Auf die richtigen Sorten kommt es an
In den Wochen und Monaten vor dem Jahreswechsel standen die europäischen Märkte für Gemüse und Äpfel aufgrund der großen Angebotsmengen erheblich unter Druck. Dies hat man auch in Belgien gespürt. Welche Auswirkungen hatte dies für das Obst- und Gemüsegeschäft? Darüber sprach ich mit den beiden BelOrta- Produktspezialisten Benny Cuypers und Davy Smets.
BelOrta hatte laut Benny Cuypers bis Ende November rund 6,5 Mio kg Porree vermarktet, sodass ihm die Marke von 7 Mio kg für das Gesamtjahr zum Zeitpunkt unseres Gespräches realistisch erschien. Im Gesamtjahr 2024 hatte BelOrta insgesamt 6,8 Mio kg verkauft. Ein Problem des Porree-Anbaus im Freiland ist aber nicht nur, dass sich hohe Angebotsmengen negativ auf die Preise auswirken. Das kann bei jedem Produkt passieren. Insbesondere die Möglichkeiten, einen umfassenden und effektiven Pflanzenschutz zu betreiben, sind immer mehr eingeschränkt. „Dies liegt vor allem daran, dass es nicht mehr genügend geeignete Pflanzenschutzmittel für den Porree-Anbau gibt. Für viele Mittel gibt es keine Zulassung mehr, sodass sich wirklich die Frage stellt, wie man in Zukunft überhaupt noch qualitativ hochwertigen Porree auf eine rentable Weise anbauen kann.“ Laut Benny Cuypers ist dieses Problem keineswegs auf Porree beschränkt, sondern betrifft zahlreiche Anbaukulturen. Das Problem ist auch in anderen Ländern bekannt und es hat auch damit zu tun, dass sich die EU-Politik offensichtlich nicht genügend Gedanken darüber macht, welche weitreichenden Auswirkungen ihre regulatorischen Vorgaben haben.
Im Salatbereich hatte sich die Situation gegen Ende November wieder etwas verbessert, nachdem sie zuvor ebenfalls angespannt war, weil viele Produktionen in Europa lange anhielten. Zu diesem Zeitpunkt verbesserten sich dann Benny Cuypers zufolge auch langsam die Exportmöglichkeiten für belgischen Salat in Richtung Deutschland. „Der deutsche Markt ist in dieser Zeit nach wie vor sehr wichtig für uns, was die Salatausfuhren betrifft. Ein Trend in Deutschland ist sicherlich, dass die Kunden früher vor allem lose Ware haben wollten. Immer mehr Kunden bestellen aber nun Salat mit Wurzelballen.“
Äpfel
Ähnliche Probleme wie im Gemüsebereich gab es vor dem Jahreswechsel auch bei Kernobst. Zumindest bei Äpfeln. Eigentlich hatte es anfangs recht gut ausgesehen, denn zum Beginn der Apfelsaison waren die Lagerbestände gut geräumt und es erfolgte ein reibungsloser Übergang zur neuen Ernte. Doch preislich konnten Äpfel laut Davy Smets aufgrund der großen Ernte in Europa dann letzten Endes doch nicht überzeugen. „Die Qualität der Äpfel ist insgesamt ausgezeichnet. Aber die europäischen Ernten waren einfach zu groß, sodass es nur geringe Chancen für den Export gibt und wir gezwungen sind, einen großen Teil der Mengen auf dem heimischen Markt abzusetzen“, so Davy Smets. Ein schneller Abfluss der Ware sei auch deswegen wichtig, um unnötige Kosten in der gekühlten Lagerung zu vermeiden. Ungeachtet der schwierigen Vermarktungssituation ist BelOrta – nicht zuletzt durch die Integration von BFV vor einigen Jahren – ein Big Player im europäischen ‚Kernobst-Konzert‘. Im Sortenspiegel von BelOrta behauptet Jonagold weiterhin seine Spitzenposition, differenziert nach den Linien „JonaPlus“ (über 50 % Deckfarbe) und „JonaBlush“ (30 % Deckfarbe). Zu den weiteren Hauptsorten zählen die Premium-Äpfel Kanzi® und Morgana® sowie der speziell für den belgischen Markt bestimmte Clubapfel Belgica®. Darüber hinaus setzt BelOrta große Erwartungen in die Marken „Sprizzle®“ und „Greenstar®“.
Birnen
Bei Birnen war die Situation Ende vorigen Jahres aufgrund der kleineren Erntemengen nicht ganz so schwierig wie im Apfelsegment. Die Sorte Conference ist unverändert die Top-Birne in Belgien und bei BelOrta. Schon seit längerem weisen Kernobstexperten darauf hin, dass das Angebot und die Absatzmärkte stärker diversifiziert werden müssen, um einer Überversorgung des internationalen, aber auch des heimischen Marktes zu entgehen. Beides tut BelOrta, denn auch in Belgien steht der Birnenkonsum zusehends unter Druck. Aus diesem Grunde hatte man im vergangenen Jahr die PR-Kampagne „Das nationale Birnengericht“ (Het Nationale Perengerecht) ins Leben gerufen. Von Anfang November bis Ende Januar waren Verbraucher in ganz Belgien aufgerufen, ihr Lieblingsgericht mit Conference-Birnen einzusenden. Diese Aktion sollte die Birne wieder stärker in der belgischen Esskultur verankern und zeigen, dass sie nicht nur ein leckerer und gesunder Snack ist, sondern auch eine vollwertige kulinarische Zutat ist. Aber der Blick richtet sich auch in die ausländischen Absatzmärkte. „Wir richten den Fokus stärker in Richtung Italien, wo von diesem Jahr an PR-Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel stattfinden werden. In Italien ist der Anbau von Abate Fetel in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen und wir sehen dort Chancen für unsere belgischen Birnen“, so Davy Smets. Gute Chancen räumt BelOrta auch der Birne Fred® ein, die eine rote Backe besitzt, gut schmeckt, lange haltbar ist und vor allem tolerant gegenüber Feuerbrand ist. „Wir sind im Besitz der Lizenz für den belgischen Markt und erhoffen uns von dieser Birne positive Impulse“, erläuterte Davy Smets mit Blick in die Zukunft.
Halle 27, Stand B-31