Zu den Naturgewalten gesellen sich administrative Hürden. So beklagt der Verband der Anbauer und Verarbeiter von Schalenfrüchten in Bulgarien das Ausbleiben von nachhaltigen und zukunftsweisenden Strategien für den traditionell gut entwickelten Sektor.
So finden die Farmer das Regelwerk zur Bewässerung und Nutzung von Grundwasser auf den Feldern zu bürokratisch und teuer. In vielen kleinen und mittelgroßen Ortschaften wurden während des Sozialismus zahlreiche kleine Talsperren errichtet, mit dem Zweck, die damaligen Landwirtschaftsgenossenschaften mit genügend Wasser für den Pflanzenanbau zu versorgen. Nach der Auflösung der Kooperativen und Reprivatisierung der einzelnen Anbauflächen sind inzwischen aber die alten Zulaufsysteme größtenteils verwahrlost, marode, zerstört oder fehlen ganz. Last but not least: auch beim Anbau und der Verarbeitung von Schalenfrüchten fehlt es an genügend Arbeitskräften, wobei das Problem wegen der Saisongebundenheit der Tätigkeit zusätzlich erschwert wird.
Branchenvertretern zufolge haben die Wetterkapriolen auch die Produktion in der benachbarten Türkei stark beeinträchtigt. Im Unterschied zu Bulgarien, so die lokalen Farmer, würde allerdings beim weltgrößten Anbauer an Haselnüssen die Ernte garantiert vom Staat aufgekauft und zwar zu relativ hohen Preisen. So würde der Import von rohen und verarbeiteten Nüssen im Vergleich zum Vorjahr teuer werden. Nicht wenige bulgarische Branchenvertreter sehen im türkischen Model ein positives Beispiel. Sollte der Staat den Aufkauf der Ernte garantieren und diese an die Handelsketten direkt verkaufen, würde dies die Fermer effektiver motivieren als das simple Verteilen von Subventionen.
Leider häufen sich in den vergangenen Jahren die negativen Tendenzen beim Anbau von Nüssen in Bulgarien. Bereits 2024 wurde wegen Frühjahresfröste und Kälteeinbrüchen die Ernte an Wallnüssen zur Hälfte vernichtet. Viele Farmer überlegen inzwischen den Anbau aufzugeben, sollten die Wetterkapriolen ein weiteres Jahr anhalten. Die Zweifel unter den Anbauern werden durch Billigimporte, z.B. von Erdnüssen aus dem Sudan oder angeblich auf dem Markt als lokale bulgarische gepriesene Schalenfrüchte aus Argentinien zusätzlich befeuert.
Populäre Sorten im Balkanland sind die einheimischen Walnussarten Scheinovo, Dryanovski, Silstrenski und Izvor 10 sowie die Erdnüsse Kalina. 2024 bewegten sich die Preise bei den ungeschälten zwischen 1 Euro und 2,50 Euro. Bei der importierten Sorte Chandler stiegen die Preise bis zu 5 Euro und fanden im Kosovo guten Absatz. Die bulgarischen Erdnüsse werden hingegen roh zu 3,50 Euro und die gerüsteten zu 4,50 Euro gehandelt.
Lesen Sie demnächst mehr im Fruchthandel Magazin.