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Deutschland hat angespargelt – größere Erntemengen ab April erwartet

In mehreren deutschen Anbauregionen wird bereits Spargel gestochen. Die ersten Mengen stammen derzeit vor allem aus beheiztem oder geschütztem Anbau. Mit steigenden Temperaturen rechnen die Betriebe in den kommenden Wochen mit deutlich größeren Erntemengen, so Geerntet in Deutschland.

Spargelstangen auf Erde
© BVEO/HendrikHaase

„Aufgrund der derzeit vielen Sonnenstunden rechnen wir schon in den nächsten Tagen mit ersten Erntemengen aus nicht beheizten Flächen mit Mehrfachabdeckung“, sagt Hans Lehar, Geschäftsführender Vorstand der OGA/OGV Nordbaden EG. „Größere Mengen werden aber erst Anfang April erwartet. Die längere Kälte- und Frostperiode sowie eine ausreichende Wasserversorgung haben jedoch gute Voraussetzungen für das Wachstum geschaffen. Entscheidend sind nun stabile frühlingshafte Temperaturen mit viel Sonne. Für eine Erntemengenprognose ist es allerdings noch zu früh – denn der Spargelanbau bleibt stark von der Witterung abhängig.“

Auch in Niedersachsen steht der Saisonstart kurz bevor. „Der erste Spargel wird voraussichtlich in etwa 14 Tagen gestochen“, erklärt Daniel Tewes, Vertriebsleiter der ELO eG und fügt hinzu: „Durch die Kälte der vergangenen Monate konnten sich die Pflanzen gut regenerieren, und auch die aktuellen Sonnenstunden sowie die Temperaturen bieten gute Bedingungen für das Wachstum. Wir rechnen daher damit, dass die Mengen spätestens zu Ostern deutlich steigen werden.“

Im Westen Deutschlands läuft die Ernte aus beheiztem Anbau bereits. „Erste kleinere Mengen aus der Region sind schon im Handel verfügbar“, sagt Bernd Schnäbeli von der Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG. „Die warmen Temperaturen der letzten Wochen haben dem Spargel einen richtigen Schub gegeben. Nun kommt allerdings wieder eine Kaltfront, die das Wachstum vorraussichtlich zur KW 12 bremsen wird. Größere Erntemengen erwarten wir daher voraussichtlich nach Ostern ab der KW 15.“ Erklärend fügt er hinzu: „Die Qualität der ersten Spargelstangen im Westen ist bisher sehr gut. Nach dem Ende der vergangenen Saison konnten sich die Bestände gut regenerieren und die Pflanzen wuchsen sauber aus den Dämmen. Und auch im Winter gab es ausreichend Kältepunkte, um das Wachstum der Pflanzen im Frühjahr anzuregen. Wir gehen darum Stand heute von einer guten Saison mit normalen Erntemengen aus. Damit das klappt, wünschen sich die Erzeugerbetriebe nun vor allem eine schöne frühlingshafte Witterung mit dem einen oder anderen Landregen.“

Im Norden Deutschlands beginnt die Spargelsaison traditionell etwas später. Auch hier rechnen die Erzeuger jedoch bereits vor Ostern mit den ersten nennenswerten Mengen.

Und auch in der Pfalz herrscht große Vorfreude. „Nach einem langen und kalten Winter sind die Spargelpflanzen bestens erholt und bereit für die neue Saison,“ vermeldet Pfalzmarkt-Vorstand Hans-Jörg Friedrich. „Die ersten warmen Sonnenstrahlen in der Pfalz sorgen dafür, dass die Spargelwurzeln wieder aktiv werden. Mit zunehmender Wärme treiben die zarten Spargelstangen kraftvoll aus dem Boden und streben dem Licht entgegen. Bereits jetzt zeigen sich die ersten Triebe in den Erddämmen – ein klares Zeichen dafür, dass die Spargelsaison bevorsteht.“

Wichtigstes Gemüse im deutschen Anbau

Mit rund 22.000 ha Anbaufläche nimmt Spargel in Deutschland seit Jahren eine Sonderstellung ein: Kein anderes Gemüse wird hierzulande auf größerer Fläche kultiviert. Rund 1.350 Betriebe bauen das weiße Stangengemüse an – überwiegend familiengeführt, regional verankert und hoch spezialisiert. Die Erntemenge lag im vergangenen Jahr bei rund 104.000 t. Damit gehört Deutschland zu den wichtigsten Spargelproduzenten Europas. Der Großteil der Produktion entfällt weiterhin auf weißen Spargel, der rund 80 % der deutschen Ernte ausmacht.*

Nicht zuletzt deshalb hat der Spargel hier auch seinen eigenen Feiertag.

Wie schnell die Saison Fahrt aufnimmt, hängt vor allem von den Temperaturen ab. Milde Temperaturen und ausreichend Sonne haben den Spargel in diesem Jahr vielerorts früher aus dem Boden gelockt – zunächst im geschützten oder verfrühten Anbau. Doch auch die Freilandsaison steht bereits in den Startblöcken. Zu Saisonbeginn wächst Spargel oft nur rund einen Zentimeter pro Tag, zur Hochsaison können es bis zu fünf Zentimeter täglich sein. Gestochen wird mit größter Sorgfalt – meist früh morgens oder abends und fast ausschließlich in Handarbeit. Das macht jede Stange zu einem Einzelstück und jede Ernte zu einem zeitlich eng begrenzten Ereignis. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – oder besser gesagt, das Warten auf die nächste Spargelsaison.

Über 80 % des in Deutschland verzehrten Spargels stammen aus heimischem Anbau. Das bedeutet nicht nur Frische, sondern auch kurze Transportwege. Der ökologische Fußabdruck bleibt klein, während der Genuss groß ist! Gleichzeitig unterliegt der Spargelanbau hierzulande strengen gesetzlichen Vorgaben – von Umweltauflagen bis hin zu sozialen Standards. Heimischer Spargel steht damit für regionale Qualität und verantwortungsvolle Produktion. Das wissen die deutschen Spargelfans zu schätzen. Pro Kopf verzehren sie im Schnitt rund 1,2 kg Spargel pro Jahr – konzentriert auf wenige Frühlingswochen. Denn so beliebt das Stangengemüse ist: Seine Saison ist klar begrenzt. Traditionell endet sie am 24. Juni. Danach dürfen die Pflanzen wachsen und ausreichend Kraft für das kommende Jahr sammeln.* 

*Quelle AMI/Destatis/Statista

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