Für Paprika wurde diese Strategie bereits erfolgreich im Rahmen des Programms „Kas als Ecosysteem van Kennis in je Kas” (KijK, Gewächshaus als Wissensökosystem) entwickelt. Aber funktioniert sie auch für den Auberginenanbau? Diese Frage steht im kommenden Anbaujahr im Mittelpunkt eines Praxistests bei Van Onselen Aubergines.
Alle biologischen Schädlingsbekämpfer, die gegen Blattläuse auf dem Markt sind, benötigen Blattläuse, um richtig wirken zu können. Obwohl Auberginenanbauer lieber keine Läuse in ihren Pflanzen haben möchten, wagt es das an dem Pilotprojekt teilnehmende Anbauunternehmen, kontrolliert Kartoffelblattläuse in den Auberginenpflanzen anzusiedeln. Bei diesem „Pest-in-First-System” werden an einem anderen Ort sorgfältig gezüchtete Kartoffelblattläuse in „Nährstoffreihen” in die Kultur eingebracht. Unmittelbar nach dem Befall durch diese Läuse setzt der Erzeuger eine breite Palette biologischer Bekämpfungsmittel ein. Berater Sjors van den Berg von Quabio führt das Pilotprojekt durch. Die Pflanzenkooperative Aubergine van Glastuinbouw Nederland finanziert das Pilotprojekt.
Früher oder später bekomme jeder Auberginenanbauer Blattläuse in seiner Kultur. Oft bestehe die Strategie dann darin, sehr schnell zusätzliche biologische Mittel einzusetzen. Aber die Geschwindigkeit, mit der sich Blattläuse entwickeln, sei groß. Große Herden von bspw. Pfirsichläusen verursachen Ernteschäden, während Butterblumenläuse bereits in sehr geringer Anzahl erhebliche Schäden an den Wachstumspunkten verursachen.
Wenn die biologische Bekämpfung zu spät einsetzt, ist bereits viel Schaden entstanden. Ziel des Pilotprojekts ist es, zu prüfen, ob der neue Ansatz den Befall mit Butterblumen- und Pfirsichblattläusen reduzieren und Schäden verhindern kann.
Durch die schnelle Züchtung von Kartoffelblattläusen wird in kurzer Zeit eine Armee biologischer Bekämpfungsmittel aufgebaut. Die Kartoffelblattlaus ist eine große Blattlaus, aus der sich nach der Parasitierung große, robuste Schlupfwespen entwickeln. Sie ist auch eine gute Nahrungsquelle für Propylea und Florfliegen. Kartoffelblattläuse sind zwar auch ein Schädling in Auberginen, aber wenn die biologischen Bekämpfungsmittel schnell wirken, müssen die Läuse kein Problem darstellen. Ziel des Pilotprojekts ist es daher, kontinuierlich unter der sogenannten Schadensschwelle zu bleiben. Mit Getreidepollen können ebenfalls präventiv Bekämpfungsmittel aufgebaut werden, diese werden jedoch oft zu schnell aufgefressen.
Teil der Strategie seien intensive Beobachtungen, um festzustellen, ob das Gleichgewicht zwischen Kartoffelblattlaus und Biologie erhalten bleibe. Außerdem wird geprüft, ob es damit gelingt, andere Blattlausarten, insbesondere die Butterblume, aus dem Auberginenanbau fernzuhalten. Das neue Pilotprojekt wird von der Pflanzenkooperative Aubergine finanziell unterstützt.