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Roboter halten Einzug in den Freilandgartenbau

Freilandgärtner zeigen aus verschiedenen Gründen Interesse an Robotisierung und Präzisionsgartenbau. Das wurde während des Teilnehmertags der Nationale Proeftuin Precisie Landbouw (NPPL) deutlich. So gibt es neben dem Spargelroboter auch einen Brokkoli-Ernte-Roboter.

Spargelroboter im Einsatz
© NPPL

Die meisten Entwicklungen im Bereich Präzisionsanbau und autonom fahrende Werkzeugsysteme konzentrierten sich bisher vor allem auf großflächigen Ackerbau, wie z.B. den Anbau von Zwiebeln und Karotten, so NPPL. Freilandgemüse fand weniger Beachtung. Es gibt nur sehr wenige Roboterentwicklungen in diesem Bereich, und es gibt noch wenig kommerzielle Umsetzung. 

Im Freiland gibt es zwar Mechanisierung (wie Erntebänder und Arbeitsplattformen), aber weniger Robotikanwendungen. Dabei scheinen sich einige Investitionen in diesem Teilsektor oft schneller zu amortisieren. Der Freilandgemüseanbau im Agrarsektor ist nämlich relativ arbeitsintensiv und zeichnet sich durch einen höheren Umsatz und eine höhere Marge pro Hektar aus. Und da oft mehrere Pflanzungen pro Jahr erfolgen, können Roboter mehr Betriebsstunden leisten. Viele Tätigkeiten im Freilandanbau entfallen auf die Ernte und Verarbeitung, sodass dort die Robotisierung den größten Nutzen bringt. Ein AgXeed-Roboter, der selbstständig pflügen und weitere Bodenbearbeitungen durchführen kann, sei für Freilandgemüsebauern bspw. wenig interessant. Automatische Pflanzmaschinen, optische Sortierer und Verpackungsmaschinen hingegen umso mehr.

Eine Umfrage des NPPL habe ergeben, dass Landwirte und Zulieferer im Freilandanbau Interesse daran haben, an einem NPPL-Projekt teilzunehmen. Dabei werden Landwirte, die mit einem Problem in ihrem Anbau konfrontiert sind, konkret bei der Anwendung von Robotertechniken unterstützt, die zwar als marktreif präsentiert werden, für deren Einsatz jedoch zusätzliche Unterstützung erforderlich ist, um sie mit Zuversicht einsetzen zu können. Auf die Ausschreibung zur Teilnahme an den NPPL-Untersuchungen im Zeitraum 2020-2026 gingen 14 Bewerbungen ein. Der Agrarrobotik-Forscher Toon Tielen von der WUR sieht dabei eine große Vielfalt an Kulturen, Spezialisierungen und Größenordnungen. Von 1,4 ha bis 600 ha, sowohl konventionell als auch biologisch.

Ein dringendes Problem, das sich aus den Umfragen ergibt, sei die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Daher bestehe u.a. Bedarf an autonom gesteuerten Arbeitsgeräten. Für traditionelle Anbauarbeiten, aber sicherlich auch für langsamere zusätzliche Arbeiten wie UV-C-Anwendungen gegen Pilze. Ein schrumpfendes Angebot an Pflanzenschutzmitteln fördere zudem die Suche nach alternativen Methoden zur Unkrautbekämpfung, wie z.B. Laser-Unkrautvernichter. Dies biete sicherlich Chancen für nicht vollflächig gesäte Kulturen, bei denen autonom mechanisch zwischen den Pflanzen gejätet werden kann. Darüber hinaus sei technische Unterstützung bei der Anbauoptimierung wünschenswert, bspw. durch bedarfsabhängige, ortsspezifische Düngung innerhalb einer Parzelle.

Ein Beispiel für ein abgeschlossenes NPPL+R-Horticulture-Projekt sei der Spargelernteroboter, der mit einer Fahrgeschwindigkeit von 3,5 km/h selbstständig Spargel aus dem Boden fische. Bei den unabhängigen Messungen zu Beginn des Tages benötige er nur ein Drittel des Personals im Vergleich zu der Leistung, die menschliche Spargelstecher erbringen. Es sei jedoch zu erwarten, dass dieser Vorteil am Ende des Tages noch viel größer sein wird, wenn der Roboter weiterhin mit der gleichen Geschwindigkeit und Genauigkeit erntet. Die geerntete Qualität entspricht der manuellen Ernte. Je mehr Stangen pro Laufmeter geerntet werden, desto schneller amortisiert sich der Roboter. Eine der Lehren aus diesem Projekt sei, dass eine unabhängige Validierung der Roboterleistung dem Erzeuger Einblick und Vertrauen biete. Darüber hinaus zeige sich, dass eine Zusammenarbeit zwischen Forschung, Erzeuger und Zulieferer notwendig sei, um die Robotertechnik selbst besser in den gesamten Betriebsablauf zu integrieren. Das Geben von Feedback (mit zusätzlichen Sensoren) über die Teilleistungen hilft dem Bediener, sich ständig ein Bild davon zu machen, ob die Maschine noch störungsfrei und ausreichend effektiv arbeitet. 

In den Plänen für 2026 sei ein NPPL-Projekt beim Brokkoli-Anbaubetrieb Laan in Andijk vorgesehen, bei dem ein Brokkoli-Ernte-Roboter von Cythe/AHS Europe getestet werden soll. Teun Laan: „Aufgrund der schwierigen Verfügbarkeit von Arbeitskräften, der Arbeitsgesetzgebung und der Motivation der Mitarbeiter konzentrieren wir uns schon seit längerem stark auf die Robotisierung.“ In dem Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern in den Niederlanden und Spanien ist Arbeit ein wichtiges Thema. Der Ernte-Roboter wurde bereits angeschafft. „Viele Brokkoli-Betriebe sind noch sehr vorsichtig und zurückhaltend, da die Maschine noch nicht perfekt ist. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen werden.“ Rund um den Ernte-Roboter gibt es verschiedene Fragen. So betrachte der Lieferant bspw. nur die Ernteleistung pro Stunde. Der Erzeuger würde jedoch gerne viel mehr zusätzliche Informationen haben. Laan: „Wie groß ist bspw. der Brokkoli, den er nicht erntet? Und wie wirkt sich das voraussichtlich auf die nächste Ernte aus?“

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