4 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Kaum Preisspielraum bei Gemüse in der Saison 2025

Viele Verbraucher in Deutschland waren 2025 weiter im Krisenmodus. Meinung und Stimmung waren schlecht, das wirkte sich negativ auf die private Nachfrage aus. Die Lebenshaltungskosten in Deutschland blieben hoch. 

Mann mit Einkaufskorb vor Gemüseregal
© TungArt7/Pixabay

Durchaus verständlich also, dass die Verbraucher ihre Schwerpunkte etwas anders setzen. Eine hohe Sparquote und eine eher pessimistische Einkommenserwartung dämpfen den Konsum. In diesem Umfeld musste sich auch der Gemüsemarkt in der Saison 2025 finden. 

Starke Einstrahlung und hohe Temperaturen im zeitigen Frühjahr 2025 führten dazu, dass die Erntemengen an Frühgemüse in Deutschland schnell stiegen. Schon zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr baute sich dadurch Vermarktungsdruck auf, und die Preise gerieten ins Rutschen. Zeitweise herrschte das Gefühl vor, die Ware würde überhaupt nicht vom Markt abfließen. Dabei waren die Zahlen zur privaten Nachfrage unauffällig. Die Zahl der Angebotsaktionen im Lebensmitteleinzelhandel hätte zeitweise etwas höher sein dürfen, um eine stärkere Nachfrage zu generieren. Zudem wurden nicht immer die niedrigen Preise auf Erzeugerebene auch an die Endverbraucher weitergegeben.

Umfangreiches Angebot – Erzeugerpreise rutschen unter die Vorjahreslinie

Auch im weiteren Saisonverlauf war der Gemüsemarkt eher von einem etwas zu großen Angebot geprägt. Dabei ist nicht davon auszugehen, dass die Anbauflächen 2025 gegenüber dem Vorjahr deutlich ausgeweitet wurden. Vielmehr dürfte Gemüse auf einer ähnlich großen Fläche angebaut worden sein. Allerdings waren die Abernteraten in weiten Teilen der Saison deutlich höher als im Vorjahr. Das führte auch dazu, dass nicht alle Ware, die hätte geerntet werden können, auch von der Fläche geholt wurde. Auch die teils extremen Witterungsbedingungen mit Starkregen, gebietsweise auch Hagel, haben dem Angebotsaufkommen nicht nachhaltig geschadet, so dass Phasen mit etwas höheren Preisen nur von kurzer Dauer waren. Für viele Produkte wurden im Saisonverlauf bestenfalls ähnliche Preise wie im Vorjahr erzielt, vielfach lagen sie auch darunter. Späte Zuwächse bescherten auch den Herbst- und Lagergemüsearten hohe Erträge und Erntemengen. Das umfangreiche Angebot drückte auch hier auf die Preise.

Produktionskosten steigen weiter

Selbst ein leichtes Plus bei den Erzeugerpreisen wäre nicht ausreichend, die weiter steigenden Produktionskosten zu decken. Der Preisindex landwirtschaftlicher Betriebsmittel hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Zuletzt waren es unter anderem wieder die Düngemittel, die zur Kostensteigerung beigetragen haben. Die zweite wesentliche Komponente bei den Produktionskosten sind die Löhne. Da der Mindestlohn 2025 erneut um drei Prozent höher lag als im Vorjahr, hat das entsprechende Auswirkungen auf die Produktionskosten. Schon in den vergangenen Jahren blieb von dem Anstieg der Erzeugermarktpreise nach einer Deflationierung um den Preisindex landwirtschaftlicher Betriebsmittel nichts mehr übrig.

Nicht nur das Angebot an Gemüse aus deutscher Produktion war im Jahr 2025 umfangreich. Auch die Einfuhren von frischem Gemüse nach Deutschland sind wieder auf Wachstumskurs und könnten den bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2021 sogar noch übertreffen. Hochrechnungen auf Basis der bislang vorliegenden Daten zu den Einfuhren lassen eine Gesamtmenge von rund 3,57 Mio t erwarten. Das wären gut 2 % mehr als im Vorjahr.

Verbraucher kauften etwas mehr zu niedrigeren Preisen

In der Gesamtbetrachtung für den Zeitraum Januar bis November mussten die privaten Verbraucher in Deutschland für Gemüse insgesamt, inklusive Importe, durchschnittlich 2,97 Euro/kg ausgeben. Das war rund ein Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das zeigt eine AMI-Analyse auf Basis des YouGov Haushaltspanels. Deutsches Gemüse war für die Verbraucher sogar um vier Prozent günstiger. Die Verbraucher haben unterm Strich auch etwas mehr Gemüse eingekauft als im Vorjahr. Inklusive der Importe stieg die Einkaufsmenge um knapp 2 %. Ausschließlich auf deutsches Gemüse bezogen, war der Anstieg mit einem Plus um knapp 4 % noch etwas stärker.

Ausblick 2026

Die grundsätzlichen Herausforderungen der Branche werden 2026 weiterhin Bestand haben. Dazu gehören steigende Produktionskosten, die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln und die Zunahme von Extremwetterereignissen. Und da eben der Großteil der Gemüseernte, sowohl in Deutschland als auch in wichtigen Herkunftsländern, im Freiland heranwächst, wird wieder viel von den Witterungsbedingungen abhängen. Entsprechend werden die Karten am Gemüsemarkt wieder neu gemischt. Regionale Schadereignisse können meist überregional oder international ausgeglichen werden. Kommt es flächendeckend zu Ausfällen oder Einschränkungen, dann sind auch wieder entsprechende Preisreaktionen zu erwarten. Zu Beginn des neuen Jahres haben zunächst die Witterungsbedingungen in Spanien den größten Einfluss auf die Warenverfügbarkeit und damit auch auf die Preise. Lagergemüse ist in Deutschland zunächst noch reichlich verfügbar. Hier wird es darauf ankommen, wie hoch die Verluste im Rahmen der Aufbereitung ausfallen. AMI

  • Deutschland