Bessere Entscheidungen durch datengestützten Anbau
Ein guter Anbauplan, zuverlässige Daten und Modelle, die kontinuierlich Rückmeldungen aus dem Gewächshaus erhalten. Das sind wichtige Voraussetzungen, um Erzeuger bei ihren Anbauentscheidungen mit Daten besser zu unterstützen, berichtet Kas als Energiebron.
Dies geht aus dem Gurkenversuch im Rahmen von AGROS II hervor, der in diesem Frühjahr an der Wageningen University & Research (WUR) in Bleiswijk durchgeführt wurde. Der Digital Twin zeigte, dass die Steuerung der Bewässerung und des Klimas auf der Grundlage von Modellen gut funktioniert. Im Jahr 2027 folgt daher ein nächster Schritt: ein Anbau, bei dem der Erzeuger die Kontrolle behält, bei der täglichen Steuerung jedoch durch einen Digital Twin unterstützt wird.
Zuverlässige Daten sind entscheidend
Eine wichtige Schlussfolgerung aus dem Versuch sei, dass datengestützter Anbau mit guten Daten beginnt. Messungen müssen zuverlässig und konsistent durchgeführt werden. Seien die Daten nicht korrekt, können auch die darauf basierenden Entscheidungen nicht zuverlässig sein. Zudem zeigte sich erneut, wie wichtig ein guter Anbauplan ist. Vor Beginn wurde ein Plan erstellt, der die erwartete Ernte sowie die dafür erforderlichen Klimaeinstellungen und die Fruchtschnittstrategie enthielt. Die tatsächliche Ernte entsprach der Planung.
Während des Anbaus wurde das verwendete Dashboard kontinuierlich an die Bedürfnisse der Erzeuger und Experten angepasst. So wurden die Pflanzen-Daten vor den Klimadaten angezeigt, Trends über mehrere Wochen hinzugefügt und zusätzliche Pflanzendaten bereitgestellt, um die Pflanzen besser beurteilen zu können. Ein Bildverarbeitungssystem mit Kameras, das täglich durch das Gewächshaus fährt, könnte in Zukunft dabei helfen, diese Pflanzen-Daten automatisch und konsequent zu erfassen.
Datenbasierter Anbau, ohne Pflanzen vorher zu sehen
Der Versuch lief von Januar bis einschließlich Mai 2026. In drei identischen Gewächshäusern der WUR in Bleiswijk wurden Gurken mit drei verschiedenen Steuerungsmethoden angebaut. Das erste Gewächshaus wurde durch einen Digital Twin gesteuert, das zweite durch einen KI-Algorithmus. Im dritten, datengesteuerten Gewächshaus traf eine Gruppe aus Erzeugern und Experten die Entscheidungen auf der Grundlage von Daten zu Klima, Bewässerung und Pflanzenbestand.
Der Begleitausschuss erhielt hierfür Zugang zu einem speziell entwickelten Dashboard. Alle zwei Wochen bewerteten die Erzeuger und Experten die verfügbaren Daten und gaben auf dieser Grundlage eine Empfehlung ab. Erst danach betraten sie das Gewächshaus, um zu überprüfen, ob das aus den Daten hervorgehende Bild mit der Realität übereinstimmte. So untersuchte AGROS II, inwieweit Daten den Erzeugern helfen können, die Pflanzen zu beurteilen und fundierte Anbauentscheidungen zu treffen, ohne dafür zunächst selbst ins Gewächshaus schauen zu müssen.
Unterstützung bei immer komplexer werdendem Anbau
Der Bedarf an solcher Unterstützung steige. Gewächshausbetriebe werden größer und die Betriebsführung komplexer. Energiepreise, Verträge mit Lieferanten, die Verfügbarkeit von Personal sowie immer mehr technische und anbaukundliche Informationen spielen alle eine Rolle bei den Entscheidungen, die ein Erzeuger täglich treffen muss.
Es wird immer schwieriger, all diese Faktoren gleichzeitig im Blick zu behalten. Im Rahmen von AGROS II arbeite Wageningen Plant Research daher gemeinsam mit der Wirtschaft, Netzwerkpartnern und Erzeugern an Systemen, die Erzeuger bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Das Ziel dabei sei nicht, den Erzeuger auszuschalten, sondern vielmehr, die verfügbaren Daten und Modelle bei der täglichen Steuerung besser zu nutzen.
Nächster Schritt: Erzeuger und Digital Twin gemeinsam
Die Ergebnisse des Digital Twin bieten hierfür eine logische Fortsetzung. Der Versuch zeige, dass die Steuerung von Bewässerung und Klima auf der Grundlage von Modellen, mit Rückmeldungen aus dem Gewächshaus, gut funktioniere.
2027 wird daher bei AGROS ein Anbau durchgeführt, bei dem diese Vorgehensweise weiterentwickelt wird. Der Erzeuger behält die Kontrolle, wird jedoch bei der täglichen Steuerung von Bewässerung und Klima durch einen Digital Twin unterstützt.
Damit verlagere sich der Fokus zunehmend vom vollständig autonomen Anbau hin zu einem praktischen Zwischenschritt: dem Einsatz von Daten und Modellen, damit die Erzeuger fundiertere Entscheidungen treffen können. Die Ergebnisse dieses nächsten Versuchs werden erneut mit der Branche geteilt.