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FRUIT LOGISTICA: Experten diskutieren über Zertifikatsdschungel

Steht der Green Deal der Europäischen Union noch auf der Agenda oder nicht? Das sei schwer zu sagen, meint Richard Schouten. Für Landwirte bedeute das jedoch keineswegs, dass Nachhaltigkeit vom Tisch sei, betonte der Geschäftsführer des Fresh Produce Centre The Netherlands, das rund 250 Unternehmen aus dem niederländischen Obst- und Gemüsesektor vertritt. Zusammen stehen sie für etwa 80 % des Branchenumsatzes.

Porträt Richard Schouten
Richard Schouten
© GroentenFruit Huis

„Unsere Produkte sind einzigartig in ihrer Kombination aus gesunder Ernährung und niedrigem CO₂-Fußabdruck“, sagte Schouten beim Fresh Produce Forum der FRUIT LOGISTICA 2026. „Aber sie haben dennoch einen Fußabdruck – und deshalb müssen wir weiter an unserer Nachhaltigkeit arbeiten.“ Dies gelte umso mehr, da Einzelhändler, Banken und Investoren zunehmend Nachweise über eine nachhaltige Produktion von Obst und Gemüse forderten. In der Folge sei ein unübersichtlicher Dschungel an Zertifikaten entstanden, dessen Zahl rasant wachse. Inzwischen gebe es mehr als 300 Nachhaltigkeitsstandards – „und der arme Produzent steht mitten im Chaos“.

One-Stop-Shop für Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit

Das sei für Erzeuger teuer, für Verbraucher unverständlich und insgesamt ineffizient, so Schouten: „Wir brauchen nicht mehr Zertifikate, sondern weniger.“ Das Fresh Produce Centre habe sich daher zum Ziel gesetzt, einen One-Stop-Shop als Nachweis für Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung der Produzenten zu etablieren. Dazu sollten sich Erzeuger und Einzelhandel gemeinsam an einen Tisch setzen, um einheitliche Ziele zu definieren. Als objektives Messinstrument hat das Centre eigene PEFCR-Regeln (Product Environmental Footprint Category Rules) entwickelt, die den gesamten Lebenszyklus der Produkte – von der Erzeugung bis zum Handel – abbilden.

María López Hernández hingegen warb für ein neues Zertifikat – den Nachweis einer „legalen, effizienten und nachhaltigen Wassernutzung“, den ihr Unternehmen, die spanische Öko-Zertifizierungsstelle CAAE, eingeführt hat. „Der Umgang mit Wasser ist eine der größten globalen Herausforderungen“, erklärte López Hernández, Commercial Director bei CAAE. In Spanien entfallen beispielsweise rund 80 % des Trinkwasserverbrauchs auf die Landwirtschaft. Berichte über Wasserverschwendung oder -verschmutzung hätten Verbraucher zunehmend verärgert und teilweise resigniert. Das CAAE-Zertifikat solle Vertrauen zurückgewinnen und Produzenten dabei unterstützen, Wasser nachhaltig einzusetzen.

Ein Zertifikat für verantwortungsvollen Umgang mit Wasser

CAAE konzentriere sich dabei auf drei Kernpunkte, erläuterte López Hernández: Legalität, Nachhaltigkeit und Effizienz. Der wichtigste Aspekt sei aus ihrer Sicht die legale Nutzung von Flächen und Wasserressourcen. Für eine Zertifizierung prüfe CAAE unter anderem Einzugsgebiete, den Wasserverbrauch mithilfe von Durchflussmessern sowie den Zustand von Bewässerungsbecken.

Um mehr Nachhaltigkeit im Wassermanagement zu fördern, führe CAAE zudem Wasser-Risikoanalysen durch, überwache Pufferzonen entlang von Gewässern und unterstütze Betriebe mit Foren zu Wasserfragen sowie Schulungen zur sachgerechten Lagerung von Düngemitteln. Im Bereich Effizienz verlangt die Zertifizierungsstelle unter anderem Wasseranalysen, kontinuierlich angepasste Bewässerungspläne, Risikomanagement und geschultes Personal.

Die Frage bleibt, ob Verbraucher tatsächlich bereit sein werden, für diesen Aufwand zu bezahlen, merkte ein Teilnehmer aus dem Publikum an. López Hernández räumte ein, dass hierfür viel Aufklärungsarbeit nötig sein werde. Für Konsumenten sei es oft schwierig, die Qualität von Produkten richtig einzuschätzen. „Wir müssen deutlich mehr Informationen bereitstellen“, betonte sie.

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