständigen Ministerien, Behörden und Krisenstäben der Bundesregierung.“ Den Gesetzgeber sieht der Parlamentarier gefordert, das Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz an die Herausforderungen der Zeit anzupassen.
Einzelmaßnahmen reichen nicht
„Ernährungssicherung bedeutet mehr, als Lager zu füllen oder kurzfristig die Produktion zu steigern“, erklärte Grünen-Agrarsprecherin Dr. Ophelia Nick. Entscheidend sei, dass Lebensmittel auch in Krisenfällen verfügbar blieben, bezahlbar seien und die Menschenzuverlässig erreichten. Schon wenige Ausfälle könnten die Versorgung empfindlich treffen. Wenn Stromnetze gestört würden, Wasser fehle oder zentrale Logistikstandorte aus-fielen, gerieten Verarbeitung, Kühlung, Transport und Verkauf schnell unter Druck. „Deshalb muss die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern und Kommunen heute die Voraussetzungen schaffen, damit unsere Versorgungsstrukturen auch unter Belastung funktionieren“, mahnte die frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarressort.
Nach ihrer Einschätzung reichen Einzelmaßnahmen dafür nicht aus: „Wir brauchen ein Bündnis gegen die Krise: Bund, Länder und Kommunen müssen genauso an einen Tisch wie Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Ernährungswirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.“ Nur gemeinsam könnten Strukturen geschaffen werden, „die unsere Ernährung auch in Krisen sichern.“ Eine Voraussetzung dafür sieht Nick in Vielfalt: „Viele landwirtschaftliche Betriebe, regionale Verarbeitung, starke handwerkliche Strukturen und dezentrale Handelswege.“ Nur eine breite und widerstandsfähige Versorgungsstruktur könne Menschen auch in Krisen und Katastrophenfällen zuverlässig mit Lebensmitteln versorgen. AgE