Zum Glück gibt es aber durchaus auch Positives zu berichten, wie Richard Schouten, Direktor Fresh Produce Centre, gegenüber dem Fruchthandel Magazin betont. Im Interview erklärt er ausführlich, wo und warum er Schwachstellen, aber durchaus Grund für Optimismus, sieht.
Wie schätzen Sie das Jahr 2025 ein und was erwarten Sie für 2026?
Aus politischer Sicht war 2025 ein komplexes und bisweilen verwirrendes Jahr. In mehreren Ländern, darunter die Niederlande und Deutschland, fanden Wahlen statt, was zu spürbaren Verschiebungen der politischen Prioritäten und Schwerpunkte geführt hat. Mit Blick auf das Jahr 2026 wird die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und im Gartenbau weiterhin von großer Bedeutung sein. Allerdings wurden die Ziele innerhalb dieser Agenda neu priorisiert. Ein deutliches Beispiel dafür ist die Verwässerung bestimmter Ziele innerhalb des Europäischen Grünen Deals. Die Marktentwicklungen im O+G-Sektor waren im Allgemeinen positiv, was sich auch in den Jahresergebnissen widerspiegelt. Dennoch besteht weiterhin ein erheblicher Preisdruck seitens des Einzelhandels. Niedrigere Preise in Verbindung mit immer strengeren Nachhaltigkeitsanforderungen sind schwer zu vereinbaren. Insgesamt bleiben die Erwartungen für den O+G-Sektor 2026 positiv. Sowohl bei den Verbrauchern als auch, was besonders wichtig ist, bei den politischen Entscheidungsträgern herrscht eine weitgehend positive Einstellung gegenüber der Förderung des O+G-Konsums. Aus handelspolitischer Sicht wird es jedoch unerlässlich sein, mit Vorsicht vorzugehen, um regulatorische Hindernisse und steigende Kosten abzumildern.
Wie haben sich Import und Export bei den Produkten entwickelt?
Die Niederlande spielen eine entscheidende Rolle als globaler Produzent und Vertreiber von O+G. Sowohl die Produktion als auch die Importe und Exporte stiegen weiter an, während der Inlandsverbrauch in den Niederlanden ebenfalls leicht zunahm. Die Importe von frischem O+G erreichten sowohl mengen- als auch wertmäßig einen neuen Rekord. Das Importvolumen stieg um 9 % auf 8,1 Mrd kg, mit einem Gesamtwert von 12,4 Mrd Euro (+11 %). Mehr als drei Viertel dieser Importe bestehen aus frischem Obst. Die Exporte gingen hauptsächlich in nahegelegene Märkte, wobei Deutschland (34 %), Belgien (9 %) und das Vereinigte Königreich (8 %) die wichtigsten Zielmärkte waren. Aus den Niederlanden stieg der Absatz nach Deutschland um 7 % auf 3,2 Mrd kg. Der Exportwert nach Deutschland stieg um mehr als 600 Mio Euro auf 6,1 Mrd Euro, was einen starken Anstieg darstellt, aber auch bei Produkten wie Trauben, Avocados, Gurken und Paprika war ein Anstieg zu verzeichnen. Insgesamt haben die Niederlande ihre Rolle als wichtiger Lieferant für den deutschen Markt im Jahr 2025 weiter gestärkt. Wir sehen eine wachsende Entwicklung beim Absatz von Produkten wie Erdbeeren. Dank innovativer Gewächshausanbaumethoden ist es möglich, Produkte für einen Großteil des Jahres mit einem deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck zu liefern. Dies ist für den Einzelhandel attraktiv, da es eine konstante Versorgung und eine gleichbleibende Produktqualität gewährleistet.
Lesen Sie mehr im Niederlande-Thema der Ausgabe 4-2025 des Fruchthandel Magazins.