Im Fokus standen die regulatorischen Anforderungen der kommenden Jahre sowie deren praktische Umsetzung entlang der gesamten Lieferkette. Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Organisationen, Handel und Industrie diskutierten, welche Veränderungen die PPWR für Verpackungslösungen, Kreislaufsysteme und Vertragsmodelle mit sich bringt. Hauptsorge aus Sicht der Produktion sind der hohe administrative Aufwand, die Rollenverteilung in der Lieferkette und die bestehende Rechtsunsicherheit, die wenige Wochen vor dem Stichtag im August noch besteht. „Insbesondere der Begriff Hersteller-Erzeuger und damit auch die Zuweisung von Verantwortlichkeiten sind aus unserer Sicht nicht abschließend geklärt”, sagte Suse-Katrin Jamrath, stellv. BVEO-Geschäftsführerin. Aus Sicht von Landfrisch-Vorstand Johannes von Eerde wird insbesondere die Umsetzung der Konformitätserklärung viele, vor allem kleinere Betriebe in erheblichem Maße zusätzlich belasten. „Wir als große Organisation spielen gerade viele Szenarien durch, um uns bestmöglich auf die Situation einzustellen. Um alle Materialflüsse restlos zu kontrollieren und zu dokumentieren, müsste man aber eigentlich doppelt so viele Mitarbeitende haben.“
Ergänzt wurde das Programm durch Kurzvorträge zu Kunststoff-, Papier- und Kartonlösungen sowie biobasierten und kompostierbaren Alternativen. Den Auftakt zur Veranstaltung hatte Freshfel-Generalsekretär Philippe Binard mit seiner Keynote „Was bedeutet die PPWR real?“ gemacht. Dabei ging es u.a. um den aktuellen Stand der EU-Regulierung, nationale Spielräume sowie die konkreten Anforderungen, die ab 2026 und in den nachfolgenden Jahren bis 2030 auf die Branche zukommen. Binard forderte u.a., dass die Obst- und Gemüsebranche gegenüber anderen Branchen nicht benachteiligt wird. Es müssten zudem in der EU einheitliche Regelungen verbindlich umgesetzt werden. Nationale Alleingänge würden den freien Warenverkehr in hohem Maße gefährden. Weitere Impulse kamen aus der Verpackungsindustrie: Christoph Heubeck gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei Papier- und Kartonlösungen, Kunststoff- und Rezyklatkonzepten sowie biobasierten Verpackungsalternativen.
Ein weiteres Panel widmete sich der Materialwahl im Spannungsfeld zwischen Gesetzgebung, Handel und Nachhaltigkeit. Themen wie Monomaterialien, Rezyklatanteile, Ökobilanzen und Kennzeichnungspflichten standen dabei im Mittelpunkt. Es diskutierten Claudia Schuh (Lorentzen & Sievers), Florian Cebulla (Schwarz Gruppe) und Till Isensee (Tilisco GmbH).
Am Nachmittag zeigten Case Studies aus Praxis und Wissenschaft, wie die PPWR bereits heute umgesetzt wird – bei Erzeugern, im Lebensmitteleinzelhandel sowie in innovativen Start-ups. Mit dabei waren Dr. Markus Nöthen, Johannes von Eerde und Ulrike Danne. Unter dem Titel „Rethink Contracts“ erläuterte Sascha Dechow schließlich, wie die PPWR neue Rahmenbedingungen für Verträge mit Dualen Systemen in Deutschland und Europa schafft. Zum Abschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Verpackungsindustrie, Handel, Produktion, Nachhaltigkeit und Recyclingwirtschaft über die Zukunft der Verpackung im Obst- und Gemüsesektor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ein praktikabler Kompromiss zwischen regulatorischen Anforderungen, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gelingen kann.
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