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2026 zeigt neue Dimension des Wetterrisikos für die Landwirtschaft

Unwetter und Trockenheit haben der deutschen Landwirtschaft 2026 stark zugesetzt. Bis Anfang September registrierte die Vereinigte Hagel eigenen Angaben zufolge in Deutschland rund 18.000 Hagelschadenmeldungen.

vertrocknete Plantage und Baum
© Karl-Heinz Laube/pixelio

Die Entschädigungsleistungen belaufen sich auf rund 115 Mio Euro. Besonders auffällig sei die Häufung der Ereignisse: Viele Betriebe wurden innerhalb kurzer Zeit mehrfach getroffen. Eine modellhafte Hochrechnung zeige ein landesweites Schadenvolumen von bis zu 300 Mio Euro – bezogen auf versicherte und nicht versicherte landwirtschaftliche Flächen.

Damit wird 2026 zu einem eindrücklichen Beispiel dafür, wie stark Wetterextreme die wirtschaftliche Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe gefährden. Besonders deutlich wurde dies Mitte Juli: Innerhalb von nur 48 Stunden wurden rund 100.000 ha geschädigte Fläche gemeldet; die erwartete Entschädigungsleistung lag bei mindestens 50 Mio Euro. Betroffen waren nahezu alle relevanten Kulturen – von Weizen, Raps, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln bis hin zu Sonderkulturen und Wein. 

Die Besonderheit des Jahres 2026 liege nicht nur in einzelnen schweren Unwettern. Entscheidend sei die Kombination aus Häufung, großer räumlicher Ausdehnung und dem Zeitpunkt kurz vor oder während der Ernte. Ende Mai und im Juni traten bereits erhebliche Hagelschäden auf, Mitte Juli trafen dann weitere Unwetterzüge erntereife Bestände. 

Bis Anfang September wurden deutschlandweit rund 600 Hageltage gezählt. Das sind knapp 5 % mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025. Noch deutlicher zeige sich die Entwicklung bei den Schadenmeldungen: Rund 18.000 Meldungen gingen bis Anfang September bei der Vereinigten Hagel ein, rund 11 % mehr als üblich. Besonders stark war der Juli mit 6.765 Schadenmeldungen vertreten – etwa 56 % mehr als in einem durchschnittlichen Juli.

Mehrfachschäden werden zum wirtschaftlichen Problem

Für Betriebe wird es besonders kritisch, wenn mehrere Schäden in einer Saison zusammenkommen. Ein Beispiel: Erst schwächt Trockenheit die Bestände, später zerstört Hagel zusätzlich Ertrag und Qualität. Bis Anfang September 2026 waren 1.100 Betriebe an mindestens zwei verschiedenen Tagen von Hagel betroffen – rund jeder achte Betrieb mit Hagelmeldung. 

Damit verändere sich auch das wirtschaftliche Ausmaß des Schadens. Ein Betrieb, der aufgrund der langanhaltenden Trockenheit bereits mit Ertragseinbußen rechnen musste, verfüge bei einem hinzukommenden Hagelschaden über deutlich weniger finanziellen Spielraum. Gleichzeitig laufen die Kosten für Personal, Maschinen und Betriebsmittel weiter. 

Die Lehre aus 2026 sei eindeutig: Betriebe benötigen Instrumente, die nicht nur einzelne Schäden abfedern, sondern auch bei mehreren Wetterereignissen innerhalb einer Saison helfen, wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben. 

Dürre potenziert das wirtschaftliche Risiko

Parallel zu den Hagelschäden entwickelte sich vor allem in Süddeutschland eine außergewöhnliche Trockenheit. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bewertete das Frühjahr 2026 deutschlandweit als sehr mild, außergewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken. Es fielen nur rund 126 l/m² Niederschlag – das entspricht 68 % des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990. Die Niederschlagskarten und Bodenfeuchtedaten zeigen deutlich: In vielen Regionen wirkte sich der fehlende Regen bis in tiefere Bodenschichten aus. 

In Bayern waren die Defizite noch ausgeprägter. Nach Angaben des DWD fiel das Niederschlagsdefizit im Freistaat besonders markant aus: Mit rund 101 l/m² kamen nur etwa 45 % der üblichen Regenmenge von 223 l/m² zusammen. Gemäß dem Bayerischen Klimainformationssystem war dieser Zeitraum der trockenste seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen im Jahr 1931. 

Der 2026 durch Dürre verursachte Schaden beläuft sich nach Schätzungen des DRV auf rund 600 Mio Euro. Anders als bei Hagel sei die Versicherungsdichte gegen Dürre noch sehr gering: Bundesweit sei von weniger als einem Prozent der landwirtschaftlichen Fläche auszugehen. Im Falle einer verfügbaren Dürreförderung wie in Bayern sei die Versicherungsdichte deutlich höher. 

Dürre sollte als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden. Um die Risiken für landwirtschaftliche Betriebe beherrschbar zu machen, brauche es ein Zusammenspiel aus betriebsindividuellen Anpassungsmaßnahmen, wirksamen Absicherungsmöglichkeiten und geeigneten Förderinstrumenten. Dazu gehören u.a. eine bedarfsgerechte und effiziente Bewässerung, die Wahl klimaangepasster und standortgerechter Sorten sowie weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung und Bodenstruktur. Gleichzeitig brauche es praxistaugliche Versicherungslösungen, die auch das großflächige und kumulierte Risiko von Dürre abbilden können. Flankierende Fördermaßnahmen seien dabei entscheidend, um die Absicherung für landwirtschaftliche Betriebe finanziell tragfähig und damit breiter zugänglich zu machen.

Das Alte Land: Wenn Wetterextreme zur Existenzfrage werden

Wie sich Wetterextreme wirtschaftlich auswirken, zeige das Alte Land in diesem Jahr besonders anschaulich. Drei schwere Hagelereignisse am 4. Juni, 9. Juni und 1. Juli verursachten dort Schäden von inzwischen mehr als 30 Mio Euro. Von den gut 8.300 ha Apfelanbaufläche waren rund zwei Drittel an mindestens einem der drei Schadentage betroffen; zahlreiche Flächen wurden mehrfach getroffen. 

Die Folgen reichen weit über reine Ertragsverluste hinaus. Beschädigte Äpfel können teilweise nicht mehr als hochwertiges Tafelobst vermarktet werden und müssen zu Most-, Mus- oder Schälobst verarbeitet werden. Die Erlöse in diesen Vermarktungssegmenten liegen in der Regel bis zu 80 % unter denen von Tafelobst. Gleichzeitig stehen die Betriebe unter hohem Kosten- und Vermarktungsdruck. 

Eine Versicherung verhindere zwar keinen Hagel, sie kann aber darüber entscheiden, ob ein Betrieb nach einem schweren Ernteausfall seine laufenden Kosten weiter finanzieren und die nächste Saison vorbereiten kann. Aktuell verfüge jedoch nur etwas weniger als die Hälfte der Obstbaubetriebe im Alten Land über eine entsprechende Hagelversicherung. 

Risikomanagement unabdingbarer Teil der betrieblichen Resilienz

Der Klimawandel verändere die Bedingungen, unter denen die Landwirtschaft arbeitet. Langfristig steigen die Durchschnittstemperaturen, Dürreperioden nehmen zu und einzelne Unwetter wie Hagel, Sturm oder Starkregen fallen stärker aus. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das: Sie müssen sich auf eine zunehmend volatile Wetter- und Risikosituation einstellen. Wetter sei damit nicht nur ein Produktionsfaktor, sondern eine signifikante unternehmerische Risikogröße, der es mit wirksamen Risikomanagementinstrumenten zu begegnen gilt. 

Betriebe müssen ihre Risiken künftig noch gezielter steuern. Dazu gehören angepasste Anbauverfahren, Boden- und Wassermanagement, Liquiditätsplanung und ein passender Versicherungsschutz gegen Risiken wie Hagel, Sturm, Starkregen, Frost oder Dürre. Eine Ernteversicherung kann Schäden nicht verhindern. Sie kann aber finanzielle Folgen abfedern und die Handlungsfähigkeit eines Betriebes sichern. Dürre sei besonders herausfordernd, da viele Betriebe gleichzeitig betroffen sein können. Daher brauche es Lösungen, die dieses großflächige Risiko einerseits für Versicherer tragbar und andererseits für Landwirte bezahlbar machen. Doch insbesondere Mehrgefahrenversicherungen seien für die Betriebe kostspielig. Eine wirksame staatliche Unterstützung kann daher dazu beitragen, der heimischen Landwirtschaft eine risikoangepasste Vorsorge zu ermöglichen. 

„Wir sollten nicht nach jedem Extremwetterereignis neu über staatliche (Ad-hoc-)Hilfen diskutieren – es braucht vielmehr eine planbare Vorsorge. Sinnvoll ist eine Kombination aus betrieblicher Eigenverantwortung, leistungsstarken Ernteversicherungen und staatlichen Förderinstrumenten, damit Absicherung wirtschaftlich tragfähig bleibt“, betont Dr. Philipp Schönbach, Vorstandssprecher der Vereinigten Hagel. 

Bayern hat mit der Förderung der Mehrgefahrenversicherung bereits einen großen Schritt in diese Richtung unternommen. Für 2026 werden dort definierte Mehrgefahrenpakete mit bis zu 50 % bezuschusst. Ziel sei es, Eigenvorsorge, Liquidität und Existenzsicherung landwirtschaftlicher Betriebe zu stärken. Ausgehend von dem bayerischen Modell sollte geprüft werden, wie solche Instrumente bundesweit weiterentwickelt und möglichst einheitlich gestaltet werden können. Denn deutsche Landwirte stehen beim Thema Wetterrisiken nicht isoliert da: In vielen europäischen Ländern werden Mehrgefahrenversicherungen bereits seit Jahren mit staatlichen Mitteln gefördert. Dies führe zu Wettbewerbsverzerrungen für deutsche Betriebe.

Doch nicht nur die politischen Ansätze müssen angepasst werden, auch die Versicherungswirtschaft muss sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Die Vereinigte Hagel hat daher eine neue Dürreversicherung entwickelt, die die tatsächliche Wasserversorgung der Pflanzen deutlich präziser abbildet als herkömmliche Indexversicherungen. 

2026 als Weckruf für die Risikovorsorge

Die entscheidende Frage sei nicht, ob die Landwirtschaft auch künftig Wetterrisiken ausgesetzt sein wird. Entscheidend sei, wie Betriebe, Politik und Gesellschaft damit umgehen. 

Das Schadenjahr 2026 führe eindrücklich vor Augen, dass mehrere Wetterrisiken innerhalb einer Vegetationsperiode zusammenkommen und einzelne Betriebe mehrfach treffen können. Damit wachse die Bedeutung einer verlässlichen Vorsorge, die im Schadenfall schnell hilft und Betriebe wirtschaftlich stabil hält. 

Für die Vereinigte Hagel sei deshalb klar: Wer die heimische Landwirtschaft auch unter veränderten klimatischen Bedingungen wettbewerbs- und widerstandsfähig halten will, muss Risikovorsorge als festen Bestandteil der landwirtschaftlichen Produktion verstehen. Eigenverantwortung, Versicherungsschutz und geeignete Fördermaßnahmen müssen dabei Hand in Hand gehen. 

2026 sei damit mehr als ein außergewöhnliches Schadenjahr: Es sei ein Weckruf, Wetterrisiken langfristig zu denken – weg von Ad-hoc-Hilfen und hin zu einer tragfähigen Strategie für Resilienz und wirtschaftliche Stabilität.