Elbe-Obst: „Verpackungen müssen schützen – nicht nur ersetzen“
Welche Verpackungslösungen sich im Apfelbereich bewährt haben – und wo die Branche aktuell an ihre Grenzen stößt, erklärt Jens Anderson, Marketingleiter der Elbe-Obst Erzeugerorganisation. Im Interview geht es um kunststofffreie Schalen, KI-gestützte Sortierung, erste Effekte der PPWR und die Frage, welche Innovationen tatsächlich Fortschritt bringen.
Welche Verpackungslösungen setzen Sie aktuell im Apfelbereich ein – und wo haben Sie in den vergangenen Jahren bewusst umgestellt oder optimiert?
Elbe-Obst ist die größte deutsche Erzeugerorganisation und setzt im Bereich Kernobst auf maschinelle Verpackungslösungen bei gelegter Ware und bei SB-Gebinden. Eine wesentliche Änderung war in den 10er-Jahren die Einführung von Vollkartonschalen (z.B. Blitzmatic 4er-, 6er- und 8er-Schalen), die Elbe-Obst maßgeblich im deutschen LEH eingeführt hatte. Die Verpackung ist frei von Kunststoff, die Schale und der Deckel bestehen in der Regel aus dünner Wellpappe. Bewusst umgestellt und optimiert haben wir im Legesegment mit einem Legeroboter. Die Greifarme saugen den Apfel an und platzieren ihn mit der roten Seite nach oben in der Steige. Interessant sind die Optimierungen im Bereich der photooptischen Apfelsortierung. Die Schadstellenanalyse erfolgt seit einiger Zeit mit künstlicher Intelligenz. Außerdem haben wir zur Verringerung des Verpackungsmülls die Schichtstärke bei klassischen Apfeltragetaschen von damals 45µ auf heute 35µ nach umfangreichen Tests mit der Industrie und bei Kunden reduziert.
Welche Rolle spielen Verpackungen bei der Vermeidung von Food Waste im Apfelbereich – und sehen Sie hier aktuell eher Chancen oder zusätzliche Herausforderungen?
Verpackungen sollen u.a. den Apfel vor Druckstellen schützen. So kann bei empfindlichen Apfelsorten der Verzicht auf Verpackungen, deren Befüllung mit einer höheren Fallhöhe für den Apfel verbunden ist, u.U. Food Waste vermeiden. Eine weitere Funktion der Verpackungen kann die Erhaltung der Frische sein. Bei schnell verderblichen Früchten wie Kirschen werden seit Jahren sog. Klimabeutel verwendet, in denen sich eine Atmosphäre mit reduziertem Sauerstoffgehalt einstellt. Im Kernobstbereich kommt dieses Verfahren nicht zum Einsatz. Die Frische hängt bei Äpfeln allerdings mehr von der Kühlung als von der Verpackung ab.
Wie organisieren Sie Innovationsprozesse im Bereich Verpackung – und welche Rolle spielen dabei externe Partner?
Elbe-Obst führt regelmäßig Strategiemeetings mit den beteiligten Abteilungen durch, um Innovationsprojekte im Bereich Verpackung, Verpackungsmaterial und Packmaschinen anzustoßen. Derzeit wird an neuen Snack-Verpackungen für den Miniaturapfel Rockit gearbeitet. Hierzu bestehen enge und langjährige Partnerschaften mit unseren Vorlieferanten und der Industrie.
Gibt es Verpackungslösungen, die aus Ihrer Sicht zwar politisch oder gesellschaftlich gefordert werden, sich in der Praxis aber (noch) nicht bewähren? Wenn ja, woran scheitert es konkret?
Die PPWR wird in Zukunft mit einigen Ausnahmen Obst und Gemüse in Kunststoffverpackung unter 1,5 kg verbieten. Das ist eine große Herausforderung für Packbetriebe und Verpackungshersteller, da Verpackungen aus alternativem Material wie z.B. Zellulose aktuell in Deutschland nicht recycelt werden und deshalb in der Restmülltonne entsorgt werden müssen. Wenn Zellulose z.B. zur Abdeckung auf recyclingfähigen Schalen eingesetzt wird, muss der Verbraucher den Müll trennen. Zudem fehlen teilweise noch maschinelle Lösungen oder sind noch in der Entwicklung, die Verpackungen aus alternativen Materialien effizient abpacken können.
Wenn Sie an die nächsten drei bis fünf Jahre denken: Wo erwarten Sie echten Fortschritt bei Verpackungen im Frischebereich – und wo wird aus Ihrer Sicht aktuell zu viel erwartet?
Parallel zur Einführung der PPWR wird es vermutlich einen echten Fortschritt beim Einsatz von alternativen Materialien gegenüber Kunststoff geben. Vermutlich wird sich das aber nicht auf eine verbesserte Erhaltung der Frische auswirken, weil die alternativen Materialien nach unserer Kenntnis bei diesem Thema keinen Fortschritt bringen, aber das bleibt abzuwarten.