AMI/Prognosfruit: Apfelsaison 2026/27 startet unter Druck – kleinere Ernte, hohe Lagerbestände
Die neue Apfelsaison beginnt nach Einschätzung von Ursula Schockemöhle von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) keineswegs entspannt.
Auf der Prognosfruit 2026 in Konstanz stellte sie der ursprünglichen Erwartung eines „entspannten“ Frischmarkts ein „Anti-Relaxed“-Szenario gegenüber: hohe Lagerbestände, gedämpfte Nachfrage und niedrige Preise – und das, obwohl die kommende EU-Ernte deutlich kleiner ausfallen dürfte als im Vorjahr.
Rückläufiger Konsum in mehreren EU-Ländern
Wie die AMI mit Bezug auf eine Panel-Auswertung von YouGov CP und European Panel Data berichtete, sind sowohl die Marktdurchdringung (Penetration) als auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Äpfeln zwischen 2022 bis 2024 und 2025 in Spanien, Belgien, der Niederlande, Deutschland, Österreich und Italien zurückgegangen. Besonders deutlich falle der Rückgang beim Pro-Kopf-Verbrauch in Italien aus.
Hohe Lagerbestände als zentrale Belastung
Die EU-Lagerbestände lagen Anfang Juli bei rund 634.000 t. Das ist nach AMI-Daten der höchste Wert der vergangenen sieben Jahre, getragen vor allem von Golden Delicious (199.000 t) und der Jonagold-Gruppe (141.000 t, plus 294.000 t sonstige Sorten). Es wurde zwar auf eine starke Lagerräumung im Juli/August hingewiesen, die erste Preisbildung der neuen Saison werde aber im „Schatten“ dieser großen Altware-Bestände stattfinden werde. Unmittelbar vor Saisonstart beschreibt AMI die Lage mit drei Stichpunkten: Preise auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau, weiterhin erhebliche Lagerbestände, eher verhaltene Nachfrage.
Für 2026 rechne AMI mit einer EU-Erntemenge von 9,5 Mio t bis 10 Mio t nach 11,3 Mio t im Vorjahr. Dieser Wert liege in etwa auf dem Niveau der WAPA-Prognose von 9,5 Mio t. Innerhalb der EU falle der Rückgang vor allem in West- und Osteuropa ins Gewicht. Als Faktoren nannte Schockemöhle u.a. Trockenheit, Sonnenbrand- und Hagelschäden sowie einen geringeren Anteil an Klasse-I-Ware. Nach AMI-Einschätzung sei dabei nicht die reine Erntemenge entscheidend, sondern vor allem die Menge an vermarktbarer Premiumware.
Weniger deutsche Importe, mehr Exporte in erster Saisonhälfte
Deutschland importierte laut AMI (Basis: Destatis) im Zeitraum August bis Mai 2025/26 deutlich weniger Äpfel aus EU-Ländern als im Vorjahreszeitraum: Die Gesamtmenge sank von 480.000 t auf 355.000 t, wobei die Einfuhren aus Polen (von 80.400 t auf 26.400 t) und Italien (von 228.400 t auf 170.900 t) besonders stark zurückgingen. Gleichzeitig verzeichneten die EU-Exporte in Drittländer laut AMI-Daten ein Plus, vor allem in der ersten Saisonhälfte. Bei den Exportzielen innerhalb der EU habe insbesondere Frankreich zugelegt (+19 %, 38.070 t), während Spanien mit einem Importanteil von 4 % (167.600 t) genannt wird.
Auf mehreren wichtigen Drittlandsmärkten hätten sich die Marktanteile 2025/26 gegenüber dem Vorjahr laut AMI/TDM-Daten verschoben. In Ägypten sei der polnische Anteil von 43 % auf 26 % gesunken, während Anteile aus Syrien und dem Libanon zulegten. Auf dem indischen Markt sei der US-amerikanische Anteil von 6 % auf 57 % gesprungen, während der iranische Anteil von 21 % auf 7 % einbrach. In Brasilien habe Chile seinen Anteil von 27 % auf 41 % ausgebaut, während Italien von 36 % auf 7 % zurückfiel.
Ausblick: Verhaltener Start, Entspannung später möglich
Die Saison starte unter Druck durch hohe Altbestände, einen früheren Start der italienischen Saison und schwache Preise in Mitteleuropa; gleichzeitig sinke das marktfähige Angebot durch Trockenschäden und eine kleinere Ernte; im weiteren Saisonverlauf könnten jedoch sinkende Lagerbestände und eine begrenzte Verfügbarkeit von Premiumware die Preise stützen. Insgesamt bleibe laut AMI vieles von der Witterung der kommenden Wochen abhängig, eine endgültige Einschätzung sei aktuell noch nicht möglich.