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Global Coalition of Fresh Produce: Resilienz in unvorhersehbaren Zeiten aufbauen

Auch 2026 sieht sich die Frischwarenbranche weiterhin mit systemischen Schwankungen konfrontiert: sich verändernde Handelsströme, geopolitische Ereignisse und unvorhersehbare regulatorische Rahmenbedingungen.

Regenbogen aus Obst und Gemüse
© Viktar Malyshchyts/AdobeStock

In KW 4 versammelte die Global Coalition of Fresh Produce Branchenführer zusammen, um zu erörtern, wie sich diese Belastungen auf Versandkosten, Kapazitäten, Zuverlässigkeit und die Unversehrtheit verderblicher Güter auswirken. Moderiert von Steve Alaerts (Foodcareplus, Belgien, und Vorsitzender des Supply Chain Council bei der IFPA, der International Fresh Produce Association) verlief die Diskussion nahtlos von „Vor welchen Herausforderungen stehen wir heute?“ über „Wie würde ein widerstandsfähiges Modell für die Frischwarenlogistik aussehen?“ bis hin zu „Was können wir konkret tun, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen?“

Greg Palmer, Vizepräsident für Handel und Marktentwicklung bei der Canadian Produce Marketing Association (CPMA) und Vorsitzender der Global Coalition of Fresh Produce, hob drei häufige Störfaktoren in der Lieferkette hervor: zunehmende Transportverzögerungen, volatile Einfuhrzollstrukturen und zunehmende Cyberkriminalität. Laut Palmer sind für Spediteure weltweit heute vor allem digitale Rückverfolgbarkeit und Transparenz wichtig; darüber hinaus besteht ein dringender Bedarf, sowohl die Kapazität als auch die Geschwindigkeit der weltweiten Schifffahrtswege zu verbessern.

Werner van Rooyen, COO des Fresh Produce Exporters' Forum (FPEF) in Südafrika und Leiter der Arbeitsgruppe für Logistik der Southern Hemisphere Fruit Alliance (SFA), forderte mehr Transparenz und
Vorhersehbarkeit im Umgang zwischen allen Akteuren der Logistikkette. Van Rooyen sagte, dass klare und stabile Preise, Vertragsbedingungen und Leistungsbedingungen eine Voraussetzung für nachhaltige, widerstandsfähige Lieferketten seien. Ein weiteres wichtiges Element, das Van Rooyen vorschlug, ist die Priorisierung von Frischprodukten: Obst und Gemüse sind leicht verderbliche Produkte und sollten bei Versand, Umschlag, Hafentransit und Zollabfertigung Vorrang vor nicht verderblichen Gütern haben.

Tineke van de Voorde, Key Account Manager Shippers & Forwarders im Hafen von Antwerpen-Brügge, lenkte den Fokus auf die entscheidende Rolle der Hafenbehörden als „Verbindungsglieder” zwischen den Akteuren in der Lieferkette. Van de Voorde rief in ihrer Kernbotschaft zum Handeln auf: Die Zusammenarbeit entlang der gesamten Kette kann dazu beitragen, große Herausforderungen zu bewältigen. So erfordert beispielsweise die Überlastung der Häfen, dass die Hafenbehörden eine wichtige Rolle bei der Erleichterung des Informationsflusses zwischen den Betreibern spielen.

Dirk Hoffmann, Reefer Manager bei DP World, warnte das Publikum eindringlich: Der Klimawandel ist nicht etwas, das irgendwann einmal passieren wird – er findet bereits statt. Die Frischwarenbranche muss dringend innovative Lösungen entwickeln, um ihren logistischen Fußabdruck zu verringern. Hoffmann nannte ein konkretes Beispiel: Der neu eingeführte DP World Atlas, der Marokko mit Belgien und dem Vereinigten Königreich verbindet, verlagert bis zu 150.000 t Produkte vom Straßen- auf den Seetransport und reduziert so die CO2-Emissionen um etwa 70 %.

Alexis Taylor, Chief Global Policy Officer bei der International Fresh Produce Association (IFPA), schloss den Kreis, indem er Branchenorganisationen einbezog. Nach Taylors Ansicht können diese Gruppen dazu beitragen, die Vision widerstandsfähiger Logistikketten in die Realität umzusetzen, indem sie gemeinsame bewährte Verfahren entwickeln und fördern: Standards, Instrumente und Verhaltensweisen, die Transparenz, Effizienz und Fairness in der gesamten Lieferkette fördern. Ein Paradebeispiel ist die „Supply Chain of the Future” der IFPA, die funktionale Lösungen anbietet, die dafür sorgen sollen, dass frische Produkte nahtlos vom Erzeuger zum Verbraucher gelangen.

Alaerts knüpfte an die einleitende Frage an: Welche konkreten Maßnahmen können wir ergreifen, um die Vision von widerstandsfähigen und effizienten Lieferketten zu verwirklichen? Ein Schlüsselelement, das in allen Beiträgen zum Ausdruck kam, war die Notwendigkeit eines grundlegenden Rahmens – einer Reihe gemeinsamer Werte, Prinzipien oder Leitlinien, die das Verhalten untermauern, leiten und unterstützen.

Unter Wahrung der zentralen Grundsätze der Zusammenarbeit, Transparenz und Fairness würde dieses grundlegende Rahmenwerk Silos aufbrechen, ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache bieten und Maßnahmen auf das gemeinsame Ziel effizienter und widerstandsfähiger globaler
Logistikketten ausrichten, die hochwertige Frischprodukte vom Erzeuger zum Verbraucher bringen, mit weniger Abfall und fairen Entgelten für alle. Alaerts Schlusswort war eine Einladung an alle, die an der Logistik für Frischprodukte beteiligt sind, sich zusammenzuschließen und gemeinsam eine Reihe grundlegender Werte zu formulieren, um globale Lieferketten zu verankern und zu transformieren.

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