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Belgische Gewächshausbetriebe setzen auf Innovation für grüneres Europa

Glühend heiße Sommer und zunehmend unberechenbares Wetter schreiben die Regeln für den Obst- und Gemüseanbau in Europa neu. Belgische Gewächshausbetreiber reagieren darauf mit Technologie: Solarmodule, die das Pflanzenwachstum fördern, nahezu null Plastikmüll, reduzierter Torfverbrauch und eine konsequente Abkehr von fossilen Brennstoffen gehören zu ihren neuesten Initiativen, so VLAM.

Hände halten Tomatenrispe
© VLAM

Bei Tomato Masters in Deinze schweben 32 farbgetönte Solarmodule über den Tomatenpflanzen, anstatt auf dem Dach zu liegen. Sie filtern das Sonnenlicht, lassen genau das Licht durch, das die Pflanzen für die Photosynthese benötigen, und wandeln den Rest in Strom um – durchschnittlich 4,5 kW.

„Man sieht den Unterschied schon aus einem Meter Entfernung: Die Pflanzen unter den Modulen sind kräftiger und zeigen weniger Stress“, sagt Mitinhaber Tom Vlaemynck. „Sie erwärmen sich weniger, verlieren weniger Wasser durch Transpiration und bleiben in Hitzeperioden vitaler.“

Die Idee finde immer mehr Anhänger. An anderen Standorten des Tomeco-Netzwerks schwimmen Solarmodule auf einem Wasserbecken, wodurch die Verdunstung reduziert und gleichzeitig Strom erzeugt wird. Ein Stück weiter hat der Lauchanbauer Jurgen De Roo eigene Module installiert, um einen Teil des Strombedarfs seines Betriebs zu decken.

Einsatz nachhaltigerer Betriebsmittel

Auch in belgischen Gewächshäusern verschwinde der Kunststoff. Im Rahmen des „Zero Waste“-Projekts – das gemeinsam mit Inagro, Harvestis und der Universität Gent durchgeführt wird – ersetzen die Erzeuger Nylon-Befestigungsschnüre und Kunststoffklammern durch biologisch abbaubare Alternativen. Das Ergebnis: Ein gesamter Anbauzyklus kann direkt auf den Komposthaufen gelangen, ohne dass eine Sortierung erforderlich ist.

Ein zweites Projekt, „ReduVeen“ – durchgeführt von Harvestis und Inagro –, nimmt Torf ins Visier, eine Ressource, die weithin als nicht nachhaltig gilt. Da sich die weltweite Nachfrage bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird und torffreie Alternativen derzeit kaum 15 % des Marktes abdecken, arbeiten Forscher gemeinsam mit Erzeugern daran, den Torfanteil in Anzuchtsubstraten um mindestens 35 % zu senken.

Die vielleicht ehrgeizigste der Initiativen ist das starke Engagement der Branche für die Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe. In dieser Hinsicht senken belgische Paprikazüchter den Gasverbrauch erheblich, indem sie nicht nur Solarmodule, sondern auch hochisolierende Energieschirme und moderne Wärmepumpen installieren. „Wir haben in Kraft-Wärme-Kopplung investiert“, sagt Neyens, ein Erzeuger. „Ein Teil des Stroms wird im Gewächshaus genutzt; der Rest wird ins Netz eingespeist. Das Kühlwasser des Motors heizt das Gewächshaus. Die bei der Verbrennung freigesetzten Gase werden zu 100 % gereinigt. Das freigesetzte CO₂ wird als Dünger für die Paprika verwendet“, fügt er hinzu.

Strukturwandel, der sich im Umsatz auszahlt

Trotz der aktuellen Herausforderungen seien die belgischen Exporte von Frischobst und -gemüse in den vergangenen zehn Jahren relativ stabil geblieben, mit einem bemerkenswerten Anstieg um 163.340 t zwischen 2024 und 2025. Die europäischen Märkte bleiben ihr Hauptabsatzmarkt.

Nach Angaben des flämischen Vermarktungsrats für landwirtschaftliche Erzeugnisse (VLAM) ist dieser jüngste Anstieg größtenteils auf den Fokus der Branche auf kontinuierliche Verbesserung, Frische und Qualität zurückzuführen.

„Der belgische Gartenbausektor ist weltweit führend in Sachen Innovation, da unsere Forschungszentren Lösungen entwickeln, die direkt auf die Bedürfnisse der Erzeuger vor Ort zugeschnitten sind“, sagt Nele Van Avermaet, Managerin für Obst- und Gemüseförderung bei VLAM. „Angesichts der Klimaschwankungen tätigen unsere Erzeuger langfristige Investitionen, um eine zuverlässige und nachhaltige Versorgung der europäischen Supermärkte zu gewährleisten.“

Vom 6. bis 8. Oktober präsentieren 21 belgische Exportunternehmen für Frischprodukte ihre Produkte in Halle 4 auf der Fruit Attraction 2026 in Madrid. Interessierte Einkäufer finden hier weitere Informationen zu den teilnehmenden Unternehmen: www.flandersfruitsandvegetables.com/en/event/fruit-attraction-2026