BioBitte: Schulessen als Pflichtaufgabe – und als Hebel für mehr Bio
Ab August 2026 tritt der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder stufenweise in Kraft. Damit stehen Kommunen bundesweit vor einer zentralen Aufgabe: Sie müssen die Mittagsverpflegung in Grundschulen sicherstellen.
Was bislang häufig ein ergänzendes Angebot war, wird nun zur Pflichtaufgabe und zugleich zur Chance, Schulverpflegung zukunftsfähig zu gestalten. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen in der praktischen Umsetzung positioniere sich die Initiative BioBitte als praxisnahes Unterstützungsangebot für Kommunen, Schulträger und Vergabestellen. Neben bestehenden Informations- und Beratungsangeboten entwickele BioBitte u.a. gezielte Veranstaltungsformate zur Umstellung auf mehr Bio in der Schulverpflegung.
Dabei bündele BioBitte Kräfte mit Institutionen, die in die gleiche Richtung schauen. Im Austausch mit Wiebke Kottenkamp, Referatsleitung beim Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung, wird deutlich: Ganztag erfordere nicht nur mehr Essen, sondern vor allem tragfähige Strukturen.
Pflichtaufgabe Schulessen: Qualität beginnt in der Vergabe
Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird Schulverpflegung zu einem festen Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. Infrastruktur, Personal und Ausschreibungen müssen langfristig gedacht werden. Viele Kommunen stehen dabei vor der Herausforderung, steigende Anforderungen rechtssicher, wirtschaftlich und zugleich qualitätsorientiert umzusetzen. Gerade jetzt entscheide sich, ob Schulessen lediglich organisiert oder strategisch gestaltet wird. Denn – so Kottenkamp – „was in der Ausschreibung nicht gefordert wird, wird später auch nicht geliefert“.
Neben der Auswahl geeigneter Anbieter brauche es eindeutige Zuständigkeiten, funktionierende Austauschformate zwischen Schulen, Trägern und Caterern sowie klar definierte qualitative Vorgaben. Letztere lassen sich rechtssicher in Ausschreibungen verankern, etwa durch Vorgaben zu Saisonalität, zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung oder zum Einsatz ökologisch erzeugter Lebensmittel. So entstehen klare Rahmenbedingungen, die Küchen und Anbietern Orientierung geben und die Planung erleichtern.
Eine wichtige fachliche Orientierung biete dabei der DGE-Qualitätsstandard. Er diene als gemeinsame Referenz dafür, was gutes Schulessen leisten soll, und erleichtere die Übersetzung qualitativer Ansprüche in konkrete Vergabeprozesse. Dabei reiche es nicht, wenn der Träger formal etwas fordere, was nicht zur Schule passe: „Qualitätskriterien sind gemeinsam zu definieren und als Zuschlagskriterium für die Vergabe aufzunehmen und entsprechend zu gewichten. Das kann sowohl die Anzahl der Menülinien, die Auswahl an regionalen und ökologischen Lebensmitteln oder auch Formen der Partizipation umfassen“, so Wiebke Kottenkamp.
Wie tragfähig diese strukturellen Entscheidungen sind, zeige sich letztlich im Schulalltag – dort, wo Kinder täglich essen. Ob der Ganztag im Alltag funktioniere, zeige sich nicht allein in Konzepten und Richtlinien, sondern vor allem daran, ob das Mittagessen angenommen wird, schmeckt und gern gegessen wird.
Schulessen als Schlüsselfaktor für einen gelingenden Ganztag
Mit dem Ausbau des Ganztags rücken die alltäglichen Rahmenbedingungen des Schulessens stärker in den Fokus. Entscheidend sei, wie das Essen konkret organisiert und erlebt wird: ausreichend Zeit für das Mittagessen, eine angenehme Essatmosphäre sowie Abläufe, die den Schulalltag entlasten, etwa feste Essenszeiten und verlässliche Ausgabestrukturen.
Beteiligung spiele eine zentrale Rolle. Werden Kinder als Tischgäste ernst genommen, steige nicht nur ihre Akzeptanz, sondern auch die der Eltern. „Wenn die Kinder gern in der Schule essen, dann wurde schon ganz viel richtig gemacht“, so Kottenkamp.
Der Einsatz von Bio-Lebensmitteln kann dabei eine verbindende Rolle spielen: als gemeinsamer Qualitätsrahmen, der Orientierung biete, Wertschätzung ausdrücke und dazu beitrage, dass Schulessen positiv wahrgenommen wird – von Kindern ebenso wie von Schulen, Küchen und Kommunen.
Bio als verlässlicher Qualitätsbaustein
BioBitte zeige, wie Nachhaltigkeit Schritt für Schritt in der öffentlichen Verpflegung verankert werden kann. Der Einsatz von Bio-Lebensmitteln stehe dabei für transparente Standards entlang der Wertschöpfungskette und für klar definierte Anforderungen, die sowohl in Ausschreibungen als auch in der Küchenpraxis umsetzbar seien.
Mit verständlichen Informationsmaterialien, Beispielen guter Praxis und passenden Veranstaltungsformaten unterstütze die Initiative BioBitte Kommunen dabei, die Außer-Haus-Verpflegung zukunftsfähig weiterzuentwickeln und den Einsatz von Bio-Lebensmitteln zu erhöhen. Der Austausch mit dem Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung unterstreiche den gemeinsamen Anspruch, Wissen zu bündeln und Verantwortliche frühzeitig auf neue Rahmenbedingungen vorzubereiten.
Der Start der Ganztagspflicht mache deutlich: Schulessen wird zur Nagelprobe kommunaler Handlungsfähigkeit. BioBitte begleitet diesen Prozess als verlässliche Anlaufstelle.