In der Schweiz gehen jedes Jahr rund 37 % der essbaren Lebensmittel verloren. Deshalb verabschiedete der Bundesrat im April 2022 den Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung, um die Verluste bis 2030 zu halbieren.
Die größten Mengen vermeidbarer Lebensmittelverluste fallen bei Gemüse und Kartoffeln an, nämlich 104,3 kg pro Person und Jahr. Aufgrund dieser Mengen verursache diese Produktgruppe die zweithöchste Umweltbelastung aller Lebensmittelverluste. Ein Drittel dieser Verluste fällt in der Primärproduktion an, z.B. durch Aussortieren von Gemüse, das Größennormen nicht erfüllt. Zur Quantifizierung dieser Mengen gibt es momentan eine Datenlücke. Es wäre jedoch wichtig, diese Verluste verlässlich zu erfassen, um ein vollständiges Bild der entstehenden Verluste zu erhalten und Reduktionsmaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erarbeiten.
Das Ziel dieser Studie ist es, bestehende wissenschaftliche Studien zu Lebensmittelverlusten in der Primärproduktion von Gemüse zu vergleichen und daraus Ansätze für ein Monitoringsystem zur Erfassung dieser Verluste in der Schweiz abzuleiten.
Lebensmittelverluste verstehen: Studienvergleich und Monitoring-Ansätze
Für diese Analyse wurden Studien in der Datenbank für wissenschaftliche PublikationenScopus gesucht und eingeschlossen, wenn sie folgende Kriterien erfüllten:
- Veröffentlichung nach 2015
- Untersuchen von Verlusten in Europa, Nordamerika oder Ozeanien
- sowie einen Peer-Review Prozess durchliefen.
Der Fokus lag auf Studien zu Tomaten, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Salaten. Diese Kulturen wurden gewählt, da sie unterschiedliche Anbaumethoden (Freiland und Gewächshaus) sowie Kulturtypen (Lager- und Fruchtgemüse) abdecken und zu den meistangebauten Gemüsesorten in der Schweiz gehören. Zehn Studien erfüllten die Kriterien, wurden analysiert und miteinander verglichen.
Große Unterschiede in Erfassung von Lebensmittelverlusten
Die selektierten Studien verwenden Lebensmittelverlust-Definitionen von unterschiedlichen Institutionen. Die Unterschiede betreffen vor allem:
- ob Weiterverwendung des Materials (z.B. als Tierfutter) berücksichtigt wird,
- ob nicht essbare Teile (z.B. Schalen) einbezogen werden,
- und ob zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Verlusten unterschieden wird.
Diese Definitionen beeinflussen die Quantifizierung erheblich, da das Ein- oder Ausschließen bestimmter Materialien die Verlustrate entsprechend höher oder niedriger erscheinen lässt.
Zudem nutzen die Studien unterschiedliche Messmethoden. Einige erfassen Verluste direkt, durch Wiegen oder Zählen, andere schätzen die Mengen durch Interviews oder Umfragen. Diese Methoden führen zu Daten in verschiedenen Einheiten und mit unterschiedlichen Unsicherheiten.
Letztlich erfassen die Studien unterschiedliche Gründe für Verluste. Manche betrachten die Gesamtverluste der Betriebe, andere nur vermeidbare oder es werden konkrete Verlustgründe untersucht z.B. Gemüse, das nicht geerntet wurde. Die gemessenen Verluste in den Studien sind somit nicht miteinander vergleichbar.