In seiner Eröffnungsrede erinnerte DKHV-Präsident Thomas Herkenrath an die Anfänge dieser Veranstaltungsreihe am Vorabend der FRUIT LOGISTICA. Der Berliner Kartoffelabend fand 2005 zum ersten Mal statt. Was damals mit rund 50 Teilnehmern im Kaminzimmer des InterContinental Berlin begann, hat sich über zwei Jahrzehnte zu dem wichtigsten Treffpunkt der Kartoffelwirtschaft entwickelt.
Große Ernte 2025 prägt die Marktlage
Inhaltlich stand die aktuelle Marktsituation im Mittelpunkt. Die Kartoffelsaison 2025 ist durch eine ungewöhnlich große Ernte gekennzeichnet. Ausgeweitete Anbauflächen und günstige Wachstumsbedingungen führten zu spürbaren Folgen am Markt. Dabei ist in diesem Jahr die Besonderheit, dass alle europäischen Länder vor der gleichen Situation stehen. Preisdruck, hohe Lagerbestände und die Veränderung internationaler Handelsstrukturen stellen den gesamten Markt vor erhebliche Herausforderungen.
Herkenrath ordnete die Situation als Teil eines typischen Marktzyklus ein. Nach hohen Preisen in den Vorjahren seien zusätzliche Produktionsentscheidungen getroffen worden, die zu dieser Situation führten. Entscheidend sei jedoch der Umgang mit dieser Phase. „Der Handel trägt Verantwortung für Stabilität in der Wertschöpfungskette, für die Lenkung von Überschüssen und für gesicherte Verwertungswege“, betonte der DKHV-Präsident. Dabei müsse aber auch sichergestellt werden, dass Erzeugerbetriebe eine langfristige wirtschaftliche Perspektive behalten.
Wettbewerbsfähigkeit unter Druck: Deutlich thematisiert wurden die strukturellen Belastungen der Branche: steigende Produktions- und Logistikkosten, im internationalen Vergleich hohe Energiepreise sowie Bürokratie und Überregulierung. Dadurch wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Kartoffelwirtschaft erheblich geschwächt.
Zuversicht und Verantwortung für die Zukunft
Trotz der außergewöhnlichen Marktlage zeigte sich der DKHV-Präsident zuversichtlich. Wichtig seien jetzt Besonnenheit statt Panik, Durchhaltevermögen statt Schnellschüsse und vor allem Zusammenhalt innerhalb der Branche. „Wenn Landwirte, Handel, Verarbeiter, Logistik, Verbände und Politik gemeinsam verantwortungsvoll handeln, hat die Kartoffelwirtschaft in der Vergangenheit jede vergleichbare Situation gemeistert. Wir werden das auch diesmal schaffen“, so Herkenrath.
Zugleich richtete der Präsident den Blick nach vorn. Mit der Gründung des „Jungen DKHV“ bindet der Verband gezielt die nächste Generation des Kartoffelhandels in seine Arbeit ein. Persönlicher Austausch, Netzwerke und Dialog blieben, trotz aller digitalen Möglichkeiten, unverzichtbar für die Zukunft der Branche.
Der 20. Internationale Berliner Kartoffelabend unterstrich erneut die Bedeutung des Formats als Plattform für Dialog und Vernetzung in der Branche. Herkenrath ermunterte alle Gäste, im Anschluss an den offiziellen Teil den Abend für persönliche Gespräche, fachlichen Austausch und internationale Kontakte zu nutzen.