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Gewächshausanbau: Niederlande präsentieren erste Ergebnisse aus dem „Masterplan Licht“ 

In den vergangenen Jahren sind die Strompreise stark gestiegen. Daher prüfen Gewächshausbetriebe ihre Belichtungsstrategien zunehmend kritisch. Ziel ist es, den Stromverbrauch für Assimilationsbelichtung zu senken, ohne Wachstum und Ertrag zu beeinträchtigen.

Tomaten

Wie ‚Glastuinbouw Nederland‘ berichtet, sind folgende Strategien besonders vielversprechend: das Dimmen bei ausreichender Sonneneinstrahlung oder hohen Strompreisen, das Ausgleichen lichtarmer Tage durch spätere höhere Einstrahlung sowie der Einsatz von besonders energieeffizientem rotem Licht. Im Projekt „Masterplan Licht“ werden dazu gezielt energieeffiziente, intelligente Belichtungsstrategien entwickelt. Mitte September vergangenen Jahres wurden in der Versuchsanordnung vier Tomatenbestände der Sorte Macxize gepflanzt und schrittweise auf 17 Stunden tägliche Belichtung eingestellt. Getestet wurden vier Ansätze:

  • Referenz: 325 µmol/m²/s mit einem Spektrum aus 5 % Blau, 5 % Grün und 90 % Rot 
  • 100 % Rotlicht bei gleicher Intensität wie die Referenz 
  • Täglicher Wechsel zwischen 225 und 425 µmol/m²/s  
  • Wöchentlicher Wechsel mit vier Tagen niedriger Intensität (225 µmol/m²/s) und drei Tagen hoher Intensität (458 µmol/m²/s).

Erste Ergebnisse lassen erkennen: In den ersten Wochen zeigten sich die Pflanzen unter 100 % Rotlicht kräftig, mit langen Blättern und vergleichbarer Entwicklung. Im weiteren Verlauf entwickelten sich alle Varianten eher generativ, teils mit leichten Blattranderscheinungen. In den ersten geernteten Trauben trat vereinzelt Fehlfärbung auf, jedoch nicht zeitgleich in allen Varianten. Die beiden Varianten mit Lichtwechseln entwickelten sich optisch ähnlich oder sogar etwas kräftiger als die Referenz. In den Ertragszahlen spiegelte sich das allerdings nicht wider: Pflanzenbelastung und Produktion lagen auf Referenzniveau. Das deutet aus Sicht der Forschenden darauf hin, dass Tomaten lichtärmere Tage durch spätere höhere Einstrahlung kompensieren können – und nicht zwingend durch zusätzliche Lampenstunden. Die reine Rotlicht-Variante bietet den bisherigen Ergebnissen zufolge zwei klare Vorteile: hohe Energieeffizienz (µmol/J) und hohe Effizienz in der Photosynthese. Bislang galt die Annahme, dass Tomaten für eine stabile Entwicklung auch andere Lichtfarben benötigen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen eine vergleichbare Produktion zu den anderen Varianten. Allerdings sind die Pflanzen etwas schwächer (dünnere Triebspitzen) und weisen eine geringere Pflanzenbelastung auf. Ob sich dies langfristig auswirkt, bleibt den Wissenschaftlern zufolge abzuwarten. Bislang, so bilanziert ‚Glastuinbouw Nederland‘, schneidet die reine Rotlichtstrategie besser ab als von vielen Praktikern befürchtet. Der Versuch läuft noch bis Ende Mai, danach werden die endgültigen Ergebnisse erwartet.

Das Ziel des „Masterplan Licht“ ist es, den Energieverbrauch im Gewächshaus durch eine intelligente Steuerung der Assimilationsbelichtung deutlich zu senken – durch weniger, anderes oder gezielter eingesetztes Licht. Beteiligt sind die Business Unit Glastuinbau von Wageningen University & Research, das Delphy Improvement Centre, Plant Lighting und Glastuinbouw Nederland. Gefördert wird das Projekt von der Topsector Tuinbouw & Uitgangsmaterialen sowie der Stiftung KIJK.

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