von Daphne Schmidt 4 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Spanien: Spannungen auf internationalem Pistazienmarkt wegen Nah-Ost-Konflikt erwartet

Víridi Horizons (Madrid), der spanische vertikale Betreiber im Pistaziensektor, glaubt, dass es in den kommenden Monaten aufgrund des Konflikts im Nahen Osten zu erheblichen Spannungen auf dem Weltmarkt für dieses Produkt kommen könnte.

Pistazienernte
© Viridi Horizons

Seiner Meinung nach macht die hohe Exportabhängigkeit des Iran – eines der weltweit führenden Erzeugerländer – Pistazien zu einem besonders anfälligen Produkt für mögliche logistische, finanzielle oder kommerzielle Störungen, die sich aus der aktuellen geopolitischen Lage ergeben könnten.

Nach Schätzungen von Branchenverbänden und des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), so Víridi Horizons, produzierte der Iran im Wirtschaftsjahr 2024/25 rund 225.000 t Pistazien wovon er ca. 212.000 t exportierte, was etwa 94 % der Gesamtmenge entspricht. Es handelt sich daher um einen strukturellen Exporteur, dessen Stabilität von der Fluidität der Handelswege und Normalität der Transport-, Versicherungs- und internationalen Finanzierungssysteme abhängt. Im Gegensatz zu anderen Agrarmärkten mit größerer inländischer Abnahme beruht das Gleichgewicht des iranischen Sektors im Wesentlichen auf seiner Fähigkeit, das Produkt im Ausland zu platzieren.

Die geografische Verteilung dieser Exporte zeigt laut denselben Quellen eine starke Ausrichtung auf Asien und Reexportmärkte. Etwa 27 % des Volumens werden über internationale Handelszentren abgewickelt, 19 % gehen in den Fernen Osten, 17 % auf den indischen Subkontinent, 18 % in die GUS-Staaten  und 11 % in den Nahen Osten. Die Europäische Union nimmt etwa 6 % der Gesamtmenge ab. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass jährlich mehr als 40.000 t in den Fernen Osten und etwa 36.000 t auf den indischen Markt gelangen, während etwa 57.000 t  über Handelsumschlagplätze laufen.

„Wenn ein Land mehr als 90 % seiner Produktion exportiert, hat jede Störung der Handelswege unmittelbare Auswirkungen auf das international verfügbare Angebot“, erklärte Ignacio Soler de la Azuela, technischer Direktor von Víridi Horizons. „Wenn der Konflikt zu Verzögerungen, Verteuerungen im Transportwesen oder Schwierigkeiten bei maritimen Versicherungen führt, wird sich die Anpassung schnell auf den Großhandelsmarkt übertragen. Der schrittweise Eintritt großer Konsumenten wie China und Indien hat die weltweit verfügbare Marge verringert, während die wichtigsten Erzeugerländer aufgrund klimatischer Faktoren und schrittweisem Produktionseintritt neuer Plantagen nur ein moderates Wachstum verzeichnen. In diesem Zusammenhang könnte eine vorübergehende Verringerung der iranischen Exporte – selbst wenn sie nur auf logistische Verzögerungen zurückzuführen ist – zu Preissteigerungen und einem verstärkten Wettbewerb um das am Ursprungsort verfügbare Produkt führen“, führte er weiter aus.

Chance für Spanien

Seiner Meinung nach könnte dieses Szenario Spanien eine strategische Chance eröffnen. Die nationale Produktion liegt derzeit zwischen 6.000 t und 8.000 t pro Jahr, was etwa 1 % der weltweiten Gesamtproduktion entspricht, aber der Produktionseintritt neuer Plantagen wird laut Prognosen von Víridi Horizons voraussichtlich zu einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung dieses Volumens bis 2026 führen, auf geschätzte 16.000 t bis 20.000 t. Und obwohl Spanien in Bezug auf das Volumen nicht mit den großen internationalen Akteuren konkurriert, basiert seine differenzierte Positionierung auf der organoleptischen Qualität, der Rückverfolgbarkeit und den europäischen Regulierungsstandards.

„Die Strategie des spanischen Pistaziensektors besteht nicht darin, große internationale Mengen zu ersetzen, sondern ein Angebot mit hoher Wertschöpfung auf dem europäischen Markt zu konsolidieren”, erklärt I. Soler de la Azuela und fügt hinzu: „In einem Kontext geopolitischer Unsicherheit gewinnen Nähe, gesetzliche Stabilität und Lebensmittelsicherheit bei den Kaufentscheidungen der Industrie noch mehr an Bedeutung.”

Europa verzeichnet eine geschätzte Nachfrage von 150.000 t bis 200.000 t Pistazien pro Jahr, was den Kontinent zu einem wichtigen Markt mit Wachstumspotenzial macht. Derzeit werden nur etwa 10 % des weltweiten Volumens für die industrielle Verarbeitung verwendet, ein Segment, in dem das spanische Produkt beginnt, eine Premium-Position zu festigen.

Víridi Horizons geht davon aus, dass der Markt die Entwicklung des Konflikts und dessen Auswirkungen auf die internationalen Logistikketten weiterhin aufmerksam verfolgen wird. „Wir sprechen nicht unbedingt von einer Verknappung, aber von einer möglichen Verteuerung und einer höheren Volatilität in den kommenden Monaten“, sagt Soler de la Azuela. „In diesem Szenario können europäische Produzenten ihre Präsenz in einem Markt stärken, der Qualität, Stabilität und Rückverfolgbarkeit verlangt“, sagte der technischer Direktor von Víridi Horizons abschließend.

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