Dienstag, 22. September 2020
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15.09.2020

Behr AG: "Die Ernährung der Menschen sichern und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten und fördern"

Fotos: Behr AG

Wer im Freiland Gemüse im Boden anbaue, sei automatisch auf die intakte Natur angewiesen, sagte Rudolf Behr, Vorstandsvorsitzender Behr AG. Ihr Erhalt sei die Grundlage, die Felder auch morgen noch bestellen zu können. Das werde in der oft aufgeregten Diskussion vergessen. "Wir von der Behr AG können das gut beurteilen. Denn wir sind sowohl im ökologischen Gemüsebau im Verband BioPark tätig als auch im konventionellen, bodengebundenen Freilandgemüsebau."

Im Folgenden schreibt Behr, wie das Unternehmen die Zukunfts-Probleme lösen will: "Es ist heute zunehmend wichtig herauszustellen, wie und wo die Pflanzen wachsen. Derzeit wird in den Medien häufig die fabrikmäßige Gemüseproduktion in Hallen ohne natürliches Sonnenlicht und Boden als zukunftsweisend propagiert. Künstliches, der Sonne nachempfundenes, Licht und mit Mineralien aufgedüngtes Wasser ersetzen Sonne und Erde. Grün werden die Blätter auch. Es sind aber in klinischen Reinräumen gewachsene Pflanzen, die mit keiner Natur in Berührung kommen. Das würden sie nicht überleben. Es gibt eine Logik, dass wir in dieser Produktionsweise in einiger Zeit auch Leben entdecken, das wir aber meiden sollten, da es ganz andersartig ist als in der freien Natur. Wo 'Nichts' ist, wird auch nichts bekämpft und unterdrückt. Man muss nur mal an die hartnäckigen Krankenhauskeime denken, dann ahnt man, was kommt.
Wir können uns im bodengebundenen Anbau nicht erlauben, die Natur auszusperren. Wir brauchen die gegenläufigen Naturkräfte, um gesunde Pflanzen zu ernten. Es ist bekannt, dass ein klinisch sauberer Haushalt für Kinder eher gefährlich ist, weil sie keine Abwehrstoffe bilden. So würde es unseren Pflanzen auch gehen, wenn wir sie von der Natur aussperren würden. Wir müssen mit den Ressourcen wie Wasser und Boden verantwortungsbewusst umgehen, denn wir leben davon und durch unsere Arbeit eine Menge an Menschen, die gesundes Gemüse essen möchten. Wir können die explosionsartig gewachsene Bevölkerung nur vernünftig ernähren, wenn wir uns gleichzeitig alle technischen Errungenschaften und digitalen Fortschritte aufs Feld holen. Das geschieht nicht gegen die Natur, sondern erlaubt uns filigran mit der Natur zu arbeiten. Die Pflanze darf nicht der Technik untergeordnet sein, sondern die Technik ist 'Diener der Pflanze'. So konnten wir über diese Technik bisher schon 25 % an Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Wasser pro Stück Gemüse verringern. Der für das Bodenleben schädliche Druck konnte sogar um 60 % verringert werden.
Für uns gehört dabei aktiver Artenschutz zum 'natürlichen' Gemüseanbau, denn Vielfalt erhalten fördert robuste Naturgegebenheiten. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, gesundes Gemüse in ausreichender Menge für die Menschen zu pflanzen und zu ernten und gleichzeitig das übrige Leben drum herum zu schützen und zu fördern. Hier sind es sowohl 'große' als auch 'kleine' Maßnahmen, durch die wir die Umwelt schützen und die Artenvielfalt aktiv fördern. Denn unter diesen Arten befindet sich auch eine Vielzahl von 'Nützlingen' – unsere natürlichen Helfer gegen Schädlinge. Diese Nützlinge zu erhalten und zu fördern ist für uns ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Pflanzenschutzes sowohl im Bio- als auch im konventionellen Anbau. Vieles geschieht beiläufig. Denn warum sollten wir zum Beispiel Steine, die bei der Bewirtschaftung unserer Felder ausgegraben werden, teuer und aufwendig abtransportieren? Wir lassen sie neben unseren Feldern aufgehäuft liegen. Darin finden dann verschiedenste Tierarten ein Zuhause. Insgesamt hat sich über die Jahre eine ganze Reihe an Maßnahmen etabliert, und sie werden stetig ausgebaut. Dazu zählen z.B. Totholzstapel in nicht bearbeiteten Waldflächen, Vogelhäuser, Sitzstangen für Greifvögel, Fledermausbehausungen und Insektenhotels. Ausbauen konnten wir auch stetig die Hektarzahlen unserer Blühflächen. Waren es 2018 'nur' 50 ha beläuft sich ihre Summe mittlerweile auf über 150 ha, das entspricht 210 Fußballfeldern. Zum Betreuen der Natur- und Artenschutzmaßnahmen und der mittlerweile über das Jahr gesehen rund 100 Behr-Bienenvölker wurde im Hause Behr ein gelernter Imker eingestellt. Durch all diese Maßnahmen schaffen wir rund um unsere Flächen Lebens- und Rückzugsräume für die verschiedensten Arten.
Um die Zusammenhänge zwischen Natur- und Artenschutz und dem natürlichen Freilandanbau von Gemüse noch tiefer zu ergründen, werden wir mit verschiedenen Universitäten und Stiftungen die Eigenarten der Insekten beobachten und daraus weitere Handlungen erarbeiten, die auch umsetzbar sind und das Ziel im Blick haben: Gemüseernte für die Menschen in einer behüteten Natur.
Die Behr AG ist heute eine europaweit agierende Firmengruppe in der Gemüseproduktion und baut mittlerweile auf rund 4.000 ha Freilandgemüse an, von denen knapp 350 ha mit zertifizierter Bio-Verbandsware bewirtschaftet werden. Das in vierter Generation inhabergeführte Unternehmen lebt von seiner nachhaltigen Handlungsweise genauso wie von seiner hohen Innovationskraft. Für uns als Bauern und Familienunternehmen ist nachhaltiges Handeln selbstverständlich, denn wir denken in Generationen. Das ist landwirtschaftliche Tradition. Neben ökonomischen Gesichtspunkten ist der respektvolle Umgang mit der Natur, aber auch mit unseren Mitarbeitern, die Grundlage dafür, unsere Felder auch morgen noch bestellen zu können. Artenvielfalt erhalten und fördern kann man auch mit wenigen Mitteln. Nicht so viel reden, einfach machen.“

Die fünfte Generation der Familie Behr sei bereits voll im Unternehmen mit tätig und halte an diesem für alle – Mensch und Natur – wertvollen Erfolgskonzept fest, heißt es abschließend.

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