Die Ereignisse stellen laut Fruitimprese Sicilia einen „Wendepunkt“ für die laufende Citruskampagne dar. Nach Angaben der angeschlossenen Unternehmen seien mehr als 50 % der Ernte verloren gegangen. Zahlreiche Citrusanlagen seien überflutet worden, zudem liege ein erheblicher Teil der Früchte am Boden und sei nach Tagen im Kontakt mit Wasser und Schlamm weder frisch vermarktungsfähig noch für die Verarbeitung geeignet.
Die Erfassung der Schäden dauere derzeit noch an, ebenso die Bemühungen, zumindest Teile der stark beeinträchtigten Saison zu retten, heißt es in der Meldung des Verbands weiter. Placido Manganaro, Präsident von Fruitimprese Sicilia, erklärte: „Es wird alles darangesetzt werden, die eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten und sicherzustellen, dass sizilianische Produkte – insbesondere Orangen als Aushängeschild unserer Region – weiterhin in den Regalen der italienischen Handelsketten verfügbar sind.“
Zugleich verwies Manganaro auf den dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik. „Die Regierung hat außerordentliche Maßnahmen angekündigt – und es ist wirklich notwendig, schnell zu handeln, um die Arbeit und die Existenzgrundlage der Erzeuger und ihrer Familien zu sichern, die häufig auch mit Schäden an Wohnhäusern sowie weiterhin überfluteten oder nicht passierbaren Straßen konfrontiert sind“, so der Verbandsvertreter weiter.
Genaue Schadensbestimmung und Maßnahmen noch in Vorbereitung
Laut der Tageszeitung La Sicilia sind politische Abstimmungen und die staatliche Bestandsaufnahme zur Notlage in Sizilien derzeit noch im Gange. Bei einer Sitzung des Ministerrats habe der zuständige Minister Nello Musumeci zwar einen kurzen Lagebericht zur Situation in Sardinien, Kalabrien und Sizilien abgegeben, konkrete Angaben zu Umfang und Herkunft der finanziellen Mittel seien dabei jedoch noch nicht gemacht worden. Man wolle abwarten, bis sich unter anderem der Erdrutsch bei Niscemi stabilisiere – dort ist die Erde laut Medien weiter in Bewegung, weitere Teile der Stadt drohen entlang der aktuell 4 km langen Abbruchkante abzustürzen.
Wenn die Kommunen ihre Schadensmeldungen abgeschlossen hätten und der genaue Umfang der erforderlichen Maßnahmen feststehe, werde man Genaueres bekanntgeben. Als gesichert gilt laut La Sicilia, dass auf den Europäischen Solidaritätsfonds zurückgegriffen werde. Zudem prüfe man, bereits zugewiesene Kohäsionsmittel für die betroffenen Regionen umzuwidmen. Auf europäischer Ebene seien jedoch detaillierte Anträge erforderlich, die laut Italiens Außenminister Antonio Tajani in Vorbereitung seien.