von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Frankreich: Kartoffelverband CNIPT warnt vor Überproduktion

Der Präsident des interprofessionellen Dachverbands der französischen Kartoffelwirtschaft CNIPT, Luc Chatelain, hat die Branche zu einer deutlichen Reduzierung der Anbauflächen aufgerufen. Mit seiner Forderung richtet er sich nicht nur an die französischen Erzeuger selbst, sondern auch an Saatgutunternehmen, Händler und Finanzpartner und warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Risiken einer Überproduktion.

Verschiedene Kartoffelsorten
© Stefan Zeitz

Chatelain betont, die Produzenten seien als „erstes Glied der Wertschöpfungskette“ in besonderer Verantwortung, insbesondere mit Blick auf die Anbauflächen und damit auf die erzeugten Mengen. Nach derzeitigem Stand der Kampagne sei klar, dass die Absatzmärkte sowohl im Inland als auch im Export und in der Industrie nicht in der Lage seien, die gesamte 2025 produzierte Menge aufzunehmen.

Der Kartoffelmarkt reguliert sich nur mit kostspieligen Folgen von allein

Vor diesem Hintergrund sieht der CNIPT-Präsident zwei mögliche Szenarien: entweder warte man, dass der Markt sich selbst reguliere, oder entscheide sich für eine bewusste Begrenzung der Anbauflächen. Die Marktregulierung würde nach seinen Angaben Verluste von 8.000 bis 10.000 Euro je Hektar für Flächen bedeuten, deren Kartoffeln keinen Absatz fänden, sowie eine nachhaltige Schwächung bestehender und bereits jetzt schon fragiler Vertragsbeziehungen. Diese Option sei aus seiner Sicht nicht zielführend. Stattdessen könne nur ein Angebot, das mit der Nachfrage im Einklang stehe, „Wertschöpfung in der Branche wiederherstellen“.

Die Anbauflächen seien innerhalb von zwei Jahren deutlich ausgeweitet worden und hätten 2025 nahezu 200.000 ha erreicht. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 43,5 t/ha habe dies bereits zu erheblichen Vermarktungsschwierigkeiten geführt. Ein noch höherer Durchschnittsertrag – wie etwa 48 t/ha im Jahr 2014 – hätte die nationale Produktionsmenge weiter deutlich steigen lassen. Diese Entwicklung betreffe nicht nur Frankreich, erwähnt Chatelain.

Weiteres Wachstum wird herausfordernd

Für die Kampagne 2026/27 zeichnet Chatelain ein noch schwierigeres Bild. Die Industrieverträge gingen sowohl preislich als auch mengenmäßig deutlich zurück, während der freie Markt an Bedeutung gewinne. Der französische Markt sei weitgehend gesättigt und biete kaum Wachstumsperspektiven. Zwar habe sich der Export in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, bleibe jedoch fragil. Zudem arbeiteten Verarbeitungsbetriebe nicht unter Volllast; weniger wettbewerbsfähige Standorte würden geschlossen, Investitionsprojekte verschoben oder reduziert.

Kollektive Verantwortung von der Pflanzung bis zur Beratung

„Machen wir uns nichts vor: Noch ist genügend Zeit, um Fruchtfolgen anzupassen. Ich weiß, ein Hektar Sommergetreide oder Mais versprechen keine außergewöhnlichen Erlöse. Ich weiß aber auch, dass jeder zusätzliche Hektar Kartoffeln ohne gesicherten Absatz zwangsläufig zu erheblichen Verlusten und langfristigem Schaden für unsere Erzeuger führt“, wird der CNIPT-Präsident deutlich, und appelliert nicht nur an die Erzeuger, sondern an alle anderen Akteure der Branche, an Saatgutunternehmen, den Handel und Finanz- und Beratungsdienste. Auch sie hätten eine Verantwortung für den Fortbestand der französischen Kartoffelproduktion. Optimistische Aussagen à la „Die Natur wird das schon richten“, etwa durch extreme Wetterereignisse wie Dürre, Überschwemmungen oder Hagel, seien verantwortungslos. Man sei kollektiv dafür verantwortlich, die wirtschaftliche Stabilität der französischen Kartoffelbranche langfristig zu sichern. „Einen Hektar zu viel auszusäen bedeutet, sich definitiv zu verkalkulieren“, mahnt Luc Chatelain abschließend. 

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