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Rund viereinhalb Jahre haben Expertinnen und Experten der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ, des Global Nature Fund (GNF) und der Bodensee-Stiftung am Beispiel von Bananen und Ananas aus Costa Rica und der Dominkanischen Republik wirksame Ansätze dafür erarbeitet und erprobt, Biodiversitätsmaßnahmen auf den Plantagen zu integrieren. Auf einer Fachtagung in Frankfurt wurde zusammen mit rund 80 Vertreterinnen und Vertretern der Branche Bilanz gezogen.

Als erfolgreichste Maßnahme wurden effiziente Biodiversitätskriterien in bestehenden Nachhaltigkeitsstandards der Lebensmittelbranche identifiziert. Standards wie Rainforest Alliance, Fairtrade und Sustainably Grown im konventionellen, Naturland und Demeter im Bioanbau haben inzwischen umfassende Kriterien, die den Schutz der Biologischen Vielfalt wirksam adressieren. „Mit bis zu 90% zertifizierter Ware bei Bananen und vermutlich deutlich über 50% bei Ananas dürfen wir mit Fug und Recht von Mainstraeming sprechen“, erklärte Thomas Schaefer, Leiter Naturschutz und Koordinator des Projektes beim GNF. Wie weitgehend diese Kriterien sein können, zeigt der neue Standard von Naturland, den Eva Kohlschmidt vorstellte. Neben Entwaldungsverbot seit dem Jahr 2000, wird in vielen tropischen Dauerkulturen der Anbau im Agroforst zur Pflicht.

Ebenso erfolgreich und konkret in der Umsetzung sei der Biodiversity Check Agricola (BCA), den bislang mehr als 150 Betriebe durchgeführt haben und die nun einen Biodiversitäts-Aktionsplan (BAP) umsetzen. Rund 45.000 ha Fläche – etwa so viel wir für den Anbau der in Deutschland konsumierten Bananen und Ananas benötigt werden – werden schrittweise biodiversitätsfreundlicher entwickelt, bzw. bewirtschaftet. „Der BCA hat sich als pragmatische und praktische Methode für große Plantagen genauso wie für kleinbäuerliche Kooperativen erwiesen“ unterstrich Marion Hammerl, Senior Expertin der Bodensee-Stiftung und Initiatorin des Projektes Del Campo al Plato.

Erfolgversprechend ist auch der Landschaftsansatz, den Campo al Plato und andere Projekte inzwischen verfolgen. Ralf Buß, Projektverantwortlicher bei der GIZ in Ecuador stellte zwei Initiativen mit indigenen Gruppen in Kolumbien und Ecuador vor, bei denen durch Integration von Maßnahmen für die Biodiversität in traditionelle Anbausysteme auch produktübergreifend gegen Degradierung und Biodiversitätsverlust wirken und nicht projektbezogen mit einzelnen Plantagen arbeiten. Biotopkorridore in Costa Rica und der Dominkanischen Republik, in deren Umsetzung Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette für Banane und Ananas investieren, verfolgen denselben Ansatz.

Ordnungspolitische Ansätze wir die EU Entwaldungsverordnung und das EU Lieferkettengesetz stellen gleiche Bedingungen für alle Unternehmen her. Damit werden die Marktchancen für Unternehmen verbessert, die bereits Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen und im Wettbewerb bisher Nachteile haben, da die Kosten für die Produkte häufig höher sind. Das erläuterte Franziska Rau, Beraterin für Entwaldungsfreiheit der GIZ. Gleichzeitig stellen sie die erzeugenden Betriebe in Ländern des globalen Südens vor große Herausforderungen in der Umsetzung. Die Verteilung der Kosten zur Einhaltung der Bestimmungen entlang der Lieferketten ist noch nicht ausreichend geklärt. Martin Schüller, Referent Entwicklungspolitik, Klima & Umwelt bei Fairtrade, betonte, dass diese Kosten nicht allein von den Kleinbauern und –bäuerinnen aufgebracht werden können.

Ebenfalls noch ungelöst ist die Wechselwirkung zwischen Angebot und Preisgestaltung im LEH und der Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbrraucher nach nachhaltigen – biodiversitätsfreundlichen – Produkten. Umfragen bestätigen inzwischen die zunehmende Bereitschaft der Kunden, sich an den Kosten für nachhaltige Produktion zu beteiligen. Gerade im konventionellen Marktsegment werde diese Bereitschaft durch den LEH noch nicht ausreichend genutzt, um auskömmliche Preise für die Erzeuger zu ermöglichen, die Kosten und Mehrwert eines Produkts decken, dass biodiversitätsfördernd angebaut wurde. Anders sei dies im fairen Handel und im Bioanbau, vor allem bei Verbandsware, wo die Erzeugenden auskömmliche Preise erzielen können.