2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Wie Wasabi – nur ungenießbar

Tropaeolum tuberosum, auch Mashua genannt, klingt zunächst wie das perfekte Superfood: Die in den Anden beheimatete Knolle aus der Familie der Kapuzinerkresse ist nährstoffreicher als Kartoffeln, sehr ertragreich, krankheitsresistent, UV-tolerant, reich an Protein, Vitamin C und Antioxidantien und besitzt eine ausgezeichnete Aminosäurenzusammensetzung. Sie wird seit langem in der traditionellen Medizin genutzt. Dennoch hat sie – zumindest bisher – einige Nachteile.

Dr. Pascal Hunziker stellt seine Forschung zur CRISPR-Geneditierung an bisher wenig beachteten Kulturpflanzen wie Mashua vor.
Dr. Pascal Hunziker stellt seine Forschung zur CRISPR-Geneditierung an bisher wenig beachteten Kulturpflanzen wie Mashua vor.
© Messe Berlin

Für den Anbau in Europa ist sie noch nicht optimal geeignet und geschmacklich im Grunde ungenießbar. Dr. Pascal Hunziker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg, will beides mit Hilfe moderner Pflanzenzüchtung ändern. Wie genau, erläuterte er am Mittwochvormittag auf der Future Lab Stage der FRUIT LOGISTICA 2026 in einem Vortrag mit dem Titel: „Domestication on demand: CRISPR wird genutzt, um vernachlässigte Nutzpflanzen für ein sich wandelndes Klima zu entwickeln“.

Gerüstet für den Klimawandel

Weltweit gibt es laut Hunziker rund 12.000 Kulturpflanzenarten, die lokal angebaut und genutzt werden, bislang aber trotz ihres hohen Nährwerts und ihrer Klimarobustheit wenig Beachtung in Forschung und globalem Markt gefunden haben. Mashua ist eine davon – zumindest bisher. Mit seinem Team möchte der Biologe das ändern und anhand dieser Fallstudie auch die Genomtechnologie insgesamt voranbringen, um neue Nutzpflanzen zu entwickeln und ihr Potenzial für die globale Ernährungssicherheit zu erschließen.

Dazu setzt Hunziker auf DNA-freie CRISPR-Editierung, auch als „Gen-Schere“ bekannt – eine molekularbiologische Technik, mit der ein DNA-Strang an einer bestimmten Stelle geschnitten und gezielt verändert werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Domestizierungsverfahren, die sehr lange dauern, ist diese Form der Geneditierung schnell und präzise, nahezu maßgeschneidert und mit kaum Mutationen verbunden. „So lassen sich die entscheidenden Eigenschaften in kurzen Entwicklungszyklen identifizieren und verbessern“, erklärte der Forscher. Bereits bei Wildtomaten wurde diese Methode erfolgreich angewendet.

Wie Wasabi – nur ungenießbar

Die Ziele der Geneditierung sind zweigeteilt. Zum einen ist die Mashua-Pflanze derzeit auf kurze Tage angewiesen, um Knollen zu bilden. In Europa wäre dies erst Ende Oktober möglich, was das Risiko von Frostschäden deutlich erhöht. Ziel ist es daher, die Pflanze auch außerhalb der Anden anbaubar zu machen.

Zum anderen „hat Mashua leider einen ziemlich unangenehmen, sehr eigenartigen Geschmack. Sie ist sehr bitter und erinnert an Wasabi – allerdings ohne dessen gute Seiten“, so Hunziker. Auch wenn die CRISPR-Methode schnell und erfolgreich ist, wird es noch einige Zeit dauern, bis Mashua-Knollen in unseren Supermärkten erhältlich sind. „Der Markt müsste erst noch geschaffen werden“, sagte der Experte.
 

  • Fruit Logistica
  • Forschung
  • Züchtung