Was einst ein kleiner, spezialisierter Sektor war, ist heute ein schnell wachsender Industriezweig – getragen von Innovationen, neuen Marktchancen und gezielten Investitionen. Aktuelle Brancheneinblicke zeigen gemäß Hortgro nicht nur, wie rasant sich die Branche entwickelt hat, sondern auch, wohin die Reise geht. Die Kirschanbauflächen sind von lediglich 185 ha im Jahr 2012 auf beeindruckende 819 ha im Jahr 2024 angewachsen. „Dieses starke Wachstum spiegelt die Denkweise südafrikanischer Produzenten von Stein- und Kernobst wider, die kontinuierlich nach Möglichkeiten suchen, ihre Produktion zu optimieren und ihr Angebot zu diversifizieren. Kirschen gelten dabei als besonders attraktiv: Sie versprechen hohe Erträge – gehen jedoch mit erhöhten Risiken einher“, so Hortgro.
Ein entscheidender Wachstumstreiber war die Entwicklung von Kirschsorten mit geringem Kältebedarf. Während traditionelle Sorten mehr als 800 Kältestunden unter 7 °C benötigen und damit auf kältere Regionen beschränkt sind, kommen neue Züchtungen mit nur rund 350 Kälteeinheiten aus. Dadurch wurde der Anbau erstmals auch in wärmeren Regionen möglich, ein Umbruch, der die geografische Struktur der Branche grundlegend verändert hat. Das Zentrum der südafrikanischen Kirschproduktion liegt weiterhin in der Westkap-Provinz, auf die 61 % der gesamten Anpflanzungen entfallen. Diese Dominanz ist vor allem den günstigen klimatischen Bedingungen geschuldet, wobei sich der Anbau innerhalb der Provinz auf bestimmte Mikroregionen konzentriert. Gleichzeitig gewinnen andere Landesteile an Bedeutung: Gauteng und die Nordwest-Provinz vereinen inzwischen 28 % der gesamten Anbaufläche auf sich und unterstreichen damit die zunehmende nationale Ausdehnung der Branche.
Trotz steigender Produktionsmengen bleibt der heimische Markt derweil noch der wichtigste Absatzkanal. In den vergangenen zehn Jahren wurden rund 60 % der südafrikanischen Kirschen im Inland konsumiert. Die hohe Verderblichkeit der Früchte sowie der geringe Anteil Südafrikas am globalen Exportmarkt stärken weiterhin die Bedeutung des lokalen Absatzes. Gleichzeitig gewinnen Exporte zunehmend an Dynamik. Verbesserte Sorten und höhere Produktionsvolumina haben dazu geführt, dass in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 37 % der Ernte exportiert wurden. Das südafrikanische Exportfenster reicht von Kalenderwoche 40 bis 52, mit einem Höhepunkt zwischen Woche 46 und 48. Um Frische und Marktwert zu sichern, werden rund 70 % der Exportmengen per Luftfracht transportiert.