„Die Zahl der Äpfel an den Bäumen ist ausreichend, die Früchte sind derzeit jedoch noch sehr klein“, erklärt VdF-Geschäftsführer Klaus Heitlinger. „Schon ein Zentimeter mehr Durchmesser kann die Erntemenge deutlich erhöhen. Deshalb kommt es jetzt auf Regen an. Bleiben die Niederschläge aus, wachsen die Äpfel nicht weiter und können vorzeitig von den Bäumen abgeworfen werden.“ Nach Angaben des VdF werden die kommenden zwei Wochen für die weitere Entwicklung der Ernte entscheidend sein. Der Verband verweist darauf, dass sich Ernteprognosen im Saisonverlauf je nach Witterung sowohl nach oben als auch nach unten entwickeln können.
Regionale Unterschiede erwartet
Nach Angaben des Verbands unterliegen Streuobsternten starken jährlichen Schwankungen. Als Ursache nennt der VdF unter anderem die Alternanz, also den Wechsel zwischen ertragreicheren und ertragsschwächeren Jahren. Zudem könnten regionale Niederschläge in den kommenden Wochen dazu führen, dass die tatsächlichen Erntemengen lokal deutlich von der bundesweiten Prognose abweichen.
Rückläufiges Ertragspotenzial
Der VdF sieht das Ertragspotenzial vieler Streuobstbestände in Deutschland seit mehreren Jahren rückläufig. Während für 2018 noch eine Ernte von mehr als 1 Mio t prognostiziert worden sei, hätten insbesondere die trockenen Sommer der Jahre 2019 bis 2023 die Bestände belastet. Als weitere Faktoren nennt der Verband eine unzureichende Wasserversorgung sowie das hohe Alter vieler Streuobstbäume. Ein großer Teil der Bestände sei älter als 80 Jahre und erreiche zunehmend das Ende seiner natürlichen Lebensdauer.
Bedeutung für Biodiversität
Der Verband hebt zudem die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen hervor. „Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden auf Streuobstwiesen einen Lebensraum. Zugleich steht die Vielfalt der angebauten Obstarten für besondere Geschmacksprofile, die von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern geschätzt werden“, sagt Heitlinger. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Überalterung vieler Bestände setzt sich der VdF nach eigenen Angaben für den Erhalt des Streuobstanbaus ein. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem Pflanzaktionen sowie Aufpreismodelle, die höhere Erzeugerpreise für Streuobst ermöglichen sollen.
Ernteschätzung mit Augenmaß
Für seine Prognose nutzt der VdF seit 32 Jahren die sogenannte Kelterapfel-Behangdichtenschätzung. Das Verfahren wurde am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee entwickelt. Dabei erfassen ehrenamtliche Schätzer mithilfe eines Spezialfernrohrs den Apfelbehang an ausgewählten Bäumen. Aus den erhobenen Daten wird anhand eines standardisierten Berechnungsverfahrens eine bundesweite Ernteprognose abgeleitet. Nach Angaben des Verbands beteiligen sich in diesem Jahr 45 ehrenamtliche Schätzer an der Erhebung.